Direkter Weg zu grünem Wasserstoff

Interview mit Christiane Averbeck von der Klima-Allianz Deutschland

Christiane Averbeck, © Klima-Allianz
© Klima-Allianz

Die Diskussion über die Marschrichtung Deutschlands beim Thema Wasserstoff ist in vollem Gange. Verschiedene Mitglieder der Bundesregierung betonen zwar immer wieder, dass vorrangig grüner Wasserstoff mit öffentlichen Geldern gefördert werden soll, aber es gibt auch Stimmen, die blauem und türkisfarbenem Wasserstoff zentrale Aufgaben zubilligen wollen – auch im Nationalen Wasserstoffrat. Demgegenüber gaben jetzt die Umweltverbände BUND und Klima-Allianz gemeinsam ein Votum ab, in dem sie den Einsatz von fossilem Wasserstoff und von Erdgas ablehnen. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz, erläuterte im Interview ihre Kritikpunkte an dem Plan, der in diesem Frühjahr im NWR diskutiert wurde. Die Klima-Allianz Deutschland ist ein Bündnis aus rund 140 Organisationen aus allen Bereichen der Zivilgesellschaft. Averbeck ist seit Juni 2020 Mitglied des Nationalen Wasserstoffrates.

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Frau Averbeck, der Nationale Wasserstoffrat (NWR) – das Beratungsgremium der Bundesregierung – hat Mitte Mai 2021 einen H2-Fahrplan beschlossen, der Anfang Juli an die Bundesregierung übergeben werden soll. Sie tragen den Beschluss mit, haben aber im Namen der Klima-Allianz Deutschland ein Sondervotum abgegeben. Warum?

Averbeck: Im Wasserstoffrat haben wir im Grundsatz eine gute Arbeitskultur entwickelt. Die Mitglieder haben zwar sehr unterschiedliche institutionelle Hintergründe, sie sind aber in vielen Punkten aufeinander zugegangen. Eklatante Differenzen gibt es aber, was den Einsatz von fossilem Wasserstoff sowie von Erdgas als „Brückentechnologie“ angeht. Mit unserem Sondervotum machen wir das auch im nun beschlossenen „Fahrplan Wasserstoff“ sichtbar.

Wir empfehlen der nächsten Bundesregierung, sämtliche Fördermittel auf die Erzeugung von grünem, mit erneuerbaren Energien hergestelltem Wasserstoff zu konzentrieren. Wenn wir schnellstmöglich ein klimaneutrales Energiesystem erreichen wollen, brauchen wir hier eine eindeutige Priorisierung. Das will die Klima-Allianz gemeinsam mit dem BUND durch das Sondervotum zum Ausdruck bringen.

Die 27 Mitglieder des Wasserstoffrates vertreten nicht nur Unternehmen, die sich von einer Wasserstoffwirtschaft neue Geschäfte versprechen, es sind auch renommierte UmweltwissenschaftlerInnen dabei. Haben die Ihre Position nicht geteilt oder zumindest unterstützt?

Die Mitglieder des Wasserstoffrates haben schon eine gemeinsame Zukunftsvision: ein klimaneutrales, wasserstoffbasiertes Energiesystem. Wie schnell dieses zu erreichen ist und welche Kompromisse eingegangen werden müssen, um der Industrie den Übergang in eine grüne Wasserstoffwirtschaft zu ermöglichen, darüber gehen die Ansichten auseinander. Wir sind davon überzeugt, dass wir den direkten Weg mit grünem Wasserstoff wählen sollten. Andere sind diesbezüglich skeptischer.

… Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

Interviewer: Jörg Staude, klimareporter.de

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