Professionelles Fahren – mit Wasserstoff

Portrait Kurt-Christoph von Knobelsdorff

Die Debatte über den zukünftigen Einsatz von Wasserstoff ist in vollem Gange. Derzeit prallen viele unterschiedliche Meinungen aufeinander, schließlich geht es in der Energiewirtschaft auch darum, die Machtverhältnisse neu zu sortieren. Mitunter ist es allerdings fast schon erschreckend zu beobachten, welch heftige Gefechte, insbesondere in den sozialen Medien, sich da geliefert werden.

Während einer Veranstaltung in Berlin bemerkte Kurt-Christoph von Knobelsdorff, der Geschäftsführer der Nationalen Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) GmbH, die Diskussion habe inzwischen fast schon religiöse Züge angenommen. Er sprach von einer „radikalen Einseitigkeit“, die insbesondere aufseiten der Batteriebefürworter zu finden sei. Unter den Brennstoffzellen-Fans negiere niemand die Notwendigkeit von Akkumulatoren, so der NOW-Chef.

Ferry Franz, Direktor Hydrogen Affairs Europe bei Toyota, sagte dazu: „Innerstädtisch haben sicherlich kleine elektrische Fahrzeuge die Nase vorne.“ Gegenüber der Internetplattform für E-Mobilität von has·to·be merkte er jedoch weiterhin an, dass in Zukunft auf jeden Fall Wasserstoff die Nase vorn habe, „wenn es um professionelles Fahren, Transportwesen, Langstrecke, Transport und Schwerlast geht“.

Vielleicht ist dieser Begriff des „professionellen Fahrens“ das entscheidende Element, um zukünftig besser entscheiden zu können, wann und wo batterie- beziehungsweise brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge eingesetzt werden sollten: Im Privatsektor gibt es mittlerweile tolle und sogar sehr günstige Angebote, um effizient und nachhaltig elektrisch unterwegs sein zu können – mit Batterieautos.

HOW

Der Großteil des Transportsektors, in dem beruflich gefahren wird, dürfte aber mit Wasserstoff sehr viel effizienter abgedeckt werden können. Busse, Lastwagen, Transporter, Schiffe, Flugzeuge, Züge werden in der Regel gewerblich betrieben. Hier sind quasi Profis am Werk, weshalb komplett andere Maßstäbe gelten als im Privatsektor.

Während Privatpersonen ihre Autos eher nach der Form oder Farbe auswählen beziehungsweise danach gehen, welche Marke oder Leistungsklasse sie bevorzugen, zählen bei professionellen FahrerInnen andere Werte. Hier geht es um Faktoren wie beispielsweise Wirtschaftlichkeit, Effizienz, Haltbarkeit, Zeitersparnis und Reichweite.

Dazu ein kleines Beispiel: Mein Nachbar ist Vertriebler bei einem großen deutschen Zulieferunternehmen. Er bekommt von seinem Arbeitgeber stets einen schicken, großen Firmenwagen bereitgestellt, um schnell und bequem im Außendienst unterwegs sein zu können. Nun hat sein Chef entschieden, die unternehmenseigene Fahrzeugflotte bereits bis 2025 CO2-neutral zu machen. Mein Nachbar findet das eine tolle Idee und befürwortet diesen Schritt, aber er und viele seiner KollegInnen befürchten nun, dann Batterieautos zu bekommen.

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1 Gedanke zu „Professionelles Fahren – mit Wasserstoff“

  1. Zitat:
    „… aber er und viele seiner KollegInnen befürchten nun, dann Batterieautos zu bekommen.“
    Warum sollten Sie dies „fürchten“?

    Wasserstoff wird zukünftig mehr Bedeutung erlangen – aber gewiss nicht im PKW.
    Weder bei Wirtschaftlichkeit, Effizienz, Haltbarkeit, Zeitersparnis und Reichweite ergibt sich hier ein Vorteil für FCEV-PKW. Auch sollte man nie vergessen, dass heute ca. 95% des (zumeist in der Industrie verbrauchten) Wasserstoffes (noch) aus fossilen Primärenergien gewonnen wird. Diese schon riesigen H2-Mengen erst einmal klimaneutral zu erzeugen und dazu die Nutzung der regenerativen Energien auszubauen – das sollte oberste Priorität haben.
    Dann kann man auch über neue, zusätzliche Anwendungen diskutieren.

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