Nikola Motors profitiert vom Inflation Reduction Act

Nikola Motors hat personelle Veränderungen bekannt gegeben: Der bisherige Vorstandschef Mark Russell geht in den Ruhestand. Aufsichtsratschef Michael Lohscheller wird stattdessen zum neuen Vorstandsvorsitzenden – geplant zum 1. Januar 2023. Russell bleibt dem US-amerikanischen Unternehmen allerdings als Mitglied des Aufsichtsrats erhalten.

Mark Russell, der selbst 9,6 Prozent an Nikola hält (wertmässig über 300 Mio. US-$), hatte das Unternehmen aus schwierigem Fahrwasser herausgeholt. Mit Lohscheller – er sanierte Opel (s. Lohscheller geht zu Nikola) – und Steve Girsky, ehemals Vorstandschef von GM Europe, sind nun zwei Top-Manager bei Nikola am Ruder. Girsky ist Vorsitzender des Nikola-Aufsichtsrates. Gemeinsam sollen sie nach den Turbulenzen rund um den Firmengründer Trevor Milton für eine bessere Reputation sorgen.

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Zahlen des zweiten Quartals

Diverse Testläufe des batterieelektrischen TRE BEV laufen erfolgreich mit TTSI, Tiyaji Brothers (für den Kunden Anheuser-Busch), Univar, Road One (für IKEA), Covenant für Walmart. 94 Prozent Auslastung sprechen für sich. 15 TRE BEV wurden im zweiten Quartal produziert, 48 ausgeliefert. Der Verlust im Quartal liegt bei 173 Mio. US-$, also bei einem Minus von 0,41/Aktie (GAAP) und minus 0,25 US-$ (non-GAAP). Darin enthalten sind Rechtskosten im Zusammenhang mit dem Firmengründer Trevor Milton in Höhe von 13 Mio. US-$ sowie Stock-Compensation in Höhe von 54,8 Mio. US-$. Auch stark erhöhte Frachtkosten von über 13 Mio. US-$ fließen hier rein. Die Kasse ist mit 529,2 Mio. US-$ Barmitteln am Ende des zweiten Quartals noch gut gefüllt.

Im zweiten Quartal wurden sechs Beta-Versionen des TRE FCEV (wasserstoffbetriebene Lkw) für Testzwecke unter anderem an Anheuser Busch ausgeliefert. Bis es hier jedoch richtig losgehen kann, muss die Infrastruktur für die H2-Tankstellen auf den Weg gebracht werden. Eine Installation dauert – nicht nur wegen des Genehmigungsverfahrens – über ein Jahr. Aktuell hat Nikola drei H2-Tankstellen in Kalifornien in Arbeit, die im vierten Quartal 2023 operativ tätig sein sollen.

Die Fabrik in Coolidge wird Ende des ersten Quartals 2023 eine Kapazität von 20.000 Lkw aufweisen (batterieelektrische und wasserstoffbetriebene). 2024 sollen es dann 45.000 Einheiten sein.

Übernahme von Romeo Power

Die Übernahme des Batterieherstellers und Zulieferers Romeo Power für 144 Mio. US-$ in Aktien macht viel Sinn: Nikola zahlt circa neun Prozent des Wertes, den Romeo mal an der Börse Wert war. Interessant ist die Kommentierung: Romeo, gegründet von ehemaligen SpaceX- und Tesla-Top-Talenten, soll das Potential haben, die jährlichen Kosten für Batterien um 350 Mio. US-$ „pro Jahr“ bis 2026 senken zu können.

Nikola plant, zweigleisig bei Batterien zu fahren, da Romeo mit seinem Produktionsstandort in den USA diesen Markt bedienen, während Proterra eher für den europäischen Markt bei Nikola zum Einsatz kommen soll. Geschickter Schachzug. Damit wird Nikola unabhängiger.

Inflation Reduction Act

Der neue Klimapakt der Biden-Regierung schafft steuerliche Anreize, die bis zu 3 US-$ pro Kilogramm Wasserstoff betragen. In Kalifornien gibt es dazu noch weitere 3 US-$ Zuschuss. Nikola plant, Wasserstoff für 3 US-$ pro kg produzieren zu können. Zudem gibt es Zuschüsse für die Produktionsanlagen ebenso wie für die Lkw (40.000 US-$/Einheit – amerikaweit). Bislang hatten das nur einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien und New York mit bis zu 185.000 US-$/Einheit gemacht.

HOC

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