Saubere Zukunft mit Wasserstoff am Bodensee

Vierter Teil der Regionen-Serie: HyExpert HyAllgäu

HyExpert  HyAllgäu

Vor Beginn der HyExperts-Studie glichen im Allgäu die zahlreichen Ideen rund um den Wasserstoff einem Faden mit vielen losen Enden. Die vom Bundesverkehrsministerium geförderte und von der NOW GmbH betreute Maßnahme konnte jedoch in kürzester Zeit konkrete Pläne für ein Reallabor mit dem Ziel der Produktion und Verwertung von 1.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr im Allgäu präsentieren. Die NOW-Initiative HyLand war somit ein wesentlicher Erfolgsfaktor und Impulsgeber für die Transformation der Region in Richtung einer Wasserstoffwirtschaft.

Die vom Projektteam eingereichte Projektskizze setzte enge Grenzen und hohe Hürden für einen effizienten und wirtschaftlichen Einsatz von Wasserstoff im Allgäu. Wo viele Vorhaben nach veränderten Regularien des Staates rufen, konzentriert sich das Projekt HyAllgäu auf einen konstruktiven Umgang mit den Hemmnissen und auf Lösungen. Strategische Kennzahlen und Vorgaben, wie die Obergrenze an Gestehungskosten für „grünen regionalen Wasserstoff“ aus dem Allgäu von 5 bis 6 Euro pro Kilogramm H2, verlangten nach einem klaren Fokus auf geeignete Standorte. Der eingesetzte Ökostrom muss somit für maximal 0,05 Euro/kWh am Elektrolyseur zur Verfügung stehen. Externer Strom oder solcher aus Anlagen mit noch laufender EEG-Vergütung beziehungsweise ungünstigen Gestehungskosten ist somit im Sinn des oben genannten Zielpreises genauso ungeeignet wie Anlagen mit zu geringen Vollbenutzungsstunden (VBh).

In Rekordtempo konnte die Machbarkeitsstudie, ein Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Oberallgäu und der Stadt Kempten, durch den Klimamanager des Landratsamtes Simon Steuer auf den Weg gebracht werden. Den Gesamtauftrag für die Machbarkeitsstudie erhielt die Ingenieurgesellschaft bluemove consulting GmbH (BMC) mit dem Geschäftsführer und Gesamtprojektleiter Arthur Dornburg. Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgt unter der Leitung von Prof. Werner Mehr durch die Hochschule Kempten.

HOC

Kläranlagen bieten gute Voraussetzungen

Unter dem Motto „Vom Klärwerk zum Kraftwerk“ gibt es in der Abwasserwirtschaft schon seit längerer Zeit Überlegungen zur H2-Produktion. Die Kläranlage in Kempten (AVKE) mit ihrem technischem Leiter Franz Beer gehört zu den Initiatoren von HyAllgäu. Die regionale Abwasserbehandlung erreicht durch die Verwertung des Faulgases seit 2017 einen konstanten Überschuss an elektrischem Strom. Dieser Ökostrom mit hohen Vollbenutzungsstunden bietet sich ideal zur Produktion von grünem lokalem Wasserstoff aus dem Allgäu zu marktgerechten Preisen an. Die ersten rund 50 Tonnen Wasserstoff im Jahr waren somit bereits zum Zeitpunkt der Projektskizze realistisch.

Kläranlagen haben darüber hinaus den Vorteil, dass der Sauerstoff aus der H2-Produktuíon direkt in der biologischen Reinigungsstufe verwertet werden kann und den Stromüberschuss weiter optimiert. Der AVKE plant durch weitere Maßnahmen die Mehrung des für die Verstromung verfügbaren Faulgases. Neben Cosubstraten (z. B. aus der regionalen Milchwirtschaft) ist hier die benachbarte Vergärungsanlage (ZAK), ebenfalls mit Überschuss an methanhaltigem Biogas, ein idealer Partner. Die Wasserstoffproduktion beim AVKE kann somit auf über 100 t/a gesteigert werden.

… Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

Autor: Arthur Dornburg, GF bluemove consulting GmbH & Projektleiter HyAllgäu


1 Gedanke zu „Saubere Zukunft mit Wasserstoff am Bodensee“

Kommentar verfassen