Umstrittene Regulierung von Wasserstoffnetzen

Ungeliebte Zweigleisigkeit

Wasserstoffnetz © OGE
© OGE

Der kürzlich von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf zur Regulierung von Wasserstoffnetzen stößt in der Gasbranche auf wenig Gegenliebe. In der Kritik steht insbesondere die vorgesehene Trennung zwischen einer Gas- und einer Wasserstoffinfrastruktur. Diese zweigleisige Regulierung verhindere eine aufeinander abgestimmte Entwicklung, so heißt es. Aber es gibt auch wohlmeinende Stimmen, die vor allem die positiven Effekte hinsichtlich der klaren Kostenzuordnung hervorheben. Weitere offene Fragen sind: Was ist mit der Wasserstoffbeimischung, und welche Möglichkeiten eröffnet eine wirklich sektorübergreifende Regulierung, die auch Strom einschließt?

Beim Netzbetreiber Open Grid Europe (OGE) betrachtet man Wasserstoff, vorzugsweise aus erneuerbaren Quellen, als wesentlichen Schlüssel für das Gelingen der Energiewende – neben erneuerbarem Strom. Das Unternehmen wolle eine „ganzheitliche und effiziente“ Energiewende mitgestalten, ist zu hören. Hierfür beteiligt sich OGE an diversen Projekten, wie GET H2 Nukleus (s. HZwei-Heft Jul. 2020), Westküste100 (s. HZwei-Heft Okt. 2020) und H2morrow. So soll etwa das Vorhaben GET H2 Nukleus einmal den Kern einer deutschlandweiten, öffentlich zugänglichen H2-Infrastruktur bilden. Der Plan sieht vor, dass ein rund 130 km langes Netz von Lingen bis Gelsenkirchen die Erzeugung von grünem Wasserstoff mit industriellen Abnehmern in Niedersachsen und NRW verbindet.

„Wichtig ist es, den Markthochlauf zu schaffen. Dann kann Wasserstoff in den 2030er-Jahren großskalig und wettbewerbsfähig innerhalb und außerhalb Europas ohne Subventionen erzeugt werden“, sagt Daniel Muthmann. Der Bereichsleiter Unternehmensentwicklung, Kommunikation und Politik bei OGE hebt diesbezüglich drei wichtige Punkte hervor: Erstens müsse die gesamte Wertschöpfungskette inklusive der Transportinfrastruktur als verbindendes Element zwischen Erzeugung und Anwendung betrachtet und so der Motor Wasserstoff gestartet werden.

HOW

Als zweites Thema nennt Muthmann in Anbetracht der Vorlaufzeiten schnelle politische Entscheidungen noch in dieser Legislaturperiode – etwa zur Regulierung öffentlich zugänglicher Wasserstoffnetze. Hier hat sich nach seiner Beobachtung der bestehende Regulierungsrahmen für Erdgas grundsätzlich bewährt. Deshalb fällt sein Votum auch klar aus: „Ein solcher Rahmen ist eine solide Basis für zu treffende Investitionsentscheidungen für Wasserstoffproduktion und -verwendung.“ In diesem Vorgehen sieht Muthmann weitere Vorteile. So lasse sich ein solcher Rahmen dynamisch im Sinne einer lernenden Regulierung unter Einbindung aller Marktteilnehmer an die Bedürfnisse des Wasserstoffmarktes anpassen.

Als dritten wichtigen Punkt fordert Muthmann ein klares Bekenntnis der Politik zum marktwirtschaftlichen Zielmodell für Wasserstoff. Dieses schließe liquide, internationale Handelsmärkte, Wahlmöglichkeiten für Kunden, Versorgungssicherheit (auch über Importe) sowie öffentlich zugängliche Wasserstoffnetze ein.

Kritik aus der fossilen Wirtschaft

Wie begegnet die Politik diesen Wünschen? Anfang Februar waren erste konkrete Signale zu vernehmen, als das Bundeskabinett den Entwurf des Gesetzes zur Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben und zur Regelung reiner Wasserstoffnetze im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vorlegte. Das Echo vieler der betroffenen Verbände aus der Energiebranche ist wenig positiv. Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt man zwar, dass die Bundesregierung noch in der laufenden Legislaturperiode den Einstieg in die Regulierung von Wasserstoffnetzen vorantreibt, jedoch findet der eingeschlagene Weg wenig Widerhall. „Anstatt Wasserstoffnetze in den etablierten und bekannten Regulierungsrahmen für das Gasnetz zu integrieren, ist im Gesetzentwurf eine getrennte Regulierung von Gas- und Wasserstoffnetzen vorgesehen“, heißt es vom BDEW. Eine solche zweigleisige Regulierung verhindere eine aufeinander abgestimmte Entwicklung von Gas- und Wasserstoffinfrastrukturen und schaffe keinen verlässlichen Rahmen für Investoren und Marktteilnehmer.

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Autor: Michael Nallinger

0 Gedanken zu „Umstrittene Regulierung von Wasserstoffnetzen“

  1. Ein reines Wasserstoffnetz wäre eventuell nötig, wenn man zukünftig Autos mit Brennstoffzellen, Pufferbatterie und Elektromotoren antreiben will bei Verzicht auf einen zusätzlichen Verbrennungsmotor. Ein Hybridfahrzeug kommt für mich nicht in Frage, weil es Abgase nicht komplett vermeidet und teurer in Herstellung, Anschaffung und Betrieb ist gegenüber anderen Antriebs-Konzepten.
    Voraussetzung für ein reines Wasserstoffnetz wäre aber das Vorhandensein von Material für die Rohre, welches Korrosion und Diffusionsverluste verhindert. Alternative zu einem Netz wären dezentrale Erzeugungs- und Speicheranlagen.

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  2. Brennstoffzellen funktionieren doch nach meinen bisherigen Kenntnissen nur mit reinem Wasserstoff. Oder gibt es inzwischen Brennstoffzellen, die mit einem Gemisch aus Wasserstoff und Erdgas betrieben werden können?
    Und die Energieumwandlung zurück zu Elektroenergie geschieht mit Brennstoffzellen effizienter als die Erzeugung von Elektroenergie mittels Blockheizkraftwerk.
    Die Gasbranche will Gas verkaufen, nicht Wasserstoff.

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