Klimaneutralität ist ohne Wasserstoff nicht machbar

Interview mit Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität

Portrait Rainer Baake, © Stiftung Klimaneutralität
© Stiftung Klimaneutralität

Jahrelang galt Rainer Baake als einer der ärgsten Skeptiker, was die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik betrifft. In seinen Ämtern als Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi; 2014 bis 2018) sowie im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU; 1998 bis 2005) machte er sich einen Namen damit, dass gewisse H2-Vorhaben nur bis zu seinem Schreibtisch kamen – aber kaum weiter. Seit einigen Monaten aber sind neue Töne von ihm zu hören, insbesondere seit er im Juli 2020 zum Direktor der Stiftung Klimaneutralität ernannt wurde. Aus aktuellem Anlass befragte ihn HZwei über die gerade von dieser Stiftung herausgebrachte H2-Studie sowie seine neue Marschrichtung, die – seinen Ausführungen nach – gar nicht so neu ist.

HZwei: Sehr geehrter Herr Baake, darf man Sie mittlerweile – nach über dreißig Jahren Politikarbeit im Umweltsektor – als Urgestein der Erneuerbare-Energien-Branche bezeichnen?

Baake: Urgestein klingt so statisch und gefällt mir daher nicht.

HOW

Sie waren einer der ersten hauptamtlichen Grünen-Politiker in der Umweltverwaltung, haben 2002 das Atomausstiegsgesetz mit auf den Weg gebracht und werden mitunter als „Manager der Energiewende“ bezeichnet. Was war in all diesen Jahren Ihre Motivation, die Sie vorangetrieben hat?

Zusammen mit vielen anderen habe ich mich dafür eingesetzt, die Gefahren durch die Atomenergie zu beseitigen und eine moderne, klimaverträgliche Energiewirtschaft aufzubauen.

2018 haben Sie dann selbst um Ihre Entlassung als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium gebeten. Warum?

Die Vereinbarungen der großen Koalition zum Klimaschutz wurden den Herausforderungen nicht gerecht.

Worum geht es jetzt in Ihrem neuen Amt bei der Stiftung Klimaneutralität?

Ein besserer Klimaschutz braucht wissenschaftlich fundierte Szenarien, Instrumente, mit denen Ziele auch tatsächlich erreicht werden, und einen Dialog zwischen den Interessengruppen. Dazu will die Stiftung Klimaneutralität einen Beitrag leisten.

Wie kamen Sie zu diesem Amt? Wurden Sie berufen oder haben Sie sich aktiv beworben?

Ich wurde gefragt.

Bis vor einigen Jahren waren Sie – vorsichtig ausgedrückt – nicht gut zu sprechen auf Wasserstoff. Einige Vertreter der H2-Branche bezeichneten Sie damals als Bremser oder Hemmschuh, an dem nur schwer vorbeizukommen sei. Sie favorisierten lange Zeit die Idee einer All-Electric-World, also eine komplette Elektrifizierung des Energiesektors inklusive Stromtrassenausbau usw. Heute scheinen Sie etwas offener in Bezug auf Wasserstoff zu sein. Ist das richtig beobachtet?

Die Beobachtung ist falsch. Klimaneutralität ist ohne Wasserstoff nicht machbar. Wir brauchen ihn vor allem als Speichermedium im Stromsektor und als Rohstoff in der Industrie. Der Streit ging und geht immer noch um die Frage, ob wir Wasserstoff auch in den Bereichen einsetzen sollten, wo ein direkter Einsatz von Strom deutlich effizienter ist, also zum Beispiel bei Heizungen und Pkw. In einer Wettbewerbswirtschaft darf das auf eigene Rechnung gerne jeder tun, aber wer staatliche Subventionen einfordert, wird sich der Frage nach der Effizienz nicht entziehen können.

… Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

Interviewer: Sven Geitmann

1 Gedanke zu „Klimaneutralität ist ohne Wasserstoff nicht machbar“

  1. Zitat:
    „Wir brauchen ihn vor allem als Speichermedium im Stromsektor und als Rohstoff in der Industrie.“
    Dem ist nicht viel hinzuzufügen und man staunt immer wieder, dass selbst hier im HZwei-Blog die Vision vom „Wasserstoff-PKW“ am Leben erhalten wird.

    Passend die Antwort:
    Zitat:
    „In einer Wettbewerbswirtschaft darf das auf eigene Rechnung gerne jeder tun, aber wer staatliche Subventionen einfordert, wird sich der Frage nach der Effizienz nicht entziehen können.“

    Ergänzung:
    Nicht entziehen sollte man sich auch der Frage, wann und wo denn der grüne Wasserstoff zu welchen Kosten produziert wird. Heute ist die Basis der Produktion bei ca. 95% allen H2 ein fossiler Primärenergieträger – zumeist Erdgas …

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