Wasserstoff bewegt Skandinavien

Oslo hat am 21. November 2011 eine 700-bar-Wasserstofftankstelle bekommen. Wie bereits Anfang 2010 im Rahmen europäischer Förderprogramme angekündigt, wurde diese von H2Logic in der norwegischen Hauptstadt errichtete Station mit reger Beteiligung der Öffentlichkeit in Betrieb genommen. Es handelt sich hierbei um die insgesamt dritte Betankungsstation für Oslo, die bei der Forschungsorganisation SINTEF in Gaustad platziert ist. Wegen des hohen Drucks von 700 bar können dort Wasserstofffahrzeuge innerhalb von drei Minuten betankt werden. Der dafür benötigte Wasserstoff wird vor Ort nachhaltig per Elektrolyse erzeugt. Die Tankstelle ist Teil des europäischen Demonstrationsvorhabens H2Moves Scandinavia (s. HZwei-Heft Okt. 2010), das über ein Budget von 19,5 Mio. Euro verfügt und über das EU-Programm Fuel Cell and Hydrogen Joint Undertaking (JTI) gefördert wird. Das Ziel ist, sowohl die Betankungstechnik als auch die Fahrzeugtechnik der zwei SUV ix35 FCEV von Hyundai, der fünf Think city cars sowie der zehn F-Cell B-Klasse-Modelle von Daimler zu erproben. Dafür fand gleich fünf Tage nach der Einweihung ein spezieller Ride&Drive-Tag statt, an dem jeder Bürger mit einem gültigen Führerschein die Fahrzeuge testen konnte.

Solar Millennium insolvent

Die Solar Millennium AG hat am 21. Dezember 2011 Insolvenz angemeldet. Das Erlangener Unternehmen stand – ähnlich wie andere Firmen aus der Solarbranche – bereits seit längerer Zeit unter Druck, weshalb auch bereits einige Veränderungen in der Führungsebene stattgefunden hatten. Aktueller Auslöser waren jetzt Verzögerungen beim Verkauf von Projekten in die USA, so dass es zu einem Zahlungsengpass gekommen war. Der Insolvenzverwalter prüft daher zunächst die Sachlage, um eventuell schon bald das eingeleitete Verfahren und den Arbeitsplatzverlust für 60 Mitarbeiter abwenden zu können. Andernfalls würde das Insolvenzverfahren voraussichtlich am 1. März 2012 eröffnet. Zu den Projekten, die das auf Solarkraftwerke spezialisierte Unternehmen in Planung hatte, gehörte auch der Blaue Turm in Herten (s. HZwei Juli-Heft 2008), dem nun ebenfalls das Ende droht.

Australier suchen Anschluss in Europa

Jahrelang stand das australisch-deutsche Unternehmen Ceramic Fuel Cells Limited (CFCL) etwas isoliert in der Brennstoffzellenbranche da. Das soll sich nun ändern. Ende Oktober 2011 ist CFCL der Initiative Brennstoffzelle (IBZ), dem bereits mehrere andere BZ-Heizgerätehersteller sowie Energieversorger angehören, beigetreten. Auf der nächsten Hannover Messe im April 2012 wollen sich die Unternehmen bereits gemeinsam auf ihrem Gemeinschaftsstand präsentieren. Darüber hinaus war zuletzt der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches der IBZ beigetreten.

Im November 2011 verkündeten die Australier zudem, sie hätten einen Auftrag über die Lieferung von bis zu 105 BZ-Heizgeräten aus Großbritannien von E.ON UK erhalten. Diese Geräte sollen zunächst im Rahmen eines Demonstrationsprojektes getestet werden. CFCL stellte in Aussicht, dass E.ON Exklusivimporteur der BZ-Systeme in Großbritannien werden könnte, wenn über einen Zeitraum von sechs Jahre rund 100.000 Einheiten geordert würden. Eine ähnliche Vereinbarung hatte es allerdings auch schon im Februar 2008 mit dem niederländischen Energieversorger Nuon gegeben, bevor dieser von einem deutschen Versorger übernommen worden ist.

f-cell: Neuer Ort, neue Zeit

Synergien schaffen – unter diesem Stichwort wollen die Organisatoren des f-cell-Symposiums einen Standortwechsel in Angriff nehmen. 2012 wird die Veranstaltung auf dem Gelände der Messe Stuttgart stattfinden, wo zeitgleich auch erstmalig die Battery+Storage – internationale Fachmesse für Batterie- und Energiespeicher-Technologien – von der Landesmesse Stuttgart GmbH organisiert wird. Sie tritt mit dem Ziel an, die europäische Leitmesse in dieser Branche zu werden. Mit dieser Zusammenlegung ändert sich auch der Termin der f-cell: Von Ende September verschiebt er sich auf den 8. bis 10. Oktober, wodurch sich die Dauer der Ausstellung um einen Tag verlängert. Peter Sauber erklärte diesen Schritt mit den Worten: „Für 2012 erwarten wir einen weiteren Zuwachs, sowohl bei den Teilnehmer als auch bei den Ausstellerzahlen. Damit wachsen wir über die Kapazitätsgrenzen des Haus der Wirtschaft hinaus.“ Von der Zusammenlegung beider Veranstaltungen an einen Standort erhofft sich Sauber „eine ungemein große Plattform, die international stark wahrgenommen wird.“ Parallel zum f-cell-Symposium wird die Peter Sauber Agentur zudem einen Fachkongress für Batterie- und Energiespeicher-Technologien organisieren. Darüber hinaus wird am 10. Oktober der e-mobil BW Technologietag stattfinden und Mobilitätslösungen der Zukunft präsentieren. Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), freute sich: „Die Veranstaltungen stärken sich gegenseitig.“

Effizienzhaus in Berlin eröffnet

Moderner wohnen – Dieses Motto passt für das neue Effizienzhaus Plus, das Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer am 7. Dezember 2011 zunächst für Besichtigungszwecke in Berlin eröffnet haben. Das 136 Quadratmeter große zweigeschossige Modellhaus produziert doppelt so viel Energie, wie es selbst verbraucht, und nutzt den Überschuss für die Mobilität der Bewohner. Es verfügt über moderne in die Fassade integrierte Photovoltaikanlagen, eine Wärmepumpe und Energiemanagementtechnik mit Touchscreens zur Kontrolle des Energieverbrauchs. Als Stromspeicher fungieren Akkus von Mini-E-Fahrzeugen, die vor einigen Monaten noch im Rahmen eines Flottenversuchs in Berlin und München unterwegs waren. Zudem sind die eingesetzten Materialien vollständig recyclebar. Probeweise soll im März 2012 eine vierköpfige Testfamilie einziehen und 15 Monate den Alltag, wie er in Zukunft aussehen könnte, durchleben. Verschiedene Autobauer stellen für jeweils drei Monate Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Hierbei soll sowohl die kabelgebundene als auch die induktive Aufladung erprobt werden. Merkel erklärte: „Dieses Haus zeigt, was heute schon möglich ist. Hier wird energieeffizientes Bauen intelligent mit innovativer Mobilität verknüpft.” Ramsauer beteuerte: „Ich will, dass dieses Haus kein Prototyp bleibt.“

Bündnis für Windwasserstoff – Taten sind gefordert

Am 7. Dezember 2011, sechs Wochen nach der Inbetriebnahme des Hybridkraftwerks in Prenzlau, ist der Startschuss für performing energy – das Bündnis für Windwasserstoff – gefallen. „performing energy“ steht für „Energie umwandeln/anpassen“ und beschreibt, dass Energie gemäß den eigenen Wünschen „performt“ werden kann. Der Weg führt dabei von der Sonne beziehungsweise vom Wind über die chemische Umwandlung zum Wasserstoff und bei Bedarf noch bis ins Erdgasnetz. Die Umsetzung dieses Gedankens in die Praxis soll mit Hilfe dieser aus insgesamt 14 Partnern bestehenden neuen Initiative erreicht werden.

Die aktive Arbeit dieser Initiative, die von den Ländern Brandenburg, Schleswig-Holstein und Hamburg unterstützt wird, läuft zunächst über den Plattformsprecher Werner Diwald sowie die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) laufen. Dr. Klaus Bonhoff, der NOW-Geschäftsführer erklärte dementsprechend, die Initiative bilde „die Basis für die gemeinsame Umsetzung von Projekten“, die im Einklang zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik erfolgen sollen. Inhalt der Projekte wird die gesamte Wertschöpfungskette von Wind-Wasserstoff über Strom, Wärme und Mobilität sein.

Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, nahm die Gelegenheit wahr und fand in seiner Ansprache anlässlich der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung aller Partner ungewöhnlich deutliche Worte, um die gesamte Branche zu wesentlich mehr Engagement anzuspornen. Zunächst unterstrich er: „Es ist wichtig, erneuerbare Energien nicht nur zu fördern, sondern auch grundlastfähig zu machen.“ Dann sagte mit Nachdruck: „Wir müssen endlich sehen, dass das, was wir entwickeln, auch umgesetzt wird.“ […] „Wo es bisher gehapert hat, ist die Vermarktung.“ Dazu nannte er mehrere Beispiele aus der Vergangenheit, bei denen neue Technologien zwar in Deutschland entwickelt, aber letztlich nicht für den Markt erschlossen wurden. In Bezug auf die Wasserstofftechnik forderte er fast schon drohend: „Wenn hier keine Taten folgen, ist die Politik nicht bereit, in Zukunft noch Gelder bereit zu stellen.“

Modellregionen Elektromobilität werden zu Schaufenstern

Von den acht Modellregionen Elektromobilität geht es fast nahtlos über zu fünf Schaufenstern Elektromobilität in Deutschland. Um diesen Übergang von einem Förderprogramm zum nächsten zu erleichtern, wurde die Veranstaltung am 29. und 30. November 2011, die zum Ende des zweijährigen Projekts Modellregionen Elektromobilität in Berlin stattfand, kurzerhand von „Abschlusskonferenz“ in „Ergebniskonferenz“ umbenannt. Es soll also weitergehen mit dem Thema Elektromobilität, auch wenn einige Verantwortliche noch nicht zugeben wollen, dass der bisherige E-Hype bereits an Schwung verliert.

Schätzungsweise 200 Teilnehmer aus den verschiedenen Modellregionen darunter etliche Vertreter der Landespolitik waren in die Bundeshauptstadt gekommen, um dort entweder über Ergebnisse zu berichten oder von diesen zu erfahren. Dabei standen wieder einmal wie schon bei der NOW-Vollversammlung Rainer Bomba und Dr. Klaus Bonhoff im Mittelpunkt des Geschehens und berichteten aus Sicht des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beziehungsweise aus Sicht der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) über das Erreichte.

Allein von den Zahlen her sind die Ergebnisse dieses Förderprojekts beachtlich: 8 Modellregionen mit 220 Einzelprojekten, in die 130 Mio. Euro investiert wurde. Heraus kamen 881 Pkw, 243 Nfz, 59 Busse, über 1.200 Zweiräder, fast 1.100 installierte Ladesäulen und mehr als 2,2 Mio. Fahrkilometer. Insbesondere unter der Berücksichtigung, dass dieses Programm erst 2010 startete, sind in relativ kurzer Zeit bemerkenswert viele Elektrofahrzeuge und eine bedarfsgerechte Infrastruktur auf die Straße gebracht worden. Entsprechend selbstzufrieden zeigten sich die Verantwortlichen in Berlin. Bonhoff konstatierte zwar einerseits: „Wir haben auch erkannt, dass Batterien nicht die Welt retten.“ Gleichzeitig lautete das Fazit des NOW-Geschäftsführers jedoch: „Ziel erreicht.“

Zu den Zielen gehörte beispielsweise, in verschiedenen Regionen durchaus ähnliche Technologien zu testen, weil mit den vermeintlich gleichen Ansätzen bei verschiedenenlokalen Voraussetzungen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht wurden. Neu war die Erkenntnis, dass die Resonanz in ländlichen Regionen unerwartet hoch ist. Elektrofahrzeuge sind somit nicht nur als Stadtflitzer gefragt, sondern auch als Pendlerfahrzeug. Ein weiteres Ergebnis war, dass insbesondere die gewerbliche Nutzung schon heute interessant ist. Der Betrieb in Flotten sowie beim Carsharing soll daher forciert werden. Als konkretes Beispiel für die Gewerbenutzung erzählte Michael Boddenberg, Hessischer Minister für Bundesangelegenheiten: „Uns berichtete UPS, dass die Fahrer ihre Routen nicht schaffen, weil sie so oft angesprochen werden. Es ist also eine ungeheure Neugier in der Bevölkerung vorhanden.“

Klaus Bonhoff stellte hinsichtlich der aktuellen Lage fest: „Batterieelektrische Mobilität ist heute so nicht im Markt vorhanden.“ Um hier Abhilfe zu schaffen, soll 2012 der Markthochlauf in Angriff genommen. Die Bundesregierung stellt dafür neuerlich 180 Mio. Euro über drei Jahre bereit. Staatssekretär Rainer Bomba ergänzte: „Wir wollen mit qualitativ guten Produkten auf den Markt kommen, wir wollen aber keine Schnellschüsse.“ Als Begründung, warum sich die Regierung jetzt nochmals mit einem Millionenbetrag in diesem Technologiefeld engagiere, sagte er: „Elektromobilität wird kommen. Das Thema ist kein kurzfristiger Trend. Wir sind aber noch ziemlich am Anfang und müssen noch viel tun.“

Deswegen ist die Etablierung von drei bis fünf Schaufenstern Elektromobilität (Bomba: „Eher fünf.“) geplant. Der Startschuss mit der Bekanntgabe der Förderrichtlinien fiel bereits am 12. Oktober 2011. Bis zum 16. Januar 2012 läuft die Bewerbungsfrist. Bomba erklärte: „Wir erwarten mindestens 30 Bewerbungen für die Schaufenster, olympiareife Bewerbungen.“ Bereits im Vorfeld brachten sich dafür die in Frage kommenden Regionen in Stellung. So verkündete Harry K. Voigtsberger, Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen: „NRW will sich mit 250.000 Fahrzeugen an den 1 Mio. Elektrofahrzeugen bis 2020 beteiligen.“ Auch Staatssekretär Hartmut Fiedler vom sächsischen Wirtschaftsministerium beteuerte: „Wir sind fest entschlossen, als Freistaat Sachsen auf dem Zukunftsmarkt der neuen Mobilität in Deutschland eine führende Stellung einzunehmen.“ Bomba räumte zwar ein, dass es auch eine Rolle spiele, was die Länder mit einbringen, wie also die Mitgift ist, noch wichtiger sei aber die Story: „Jetzt muss etwas Besonderes kommen, das Hand und Fuß hat.“

Aber auch die Regionen, die im März 2012 nicht als Schaufenster ausgewählt werden, sollen die angeschafften Fahrzeuge inklusive der Infrastruktur weiterhin nutzten können. „Insgesamt“, so hieß es vom BMVBS, „soll die Forschung und Entwicklung für Elektromobilität nach Auslaufen des Konjunkturpakets II mit einer weiteren Milliarde Euro bis Ende 2013 gefördert werden.“

Auf die Nachfrage von der HZwei-Redaktion, ob die Regierung auf ein abnehmendes Interesse am Thema Elektromobilität vorbereitet sei, sagte der BMVBS-Staatssekretär: „Wir erwarten den Rückgang dieses Hypes nicht. Wenn er am Horizont zu sehen wäre, würden wir uns mit aller Kraft dagegen stellen.“ […] „Wir werden keinen Millimeter weichen.“ Auch Voigtsberger zeigte sich trotz erster Meldungen über das Ende des E-Mobilitäts-Hypes optimistisch: „Wir werden in Kürze erste Fahrzeuge haben und dann wird es hier richtig losgehen.“

Weitere Details folgen in der Print-Ausgabe der HZwei im Januar 2012.

Aufwind für Wind-Wasserstoff-Systeme

Die Aufregung rund um Wind-Wasserstoff und Methanisierung geht weiter. So sprach sich auch Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und Bundesumweltminister a.D., für die Umsetzung dieser Technologien aus und nannte sie „extrem bedeutsam“, um die geplante Energiewende umsetzen zu können. Wie Töpfer outen sich immer mehr Unternehmen als Anhänger dieser Idee, Überkapazitäten der Windkraft zur Wasserstofferzeugung zu nutzen. Nachdem es bereits seit einigen Wochen Mutmaßungen über ein Engagement von E.ON in Nord-Deutschland gegeben hatte, verkündete der Energiekonzern Mitte November 2011 offiziell: E.ON will ab 2013 Windstrom zur Wasserstofferzeugung nord-westlich von Berlin am Autobahndreieck Wittstock einsetzen.

Die neue Pilotanlage des Energieversorgers soll ab Frühjahr 2012 in der Prignitz entstehen. Konkret geht es dabei um die Errichtung einer Forschungsstation in Falkenhagen. Die Voraussetzungen dafür sind in dem brandenburgischen Städtchen optimal: Zunächst einmal gibt es in der Region jede Menge Windkraftanlagen. Außerdem läuft ganz in der Nähe eine Ferngasleitung entlang. Zusätzlich betreibt edis, ein Tochterunternehmen von E.ON, in Falkenhagen ein 110-/20-kV-Umspannwerk. Dort will das Essener Unternehmen den Strom für die Elektrolyse abzweigen. Mit zwei Megawatt elektrischer Energie sollen stündlich rund 360 Kubikmeter Wasserstoff erzeugt werden, die dann direkt in das Gasnetz eingespeist werden. Ziel ist zunächst einmal, grundsätzlich zu prüfen, ob diese Technik auch für die Wasserstofferzeugung in größerem Maßstab geeignet ist. Dabei steht ein wirtschaftlicher Betrieb ganz oben auf der Prioritätenliste. Bei positiven Ergebnissen, könnte ein zweiter Bauabschnitt für die Umwandlung von Wasserstoff in Methan folgen.

Die Basis eines solchen Verfahrens ist der Sabatier-Prozess, bei dem Wasserstoff gemeinsam mit Kohlendioxid in Methan und Wasser umgewandelt wird. Der Wasserstoff wird dem Elektrolyseur entnommen, das Kohlendioxid kann beispielsweise aus Biogasanlagen kommen. Somit überrascht es nicht, dass auch der Biogasspezialist MT-Energie Interesse an diesem Verfahren gefunden und sich mit fünf Prozent an der SolarFuel GmbH beteiligt hat. Karsten Wünsche, der am 1. Juli 2011 zum Geschäftsführer der Zevener Firma bestellt worden ist, erklärte gleich am ersten Tag in seiner neuen Funktion: „Zwischen den beiden Unternehmen existieren zahlreiche Synergiepotenziale für die Zukunft.“ Konkret arbeitet MT-Energie bereits im Rahmen des E-Gas-projects von Audi (s. HZwei-Heft Juli 2011) mit dem Stuttgarter Unternehmen SolarFuel zusammen.

Ein weiterer Mitbewerber in diesem Zusammenhang ist die SunFire GmbH. Das Bremer Unternehmen baut auf ähnliche Verfahrensschritte, beabsichtigt in seinem Prozess aber synthetische Kraftstoffe (Benzin, Diesel, Kerosin) anstelle von synthetischem Erdgas herzustellen. Hier gab es allerdings Komplikationen, weil die Choren Industrie GmbH im Juli 2011 Insolvenz anmelden musste. Choren war aus der im Jahr 1990 von Dr. Bodo Wolf gegründeten UET Umwelt- und Energietechnik Freiberg GmbH hervorgegangen. Wolf wirkte entscheidend an der Entwicklung des so genannten CarboV®-Verfahrens mit und ist auch bei SunFire der Know-how-Träger und Initiator. Wegen dieser personellen Verknüpfungen und des damit verbundenen medialen Interesses sah sich SunFire im September 2011 zu einer Stellungnahme genötigt und erklärte: „Es besteht keine gesellschaftsrechtliche oder operative Verbindung zwischen Choren Industries GmbH und SunFire GmbH bzw. staxera GmbH.“ SunFire hatte erst im Frühjahr 2011 den Brennstoffzellenhersteller staxera übernommen (s. HZwei-Heft Juli 2011) und befindet sich momentan auf der Suche nach einem passenden Standort, wo ab 2013 eine Testanlage entstehen soll, damit diese dann bis 2016 ihren Betrieb aufnehmen kann.

Ein Pionier im Bereich der Wind-Wasserstoff-Systeme ist die Enertrag AG. Das Brandenburgische Unternehmen startete mit dieser Technik bereits vor mehreren Jahren, somit war es am 25. Oktober 2011 schon dort, wo andere noch hinwollen. Und zwar nahm das Prenzlauer Unternehmen zu diesem Termin sein lange geplantes Wasserstoff-Hybridkraftwerk in der Uckermark nördlich von Berlin in Betrieb. Das Ziel dieses 21-Mio.-Euro-Vorhabens ist, die „Machbarkeit einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung und Energiespeicherung mit einem Mix aus rein erneuerbaren Energiequellen im Praxistest nachzuweisen.“ Dafür wurden in den vergangenen Jahren zunächst drei Windkraftanlagen sowie eine Biogasanlage vor Ort installiert. Zu der Biogasanlage gehört ein Wasserstoff-Biogas-Blockheizkraftwerk, in dem Gemische aus Wasserstoff und Biogas verbrannt werden und somit Strom sowie Wärme erzeugen. Darüber hinaus wurde in den vergangenen Monaten ein zusätzliches Gebäude für den Elektrolyseur gebaut. Der dort erzeugte Wasserstoff wird an H2-Stationen in Berlin und Hamburg vertankt. Der Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck erklärte bei der Inbetriebnahme: „Der heutige Tag gibt richtig Aufwind. Mit dieser weltweit ersten Anlage gelingt es, die schwankende Windenergie in eine verlässliche Größe umzuwandeln, damit sie langfristig als planbare Energie für Strom, Wärme und Mobilität eingesetzt werden kann.“


Hanseaten fahren fortan mit dem ‚SauberBus’

Die Clean Energy Partnership (CEP) hat in den vergangenen Monaten weiter an Größe gewonnen: Am 17. August 2011 erhielt die Hamburger Hochbahn AG insgesamt vier Brennstoffzellenhybridbusse der neusten Generation. Am 5. September übergab Mercedes-Benz 20 Elektroautos an Unternehmen sowie Behörden in der Hansestadt, und nur drei Tage später trat Hessen als weitere Versuchsregion der Initiative bei. Zuvor hatte Shell bereits eine neue Wasserstofftankstelle in der Bundeshauptstadt in Betrieb genommen.

Was zunächst als rein auf Berlin beschränktes Testvorhaben begonnen hatte, erstreckt sich mittlerweile bis weit in den Westen der Bundesrepublik. Hamburg ist schon lange als Wasserstoffhauptstadt H2-Hauptstadt Europas gut etabliert, und neben Nordrhein-Westfalen sowie Baden-Württemberg werden zukünftig auch in und um Wiesbaden vermehrt Brennstoffzellenautos umherfahren.

In Bezug auf praktische Erfahrungen im Umgang mit H2-Fahrzeugen ist Hamburg europaweit führend. Nirgends fahren mehr BZ-Modelle durch die Straßen. Nachdem bereits über mehrere Jahre hinweg bis zu neun brennstoffzellenbetriebene Busse an Elbe und Alster im Einsatz waren, wurden diese jetzt im Rahmen des mit zehn Millionen Euro geförderten Projektes NaBuZ demo (Nachhaltiges Bussystem der Zukunft) durch neu konzipierte Modelle ersetzt. Insgesamt vier Citaro FuelCELL-Hybridbusse händigte Mercedes-Benz an die Hamburger Verkehrsbetriebe aus. Drei weitere Exemplare sollen im kommenden Jahr folgen. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der freien Handels- und Hansestadt, sagte anlässlich der Fahrzeugübergabe auf dem Fischmarkt: „Zukunftssichere Antriebssysteme, die ohne fossile Brennstoffe auskommen, sind keine Zukunftsmusik, sondern Realität.“

Die so genannten SauberBusse sind mit zwei Radnabenmotoren (je 60 kW) ausgestattet, die über einen Hybridantrieb mit Energie versorgt werden. Zur Stromerzeugung und Speicherung stehen zwei 70-kW-Brennstoffzellenmodule zur Verfügung, die für eine Lebensdauer von mindestens sechs Jahren oder 12.000 Betriebsstunden ausgelegt sind. Darüber hinaus sind wassergekühlte Lithium-Ionen-Batterien (250 kW) installiert, die über ein Rekuperationssystem Bremsenergie zurückgewinnen können. Auf diese Weise soll der Verbrauch gegenüber den Vorgängermodellen auf die Hälfte (10 bis 14 kg H2 pro 100 km, 7 GH2-Tanks mit insg. 35 kg auf dem Dach) gesenkt werden. Heinrich Klingenberg, Geschäftsführer der projektbegleitend aktiven hySolutions GmbH, erklärte gegenüber HZwei: „Vorher hatten wir konventionelle Busse, in die ein Brennstoffzellensystem eingebaut worden war. Diese neue Generation ist speziell auf die Vorteile der Brennstoffzelle ausgelegt.“

Der Hauptvorstand der Hamburger Hochbahn, Günter Elste, sagte: „Es ist das Ziel der Hochbahn, ab dem kommenden Jahrzehnt nur noch emissionsfreie Busse mit elektrischem Antrieb anzuschaffen. Die Inbetriebnahme dieser neuen Busgeneration ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Elektromobilität.“ Seine Vision ist, dass „die Brennstoffzelle dann mittelfristig den Dieselmotor in den Bussen ersetzen könnte. Wenn dann noch der Wasserstoff aus Windenergie in Schwachlastzeiten produziert wird, haben wir die emissionsfreie Mobilität der Zukunft erreicht.“

Drei Wochen später wurden 20 weitere Elektrofahrzeuge von dem Stuttgarter Automobilkonzern übergeben und zwar Pkw (B-Klasse F-CELL, A-Klasse E-CELL) sowie Transporter (Vito E-CELL, Atego BlueTec Hybrid). Zu den zukünftigen Testfahrern zählen neben nachhaltig engagierten Hamburger Unternehmen auch Wirtschaftssenator Frank Horch sowie Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz. Senator Horch erklärte: „Die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie ist ein für den Standort Hamburg ungemein wichtiger technologischer Pfad […]. Auch wir übernehmen heute hier ein Brennstoffzellenfahrzeug, das das mittlerweile 25. bei Senat, Behörden, Landesbetrieben oder städtischen Unternehmen eingesetzte Elektrofahrzeug ist.“

Als neuer assoziierter Partner stieß am 8. September 2011 Hessen zur CEP dazu. Anlässlich der Beitrittsfeierlichkeiten kam die Landesumweltministerin Lucia Puttrich nach Wiesbaden, von wo aus Umwelt-Staatssekretär Mark Weinmeister einen Konvoi von Brennstoffzellenfahrzeugen nach Frankfurt führte. Dort wurde er von der dortigen Oberbürgermeisterin Petra Roth in Empfang genommen.

Hessen plant zunächst bis zum Ende der CEP-Laufzeit im Jahr 2016 verschiedene Energietechnologieprojekte zum Ausbau der H2-Infrastruktur und zur Erprobung der BZ-Technik im Rhein-Main-Gebiet. So ist beispielsweise geplant, zunächst 20 Brennstoffzellenautos von drei verschiedenen Herstellern zu testen. Das Umweltministerium wird eines davon über einen Zeitraum von drei Jahren nutzen. Außerdem soll zusätzlich zu der ersten öffentlichen Wasserstoffstation in Höchst bei Infraserv eine weitere Tankstelle in Frankfurt am Main errichtet werden. NOW-Chef Klaus Bonhoff fasste diese Entwicklung kurz zusammen mit den Worten: „Die CEP wächst.“

Bereits am 20. Juni 2011 hatte die Shell Deutschland Oil GmbH ihre deutschlandweit erste H2-Demonstrationsanlage am Sachsendamm in Berlin-Schöneberg eröffnet. Zur Einweihung nahmen der CEP-Vorsitzende Patrick Schnell, Dirk Inger vom Bundesverkehrsministerium, NOW-Geschäftsführer Dr. Klaus Bonhoff sowie Dr. Peter Blauwhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung von Shell Deutschland, die erste offizielle Betankung vor. Für die Bundeshauptstadt ist dies die dritte fest bei einer konventionellen Tankstelle installierte H2-Befüllungsstation. Sie verfügt über eine ausreichende Kapazität für rund 250 mögliche Betankungen am Tag. Zunächst wird sie jedoch vorwiegend für Demonstrations- und Forschungszwecke mit vorerst einem Dutzend Befüllungen pro Tag eingesetzt. Der von Linde zur Verfügung gestellte Wasserstoff ist grün zertifiziert, ursprünglich stammt er jedoch aus der Linde-Pilotanlage in Leuna, die auf Basis von Rohglycerin arbeitet.

Gegenüber der Autogazette erklärte Patrick Schnell: „Das Thema Wasserstoffantrieb wird in Zukunft wieder an Fahrt aufnehmen.“ Ab 2015 rechnet er mit dem Einsatz von BZ-Serienfahrzeugen: „2016 wird der Wettbewerb einsetzen mit den üblichen Streitereien zwischen Automobilherstellern und Kraftstoffanbietern. Der Tod der CEP ist also vorprogrammiert. Aber wenn das passieren würde, wäre es ein schöner Tod.“


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Sven Geitmann ist bereits seit 1997 im Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik zu Haus und kümmert sich insbesondere um die Vermittlung von Wissen. Kontinuierlich arbeitet er an der Verbesserung und Vergrößerung seines Informationsangebots.

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