Wasserstoff wird zum Game-Changer

Klares Resümee des diesjährigen Fachkongresses Gas des Handelsblatts: Wasserstoff wird zur neuen Commodity, also zu einem handelbaren Rohstoff. Grüner Wasserstoff dürfte in zehn Jahren konkurrenzfähig sein, könnte also preislich sowie mengenmäßig konkurrenzfähig sein – günstiger als Erdgas, aber CO2-frei. Bis dahin sollte dafür gesorgt werden, dass ausreichende Transportkapazitäten geschaffen werden, sei es durch komplett neue Gaspipelines oder via Umbau bestehender Gasnetze. Auch gesetzliche Rahmenbedingungen sind notwendig, sollten sich aber an den Bedürfnissen der Marktteilnehmer ausrichten und nicht ideologisch-bürokratisch sein. Bei all dem muss es eine neue Dynamik geben, die die Verfügbarkeit von Wasserstoff im Markt fördert und für Liquidität im Handel sorgt.

Es gibt schon viele qualifizierte Anfragen für Projekte – 63 IPCEI-Vorhaben wurden bereits benannt –, wobei es sich hierbei nicht immer um Großprojekte handelt, sondern auch kleinere, die gefördert werden müssen/sollten. Zudem geht es immer auch um Schnelligkeit in der Planung und Umsetzung, so dass die Politik und die Behörden gefordert sind, zeitnahe Antworten zu geben und langwierige Planungsverfahren zu vermeiden bzw. diese zu beschleunigen.

Wasserstoff im Wärmemarkt sei politisch noch unklar formuliert, heißt es, aber auch dort wird das Gas seinen Weg gehen. Hier geht es um Kosten, CO2-Abgabe und verschiedene Einsatzbereiche – sei es in der Industrie, bei Gewerbeimmobilien und beim privaten Wohnungsbau.

Am Anfang all dieser Entwicklungen rund um Wasserstoff bedarf es finanzieller Unterstützung und verlässlicher Rahmendaten, um planen zu können und Schwung in die Umsetzung zu bringen, so eine der Kernforderungen auf diesem Fachkongress. Zudem geht es auch um die Definition eines Handels- und Marktsystems für die Preisfindung von Wasserstoff in seinen verschiedenen Farben wie auch bei der Skalierung der Produktion. Dass grüner Wasserstoff preislich unter den von grauem (Erdgas) fallen muss und wird, steht dabei außer Frage.

HOW

Klar ist, dass Wasserstoff nun in den Unternehmen angekommen ist und jeder Versorger – ob Großkonzern oder Stadtwerke – Wasserstoff als Teil seiner Unternehmensstrategie erkannt und als notwendig für die Nutzung und Anwendung betrachtet. Die Wasserstoffwirtschaft ist alternativlos – auch in Bezug auf den weltweiten Klimawandel. Wir müssen nur dringend aus dem Klein-Klein der Diskussionen heraus.

Der Preis für Wasserstoff (ideal ist grüner) wird vor allem durch den Ort bestimmt, wo dieser produziert wird, wo also Flächen (hoher Grad der Verfügbarkeit regenerativer Energien wie Sonne, Wind und Wasserkraft) vorhanden sind und die Rahmenbedingungen stimmen, damit es sich rechnet. Ab 2024/25 könnte dann mit grünem Wasserstoff Geld verdient werden. Es gibt eine Reihe von Prognosen, die besagen, dass grüner Wasserstoff (auch gelber via Biogas u.a.) Preise sehen wird, die bei vorerst 2 bis 3 US-$ pro kg liegen, aber ab 2030 unter 1 US-$ pro kg fallen.

Auf Deutschland bezogen kam bei der Tagung die Empfehlung, dass die an der Thematik Wasserstoff beteiligten Behörden/Ministerien (u.a. BMU, BMWi) gut daran täten, zusammen zu arbeiten, statt gegeneinander mit unterschiedlichen Ansatzweisen die Entwicklung zu verzögern. Kurzum sollte ein dynamisches, pragmatisch umzusetzendes Marktdesign für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft angestrebt werden. Dann kann dem Klimawandel technologisch begegnet werden, können neue zukunftsweisende Märkte und Arbeitsplätze entstehen.

Autor: Sven Jösting, Oktober 2021

1 Gedanke zu „Wasserstoff wird zum Game-Changer“

  1. Stimme dem Artikel voll und ganz zu.
    Arbeite an einem Start Up mit einem Pilotprojekt durch PV Anlage und Kleinwindkraft
    a- konkurrenzfähig grünen Wasserstoff zu erzeugen
    b. den Wirkungsgrad auf über 80% zu hieven durch zusätzliche Wärmenutzung
    d. und ein Mehrfamilienhaus sowie 3 kleine Häuc#schen energetisch autark zu betreiben – und das zu konkurrenzfähigen Preisen.

    Eine bundesweite Vernetzung aller H2 Player macht Sinn.

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