Wasserstoff – ein gewaltiges Thema

© Dirk Müller
© Dirk Müller

Interview mit dem Börsenexperten Dirk Müller

GAT-WAT

Seit einigen Monaten ist Wasserstoff das beherrschende Thema – nicht nur im Energiesektor, sondern auch unter vielen Aktionären. Die Internetplattformen quellen über vor lauter Postings, Spekulationen und Gerüchten. Und immer mehr Anbieter locken mit – teils zweifelhaften – Marktstudien über angeblich brandaktuelle Insider-Informationen, die maximale Aktiengewinne versprechen. Einer der bekanntesten Börsenexperten in Deutschland ist Dirk Müller – „Mr. Dax“. Er sagte bereits vor Jahren voraus, dass Wasserstoff nicht nur in der Energiewirtschaft, sondern auch an den Börsen eine maßgebliche Rolle spielen wird. HZwei befragte Müller zu seinen Erfahrungen, seinen Erwartungen sowie zu seiner Anlagestrategie.

HZwei: Sehr geehrter Herr Müller, für Sie kommt dieser Run auf H2-Aktien nicht unerwartet. Sie haben die Potentiale dieser Technologie bereits 2018 in Ihrem Buch „Machtbeben“ beschrieben. Seit wann beobachten Sie den Wasserstoffsektor?

Müller: Tatsächlich beobachte ich den mittlerweile schon seit über zehn Jahren. Damals gab es ja auch schon Ballard Power und etliche Unternehmen, die ganz früh auf Wasserstoff gesetzt haben. Aber die waren eben ihrer Zeit noch weit voraus. Damals war es noch ein Nischenthema, aber es war absehbar, dass es mal ein großes Thema werden würde. Wir versuchen immer, die Dinge sehr früh in Beobachtung zu nehmen und nicht erst dann, wenn sie auf den Titelseiten stehen. Ich glaube, mit Cashkurs*Trends, unserem Börsendienst für Technologiefirmen, haben wir schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen, aber es wird natürlich erst jetzt richtig spannend.

HZwei: Bei welcher Gelegenheit wurde Ihnen das Potential von Wasserstoff bewusst?

HOC

Das war eigentlich in dem Moment klar, wo deutlich wurde, dass wir mehr auf erneuerbare Energien setzen, und die Entscheidung fiel, wir gehen weg vom Öl – als dieses CO2-Thema so massiv aufgegriffen wurde, so vor fünf, sechs Jahren. Mir war klar, dass es jetzt mit den Erneuerbaren auch eine Speichertechnologie wird geben müssen, und die konnte nur im Wasserstoff liegen. Da war klar, dass jetzt auch zunehmend Schub im Wasserstoffsektor aufkommen würde, wenngleich das natürlich ein so gewaltiges Thema ist, dass sich da die Spieler erst einmal positionieren und versuchen, so viel wie möglich unterm Radar zu machen, bevor das die große Welle macht.

HZwei: Und wodurch hat sich Ihnen in den vergangenen Monaten gezeigt, dass hier nicht nur ein neuer kurzfristiger Hype, sondern etwas Großes, etwas Bleibendes entsteht?

Für mich war das Thema sehr klar, als ich gesehen habe, wie heiß der politische Kampf um die Gasreserven weltweit geführt wird – siehe Katar. Öl hat keine Sau mehr interessiert in den letzten Jahren, um es mal böse zu sagen. Aber Erdgas war noch immer ein wichtiges Schlachtfeld. Es wird lange Zeit eine ganz, ganz große Rolle spielen, und Wasserstoff und Erdgas sind nun einmal ganz eng miteinander verwoben. Man wird Green Gas und Green Energy vornedran stellen, und mindestens noch bis 2050 – so meine Einschätzung – wird der Großteil des Wasserstoffs durch fossile Brennstoffzellen gewonnen und eben nicht durch die Erneuerbaren. Aber die sind natürlich das schöne Feigenblatt. Es wird sich zwar im Laufe der Jahrzehnte das Gewicht immer mehr zum grünen Wasserstoff verschieben, aber die Übergangstechnologie dorthin ist das Gas.

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3 Gedanken zu „Wasserstoff – ein gewaltiges Thema“

  1. Ja, ja – der Börsenexperte mit den „fossilen Brennstoffzellen“ …
    Der hat die letzten 10 Jahre sich so gut beraten, dass er mit H2-Aktien bestimmt Millionär geworden ist – oder etwa nicht?
    Ich frage mich, was solche Artikel hier in einem Fach-Blog verloren haben – außer dem Wunsch, die Stimmung etwas aufzuhübschen.
    Wasserstoff im FCHV-PKW ist praktisch tot – in Nutzfahrzeugen mehr als fraglich.
    Das Einsatzfeld ist eher stationäre Verwendung /Industrierohstoff.

    Viel wichtiger wären m.E.n. endlich seriöse Berechnungen und Ausblicke, wo und wie der EE-Strom für den grünen Wasserstoff erzeugt werden soll. Denn für die Elektrolyseure soll ja sauberer, grüner Strom aus Windkraft und Sonne verwendet werden. Nur dass es die notwendigen EE-Anlagen nicht noch gibt …

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    • Es ist in der Tat erstaunlich bzw. zum Teil erschreckend,
      was es mit einem Mal alles für selbsternannte „Wasserstoff-Expert*Innen“ gibt.
      Und wo die überall herkommen.
      Da fragt man sich, genau wie Frau:
      Wo bitte waren die eigentlich in den 1990er Jahren,
      und was haben die damals eigentlich gemacht bzw. geraten?
      Die „Problematik“ war doch bereits damals bestens bekannt.

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  2. Jede/r blamiert sich, so gut er oder sie kann.
    Text-Auszug aus dem Interview
    mit einem der bekanntesten Börsenexperten in Deutschland Dirk Müller:
    „…Man wird Green Gas und Green Energy vornedran stellen, und mindestens noch bis 2050
    – so meine Einschätzung – wird der Großteil des Wasserstoffs durch fossile Brennstoffzellen
    gewonnen und eben nicht durch die Erneuerbaren.
    Noch mal, bitte, Herr Müller:
    „… wird der Großteil des Wasserstoffs durch fossile Brennstoffzellen gewonnen
    und eben nicht durch die Erneuerbaren…“
    Bitte mal ganz genau durchlesen, was uns die Experten da eigentlich raten.
    Danke

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