Tesla – wann wird echtes Geld verdient?

Geplante Gigafactory von Tesla in Berlin-Grünheide © Tesla
Geplante Gigafactory von Tesla in Berlin-Grünheide © Tesla

Tesla macht mehr Öffentlichkeitsarbeit über die Tweets seines charismatischem CEOs Elon Musk als mit unternehmensrelevanten Daten. Vor allem Kryptowährungen wie Bitcoins oder Dogecoins beherrschen derzeit die Medien, da Musk je nach Tagesform diese hoch- oder runterredet bzw. -twittert. Jüngst war die enorme Energie, die zum Schürfen dieser Kunstwährungen notwendig ist, das Thema, da diese wohl nichtregenerativen Ursprungs ist und batterieelektrische Kraftfahrzeuge damit psychologisch ihre Nachhaltigkeit verlieren. Nun will Musk nachjustieren, obwohl er durch seine Äußerungen erst dafür gesorgt hatte, dass der Bitcoin-Höhenflug sich ins Gegenteil verkehrte und nach Höchstkursen von über 60.000 US-$ gar bis auf 30.000 US-$ zurückfiel. Was hat das für Auswirkungen auf die Bewertung der ursprünglich von Tesla investierten 1,5 Mrd. US-$?

Darf ein CEO überhaupt so in der Öffentlichkeit auftreten? Über 43 Mio. Follower oder gar Musk-Fans zocken da fröhlich mit, aber warum schweigt die Börsenaufsicht SEC, die ja ein Abkommen mit Musk und mit Tesla geschlossen hat, wonach börsen- und kursrelevante Verlautbarungen einer Genehmigung durch Vorstand oder Aufsichtsrat von Tesla bedürfen?

Zu den Zahlen: 184.800 Kfz fanden im ersten Quartal einen Käufer. Model X und S fanden indes nur 2.000 Interessenten, während der Rest auf die weniger margenstarken Modelle Y und 3 entfielen. 0,93 US-$ Gewinn pro Aktie nach non-GAAP bleiben übrig (0,15 US-$ mehr als erwartet), aber nach der konservativeren GAAP-Rechnung waren es nur 0,39 US-$ pro Aktie und damit 0,08 US-$ weniger als erwartet. Geschenkt, denn die Tesla-Fangemeinde wie auch Buyside-Analysten und Fonds wie ARK Invest interessiert immer nur die positivere Zahl.

Ohne Regulatory Credits, die im Quartal 518 Mio. US-$ ausgemacht haben, und ohne die 101 Mio. US-$ aus dem Bitcoin-Handel hätte wohl ein Minus im Ergebnis gestanden. Beachtlich der Umsatzanstieg um 73,5 % gegenüber dem ersten Quartal 2020 auf 10,74 Mrd. US-$. Gegenüber dem vierten Quartal 2020 aber eher unterdurchschnittlich, hat man ja gegenüber dem Vorquartal nur 4.000 mehr Exemplare verkauft. Stellantis, der neue Großkonzern, der sich aus der Fusion von Fiat und Peugeot/Citroen ergeben hat, gab bereits bekannt, dass man Tesla diese Rechte nun nicht mehr abkaufen wird, da man selbst über eine ausreichende Zahl verfüge. Gut, dass es da VW gibt, denn diese kaufen Tesla diese Emissionsrechte nun wohl in China ab.

HOW

Bonusprogramm für CEO Musk unter Beobachtung

Das Programm hat es in sich: Elon Musk erhält Optionsrechte auf Aktien, wenn bestimmte Ziele erreicht sind. Diese Milestones betreffen neben Umsatz und Gewinn auch die Börsenbewertung, die in Schritten zu je 50 Mrd. US-$ Optionsrechte an Musk freisetzt. Da die Börsenbewertung bei über 600 Mrd. US-$ liegt, kann Musk über 50 Mio. Aktien zu 70,01 US-$ pro Stuck kaufen und hat schon rechnerisch über 30 Mrd. US-$ mehr auf dem Konto. Eine Anwaltssozietät klagt dagegen, und es ist nicht klar (ohne Obligo), ob da nicht für Tesla selbst und dessen Aktionäre steuerliche Fallstricke liegen. Da sechs von zwölf Milestones erreicht sind, könnten noch weitere 40 Mio. Optionsrechte für 40 Mio. Aktien dazukommen. Ist dies – in case – nicht eine gravierende Kapitalverwässerung?

Wachstum all over – weltweit und überall

Grünheide bei Berlin ist indes ins Stocken geraten. Baugenehmigungen stehen aus, wie auch die Frage rund um Wasser (in einem Wasserschutzgebiet) noch nicht abschließend geklärt ist. Dann die Fabrik in Austin für den Cybertruck. Ford macht sich gerade einen guten Namen mit dem F-150, der nun elektrisch fährt und Konkurrenz bedeutet, während der neue eMustang auch schon kräftig Kunden von Tesla abwirbt. Dann soll es Pläne geben, in Indien aktiv zu werden, und jüngst kam die Idee dazu, dass Tesla auch in Russland eine Produktionsstätte bauen könnte. Über 17 Mrd. US-$ in der Kasse können bei all diesen Plänen jedoch recht wenig – zu wenig – sein, so dass – in case – weitere Kapitalerhöhungen, u. a. als ATM-Programme, winken. Aber macht die Börse da mit?

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Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 1.6.2021

5 Gedanken zu „Tesla – wann wird echtes Geld verdient?“

  1. Wasserstoff Lobbyisten müssen das gerade sagen, Arbeiten mit scheinwahrheiten und drehen alles si als ob H2 grün wird. Bei eine Echten Vergleich von der Effizients ist H2 einfach nur Energie verschwendung. Der Kunde und Steuerzahler bezahlt die Rechnung.
    Tesla ist erfolgreichercals die gesammte H2 Lobby. Der Erfolgreich baut BEVs der erfolglose baut FCEV. Wenn ihr mehr FCEV PKWs weltweit Verkauf als Tesla könnt ihr euch damit brüsten. Sollange sollte man den Ball flach halten. Mit nicht man 1500 FCEV PKWs in Deutschland.

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  2. Tesla – Wann wird echtes Geld verdient?

    Etwa 100 Jahre bevor Wasserstoff in Fahrzeugen eine echte CO2 Reduktion bringt.

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  3. Könnte nicht Nikola Motors auch „Regulatory Credits“ für ihre verkauften Fahrzeuge erhalten und damit die Bilanz aufbessern und Investitionen bezahlen?

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