Probefahrt mit einem Wasserstoff-Postauto

Christian Dorer am Steuer des BZ-Postautos, Foto: Annika Bütschi, Die Nordwestschweiz
Christian Dorer am Steuer des BZ-Postautos, Foto: Annika Bütschi, Die Nordwestschweiz

Christian Dorer, der Chefredakteur der az Aargauer Zeitung und Besitzer eines Busführerscheins, steuerte den Wasserstoffbus der PostAuto Schweiz AG von Brugg nach Habsburg und zurück. Er zögerte keine Sekunde, als das schweizerische Busunternehmen bei der Zeitungsredaktion wegen einer Testfahrt anfragte.

weiterlesen

IAA 2011: Daimler macht Brennstoffzellen wieder Hoffnung

Den mit Abstand größten Auftritt in Sachen E-Mobilität hatte der Autokonzern Daimler auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) 2011 in Frankfurt am Main. Mit dem F 125 zog Firmen-Chef Zetsche eine spektakuläre Show ab, die ihresgleichen sucht. Natürlich war dieses Spektakel auch als Ablenkungsmanöver initiiert worden, natürlich ging es dabei vorrangig um Marketingzwecke, damit im Hintergrund ungestört noch größere Geländewagen und noch teurere Premiumfahrzeuge verkauft werden können. Und natürlich werden viele der dort präsentierten Komponenten erst in 20 Jahren marktreif sein. Aber darauf kommt es mir hier jetzt gar nicht so sehr an. Viel wichtiger erscheint mir das lautstarke Bekenntnis zu Gunsten der Brennstoffzellentechnik.

Dieses Bekenntnis muss vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass Daimler schon einmal mit verfrühten Ankündigungen sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Es kann deshalb vorausgesetzt werden, dass diese Show-Veranstaltung gut überlegt war. Der Stuttgarter Konzern beugt sich hier weit in Richtung Brennstoffzelle aus dem Fenster, obwohl derzeit fast alle Mitbewerber voll auf Batteriefahrzeuge setzen. Das ist ein deutliches Statement sowohl an die Politik als auch den Wettbewerb, dass Daimler diese Technik wirklich will, dass die Weltumrundung mit den drei brennstoffzellenbetriebenen B-Klasse-Modellen nicht nur ein Werbegag war, dass tatsächlich am Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur gearbeitet wird.

Und dennoch bleibt die Ungewissheit, ob bis 2014/2015 nicht vielleicht doch noch eine andere Technologie dazwischenfunken könnte und ob Zetsche lang genug im Amt bleiben wird, um diese neuerlichen Versprechen auch wirklich in die Tat umsetzen zu können.

Tatsache ist, dass das Thema „Elektromobilität“ für über zwei Jahre ein heißes Thema war, länger als viele Beobachter erwartet hatten. Mittlerweile tauchen aber Anzeichen auf, dass die erste Aufregung um Elektrofahrzeuge eventuell Erwartungen geweckt haben könnte, die gar nicht realisierbar sind. So hatte Ende August 2011 der chinesische Ministerpräsident Wen in der Parteizeitung zu Protokoll gegeben, es sei nicht sicher, „ob diese Fahrzeuge sich letztlich durchsetzen“ würden, auch wenn „die Entwicklung von Elektroautos gerade erst begonnen hat.“ Zudem wurde bekannt, dass der chinesische Autobauer Build Your Dreams (BYD) bereits mehrfach die Markteinführung von E-Autos verschoben hat. Eine Studie (European Automotive Survey 2011) der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young gibt sogar an, dass die europäischen Automanager durchschnittlich erst 2022 mit dem Durchbruch der Elektromobilität rechnen, also zwei Jahre später als das von der Bundesregierung angepeilte Jahr 2020.

Kommt jetzt also für die Batteriefahrzeuge das Tal der Tränen, in dem die Elektromobilität von der Realität eingeholt wird, ähnlich wie es vor Jahren bei den Brennstoffzellenautos war?

Daimler sagt: Die BZ-Technik ist fertig

Nach rund 125 Tagen und zusammen 90.000 Kilometern sind die drei B-Klasse F-CELL-Modelle am 1. Juni 2011 wieder heil zurück nach Stuttgart gekommen. Mit dem Mercedes-Benz F-CELL World Drive (s. HZwei-Heft Apr. 2011) rund um den Globus wollte die Daimler AG „die hohe technische Reife der Brennstoffzellentechnologie unter Beweis stellen“. Forschungsvorstand Thomas Weber erklärte, die Weltumfahrung durch 14 Länder über vier Kontinente zeige, dass die Technik absolut praxistauglich ist. Er ging sogar noch einen Schritt weiter und sagte gegenüber der Börsen-Zeitung: „Die Technik ist fertig.“

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Abschluss der Tournee sagte Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, in Stuttgart: „Die Zeit ist reif für Elektroautos mit Brennstoffzelle. Jetzt muss das Thema Infrastruktur Fahrt aufnehmen. Denn nur mit einer ausreichenden Zahl an Wasserstofftankstellen können Autofahrer von den Vorteilen der Technologie profitieren: große Reichweiten, kurze Tankzeiten, null Emissionen.“ Aus diesem Grund vereinbarten Daimler und Linde, in den nächsten drei Jahren, 20 H2-Tankstellen in Deutschland bauen zu wollen. Die anvisierten Standorte liegen in Berlin, Hamburg und Stuttgart sowie entlang einer neu zu schaffenden Nord-Süd- sowie einer Ost-West-Verbindung. Beide Unternehmen, die mit Investitionen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags rechnen, verstehen diese Initiative als Brückenschlag zu den bestehenden Infrastrukturprojekten H2-Mobility und Clean Energy Partnership.

Mitte März 2011 vermeldeten die Schwaben zudem, Mercedes-Benz werde eine eigene Fertigung für BZ-Stacks in Burnaby bei Vancouver, Kanada, aufbauen. Die dort bereits ansässige Automotive Fuel Cell Cooperation (AFCC), ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler (50,1 %), Ford (30 %) und Ballard (19,9 %), entwickelte den aktuell in der B-Klasse verbauten Stack. Günter Walz, Leiter Ausland Mercedes-Benz Cars, erklärte: „Die Gründung der neuen Produktionsstätte unter dem Dach von Mercedes-Benz Kanada ist die logische Konsequenz von Daimlers erfolgreicher Zusammenarbeit mit Partnern am Standort Vancouver.“ Nach der Materialforschung und Entwicklung wird dort nun auch die Produktion angesiedelt, damit 2013 die Serienproduktion der nächsten Stack-Generation starten kann. Der neue, effizientere und kompaktere Stack soll dann auch für die C- und E-Klasse eingesetzt werden. Daimler-Chef Zetsche konkretisierte am 1. Juni 2011, die Produktion von BZ-Fahrzeugen in Großserie werde bereits 2014 anlaufen. Das wäre ein Jahr früher als bislang kommuniziert.

Im Brennstoffzellen-Auto um die Welt

Am 29. Januar 2011 hat die erste Weltumrundung mit einem Brennstoffzellenauto begonnen. Der Mercedes-Benz F-CELL World Drive startete anlässlich des von der Daimler AG definierten 125. Geburtstages des Automobils, denn am 29. Januar 1886 hatte Carl Benz die Idee des „Fahrzeugs mit Gasmotorenbetrieb“ beim Berliner Patentamt eingereicht. Außerdem stellte im gleichen Jahr Gottlieb Daimler seine Motorkutsche fertig.

Die Langstreckenfahrt führt die drei an den Start gegangenen B-Klasse-F-CELL-Modelle innerhalb von insgesamt 125 Tagen durch 14 Länder und über vier Kontinente. Die Fahrzeuge stammen aus der Produktionsreihe einer ersten Serie von Brennstoffzellenautos, die Daimler Ende 2009 begonnen hat und die für Test- und Demonstrationszwecke gebaut werden. Im Rahmen dieses Dauertests soll jedes Fahrzeug rund 30.000 Kilometer zurücklegen. Nach der Auftaktveranstaltung in Stuttgart mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreichen Prominenten ging die erste Etappe nach Paris. Dann fuhr das Trio weiter nach Lyon und über die Pyrenäen nach Barcelona, Madrid und Lissabon. Die Fahrstrecke betrug bis dahin 3.250 km in Europa. Weiter ging es per Flugzeug über den Atlantik, um dort die nächsten Etappen quer durch Nord-Amerika zu absolvieren. Anschließend ging es an der Südküste Australiens entlang. Am 22. April startet dann in China der letzte Abschnitt des F-CELL World Drive: Die 44-tägige Heimreise über Kasachstan, Russland, Norwegen bis zurück nach Stuttgart.

Dr. Thomas Weber, Mitglied des Vorstandes und Leiter der Daimler-Entwicklungsabteilung, sagte: „Unser F-CELL World Drive dient auch dazu, Regierungen und Energieversorger zum Aufbau einer geeigneten Tankinfrastruktur zu motivieren.“ Da die Wasserstoffversorgung noch nicht überall gesichert ist, wird ein H2-Tankwagen des Gaseherstellers Linde an den jeweiligen Start- und Zielorten eingesetzt. Hierbei handelt es sich um einen Mercedes-Benz Sprinter, der mit einer 700-bar-Betankungseinheit ausgestattet wurde.