Writers for Future fordern mehr Engagement von Deutschland

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Das reicht nicht! Dieses knappe Fazit ziehen die Writers for Future aus den Ergebnissen des Klimagipfels COP26 in Glasgow und fordern deutlich mehr Anstrengungen von Deutschland ein. Wenn die Europäische Union und auch die kommende Bundesregierung tatsächlich etwas für Klimaschutz und Generationengerechtigkeit tun wollten, seien sehr viel weitreichendere Ziele erforderlich als das, worauf sich die knapp 200 Staaten in Schottland geeinigt hätten.

Die Bundesrepublik Deutschland hat in der Vergangenheit für sich in Anspruch genommen, weltweit führend bei den erneuerbaren Energien sowie beim Umwelt- und Klimaschutz zu sein. Deutsche Wirtschaftsvertreter:innen reden viel von Leitmärkten sowie Technologieführerschaft und davon, dass Zukunftsmärkte deutsche Arbeitsplätze sichern könnten.

In Glasgow war davon nicht viel zu spüren. So verspielen die Politik Klimaschutz und schadet gleichzeitig einer zukunftsfähige Wirtschaft. Die Verhandlungsführer:innen Deutschlands und der Europäischen Union wirkten zögerlich – sehr viel zurückhaltender als noch beim Pariser Klimagipfel vor fünf Jahren. Statt die Marschrichtung in eine nachhaltige Zukunft maßgeblich mitzubestimmen, unterzeichnete die Bundesrepublik beispielsweise nicht die gemeinsame Erklärung zahlreicher Akteur:innen zum Verbrennerverbot.

Wenn Deutschland wirklich neue Standards in der Wasserstoff- und Elektrolysetechnologie oder beim Ausbau der Solar- und Windkraft setzen und Leitmarkt für Elektromobilität werden will, dann bedarf es jetzt dafür klarer Bekenntnisse. Eine deutliche Positionierung der Bundesregierung wird schon seit langem von der Industrie und der Wirtschaft eingefordert, damit endlich Planungssicherheit für neue Investitionen gewährleistet wird. Klare Rahmenbedingungen seien besser als keine Regeln, um neben der Stahl- und Zementindustrie auch die Papierproduktion und den Kommunikationsbereich zu decarbonisieren, sagen selbst liberale Kräfte.

HOW

Doch den Writers for Future geht es nicht nur um die Abwendung von fossilen Energieträgern: „Grünes Wachstum ist, wie Studien zeigen, kein Ausweg aus der Krise, genauso wenig wie Technokratie oder Wirtschaftsliberalismus“, erklärte Anne Weiss, die zusammen mit Sven j. Olsson vom Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller die Writers for Future organisiert. Weiter sagte sie: „Eine echte sozial-ökologische Wende bedeutet, dass wir einen gesamtgesellschaftlichen Wandel erreichen, dass Werte wie Zeitwohlstand, Gesundheitsvorsorge, Fürsorge für vulnerable Gruppen und die nächsten Generationen, soziale Gerechtigkeit und Gemeinschaft ausgerichtet sind. Lippenbekenntnissee, die nicht rechtlich bindend sind, und bloße Beteuerungen schaffen keine Grundlagen für eine sichere und gesunde Zukunft. Wir sind enttäuscht über die zu geringen Ergebnisse von Glasgow. Und wir fordern mehr Gestaltungskraft und Umsetzungswillen bereits bestehender demokratischer Ideen im Angesicht dieser globalen Notsituation.“ 

Wenn schon aus Glasgow kein deutliches Signal für eine gesellschaftliche Transformation und eine sozial-ökologische Energiewende komme, müsse zumindest die neue Ampelkoalition eindeutig klarstellen, dass Deutschland sowohl die Mittel und das Know-how wie auch die Technologien, die Wirtschaftskraft und den Willen habe, voranzugehen, um für mehr Generationengerechtigkeit und Klimagerechtigkeit weltweit zu sorgen.

Jahrzehnte lang haben die Staaten des globalen Nordens, zu denen Deutschland gehört, auf Kosten anderer gelebt, haben Ressourcen verbraucht, die nicht regenerierbar sind. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, umzudenken, nachhaltig zu wirtschaften und im Sinne nachfolgender Generationen zu agieren.

Die Writers for Future fordern deswegen die Koalitionäre auf, endlich Verantwortung zu übernehmen. Noch gibt es Handlungsoptionen, die eine weltweite Katastrophe eindämmen. Sonst wird in wenigen Jahren die Natur diktieren, wie wir zu leben haben.

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