Kurseinbruch bei den H2-Aktien – eine Herausforderung

Nach dem explosionsartigen Anstieg aller Aktien aus dem Bereich der Brennstoffzelle und oftmals mit Wasserstoff verbundenen Unternehmen zu Beginn dieses Jahres stehen wir heute vor genau dem anderen Szenario – einem scharfen Kursrückgang all over. Ich wage eine Prognose:

Der Markt der Brennstoffzellen und des Wasserstoffs in all seinen Farben – ideal der grüne, weil regenerativ erzeugt – sowie aller Einsatzfeldern steht vor einer glänzenden Zukunft – weltweit. Als Teilnehmer diverser Fachkonferenzen und Gesprächspartner von Unternehmern, Managern, Analysten, Forschern und Entwicklern dieser Branche gerät man sogar in Hochstimmung, was die Perspektiven angeht, da dieser Markt enorme Wachstumschancen aufzeigt und gar einen neuen weltweiten Megatrend begründet.

Burckhardt

Wir stehen indes erst am Anfang dieser Entwicklung und da geht nicht alles gradlinig, weil sich die Unternehmen erst einmal positionieren müssen, um via Skalierung der Produktion die Phase der Prototypenentwicklung erfolgreich verlassen zu können. Da entstehen völlig neue Märkte. Allerdings müssen dafür die Rahmenbedingungen stimmen, und die Infrastruktur (Beispiel: Wasserstofftankstellen, Gaspipelines) muss vorhanden sein.

Der Vertreter eines sehr großen Verkehrsbetriebes meinte unlängst in einer Fachtagung, dass man massiv in wasserstoffbetriebene Busse investieren würde, wenn es denn H2-Tankstellen in ausreichender Menge gäbe und der Preis des Wasserstoffs attraktiv sei. Zudem müsste die Industrie erst einmal entsprechende Fahrzeuge anzubieten fähig sein. Recht hat der Mann!

HOC2021

Alle diese Grundvoraussetzungen werden erfüllt, allerdings von Land zu Land und Kontinent zu Kontinent in unterschiedlicher Geschwindigkeit – aber tendenziell geht es in die richtige Richtung. Starke Impulse hat der ganze Komplex aus China zu erwarten, aber Süd-Korea und Japan stehen ebenfalls parat. In Europa haben wir das passende Know-how und auch den Willen, hier mit zu gehen, aber die notwendige Umsetzungsgeschwindigkeit lässt – noch – zu wünschen übrig, wenn auch viele Bekenntnisse der Politik erkennen lassen, dass man auf dieses Pferd setzen wird. Dass das alles kommt, steht fest, also nicht, ob es hier richtig los geht, sondern nur wann und in welcher Form.

Börsenkurse

Am Beispiel Ballard Power möchte ich Ihnen aufzeigen, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz des scharfen Kursrückganges der vergangenen Tage nicht beeinträchtigt ist. Notierte Ballard noch vor einem Jahr unter 10 Euro, vor zwei Jahren gar bei unter 3 Euro, so notiert die Aktie heute mit 16 Euro immer noch auf Jahresbasis gut im Gewinn. Das Unternehmen hat zwischenzeitlich -und das ist nicht sehr lange her – via Bought Deal zu einem Kurs von 37 US-$ pro Aktie über 500 Mio. US-$ einnehmen können und kann nun über ein Bargeldpolster von über 1,2 Mrd. US-$ verfügen.

Parallel hat man sich ein genehmigtes Kapital in Höhe von 1,5 Mrd. US-$ geben lassen, was mich zu der Schlussfolgerung verleitet, dass hier etwas Großes bevorstehen könnte: Übernahme eines komplementär zum eigenen Geschäftsmodell tätigen Unternehmens (Elektrolyse u.a.) und/oder Bau einer Produktionsstätte in Europa – eventuell mit starkem Partner vor Ort.

Aus China werden positive Meldungen erwartet, was die Regierung in Sachen Wasserstoffkomplex an Geldern in die Hand nehmen wird. Auch da ist Ballard ein Profiteur durch die dortige Produktionsstätte zusammen mit Weichai. Am 4. Mai kommen die Zahlen für das erste Quartal 2021, aber vor allem ein neuer Ausblick; bei Bloom Energy ist dies am 5. Mai der Fall.

Allgemeine Überlegungen bis hin zu Verschwörungstheorien

Der Markt für die Brennstoffzelle und den Wasserstoff kommt und ist sichtbar. Es gibt aber auch – wie bei allen disruptiven neuen Technologien – Widersacher/Besserwisser, Widerstand und Konkurrenz. Am Besten ist dies an den Personen Elon Musk von Tesla und Herbert Diess von VW abzulesen: Beide lehnen den Wasserstoff als Antriebsmittel sowie die Brennstoffzelle im Paket in der Elektromobilität eindeutig zu Gunsten der Batterie schlichtweg ab. Und beide Personen haben Macht sowie viele Follower.

Das bringt mich zu einer mir gegenüber geäußerten Verschwörungstheorie: Könnte es nicht sein, dass man via schwarmtechnischer Einflüsse durch Neobroker wie Reddit und Robinhood, die Kurse der BZ/H2-Aktien in den USA unter Druck bringt, um eine Gegenstimmung zu erzeugen? Denn – gefühlt – bedeuten ja schwache Kurse, dass es da nicht so gut aussieht. Dies dürfte allerdings eine Theorie bleiben, auch wenn es zum Beispiel Indizien dafür gibt, die daraufhin deuten, dass der Aktienkurs von Tesla auch durch schwarmtechnische Einflüsse (Reddit + Co) wie auch die Tweets von CEO Musk bewegt wird. Ein Analyst von Barclays vermutet hier Korrelationen.

Mein Fazit

In der BZ- und H2-Branche an der Börse spekuliert wer Zeit hat. Nichts geht über Nacht. Man spekuliert und investiert meist mit Eigenkapital – keine Schulden/WP-Kredite – und nur mit Kapital, das man nicht benötigt, so dass man frei in der Anlage ist. Der Negativtrend der BZ/H2-Aktien kann (wird) genauso schnell vorüber gehen, wie er entstanden ist. Grundlage dieser Annahme sind Meldungen, die aufhorchen lassen, sei es die Übernahme, ein Joint Venture oder Beteiligung einer der hier genannten Unternehmen. Parallel werden Fachanalysten ihre Einstufungen ändern, so meine Prognose: von Halten auf Kauf oder sogar Übergewichten. Man braucht aber Nerven und Ruhe. Stay tuned. Auf bessere, auf gute Kurse.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, 16. April 2021

2 Gedanken zu „Kurseinbruch bei den H2-Aktien – eine Herausforderung“

  1. Es ist so wenn Laien von der Materie kaum Wissen haben und mit gefährlichem Halbwissen heiße Luft erzeugen.
    Auch wenn mit der linken Hand das Ohr gezeigt wird, ist die Energiebilanz der Wasserstofferzeugung ähnlich unbefriedigend. Nur ist es nicht von Bedeutung, da wir mit Sonne und Weltmeeren bei intelligenter Technik mehr als genug Energie erzeugen können. Auch wenn wir damit „verschwenderisch“ umgehen. Auch die Natur hat die Sonne und Wasser genutzt um die immensen Mengen an Erdgas und Kohle zu schaffen. Mit der Übermenge an Sonnenenergie und der Weltmeere haben wir für Ewigkeiten kein Problem die Energie zur Wasserstofferzeugung zu gewinnen.. Die Anwendung dieser neuen Energienutzung ist eine weitere Herausforderung.

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  2. Ha, ha, ha – köstlich ihre Verschwörungstheorien!

    Aber zurück in die Realität – und das sind nicht die diversen Fachkonferenzen und Gespräche mit Unternehmern, Managern, Analysten, Forschern und Entwicklern dieser (!!!) Branche!
    Das ist keinesfalls die Realität, sondern eine Filterblase!

    In der Realität sollte sich schnell feststellen lassen, dass der mobile Einsatz von Wasserstoff halt mit etlichen physikalischen und wirtschaftlichen Hürden bestückt ist. Im PKW chancenlos, bei LKW nicht wirtschaftlich und bei Bussen u.v.a.m. allenfalls mit Subventionen überlebensfähig.

    Die Chinesen sind übrigens viel zu pragmatisch, als dass sie die Realität länger ignorieren würden. Da sollte man sich nicht zu viel versprechen im H2-Mobilitätssektor!

    Ach ja:
    Heute stammt >95% des H2 aus billigster Produktion mit fossilen Grundstoffen (Erdgas /Kohle). Der medial gern erwähnte „grüne Wasserstoff“ macht keine 2% der Erzeugung aus – da er mehrfach teurer als dreckiges H2 ist.

    Ja, (grüner) Wasserstoff wird zukünftig seine Anwendungen finden. Aber Voraussetzung ist halt der deutliche Ausbau der EE-Nutzung. Davon lese ich leider viel zu wenig – von entsprechendem Druck aus der Branche abgesehen.

    So wird das halt nichts mit Wasserstoff.

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