Tesla im Bitcoin-Fieber

Tesla, © www.wallstreet-online.de
Stand: 15.03.21, © www.wallstreet-online.de

Dass der CEO von Tesla, Elon Musk, auf die Kryptowährung Bitcoin so oder so setzen würde, war zu erwarten. Er hatte diesbezüglich schon des Öfteren sein Interesse und seine Begeisterung bekundet und sogar überlegt, die gesamte Unternehmensfinanzierung über diese Kunstwährung abzuwickeln. Gesagt, getan: 1,5 Mrd. US-$ wurden von Tesla in Bitcoins investiert.

Notierte der Wert pro Einheit zum Zeitpunkt des Investments noch unter 37.000 US-$, so schnellte er auf über 50.000 US-$ hoch und ließ die Gesamtbewertung zwischenzeitlich auf über 1 Billion (1.000 Mrd.) US-$ anwachsen. US-Notenbankpräsidenten Yellen ist davon gar nicht so angetan. Es kann davon ausgegangen werden, dass hier eine Form der Regulatorik kommen wird. Ich erwähne all dies, da es zeigt, welchen Einfluss Elon Musk auf seine Millionen von Fans und Followern, u. a. auf Twitter, ausübt und welche Auswirkungen sein Verhalten hat. Gesund ist dies meines Erachtens nicht, da er selbst als einzelne Person die Entwicklung dieser Kunstwährung bereits zu beeinflussen imstande ist.

Burckhardt

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass das Handeln bzw. Schöpfen von Bitcoins wie auch von allen anderen Kryptowährungen enormer Energiemengen bedarf, so dass die Produktion von batteriegetriebenen Kfz durch Tesla die Frage erlaubt, ob das alles überhaupt sinnvoll und nachhaltig ist oder sogar einen großen Widerspruch darstellt.

Ich will aber auf etwas anderes hinaus: Tesla macht bislang Gewinne vor allem durch die Erlöse aus dem Verkauf von Regulatory Credits (ZEV) – circa 1,4 Mrd. US-$ allein im Jahr 2020 (für 2021 werden immerhin noch 1,1 Mrd. US-$ erwartet). Ich frage mich, ob nun das zweite Standbein für die Generierung von Ertrag der Handel mit Bitcoins und daraus entstehender Tradingprofits (Handelsgewinne), durch die Tesla Gewinn generiert, statt diesen mit dem Verkauf von Fahrzeugen und der Software (AI/KI) zu machen, sein wird.

HOC2021

Wenn man die Chatrooms durchstöbert, dann sind die Elon-Musk-Jünger nun vor allem auf Gewinne durch Bitcoins aus, die allein in diesem ersten Quartal 2021 theoretisch über 1 Mrd. US-$ ausmachen können. In mancher Talkrunde im US-Fernsehen (MSNBC, Bloomberg) macht sich bereits Unmut bei Analysten und Fondsmanagern breit, die Tesla via Aktienkauf bzw. Aktienplatzierung das Kapital zum Wachstum zur Verfügung stellen, aber nicht dazu, damit an der Börse zu spekulieren. Das könne Elon Musk mit seinem Privatkapital machen, aber nicht mit dem Geld eines Unternehmens, so eine der vielen Aussagen im TV.

Man bedenke: Die neue Fabrik in Austin, Texas, kostet Geld. Die Fabrik in Grünheide bei Berlin erfordert ebenfalls noch hohe Investitionen. Und auch die Planung bzw. der Bau einer Fabrik in Indien wird weitere Milliarden kosten. Tesla selbst schätzt die Investitionen der nächsten zwei Jahre mit über 10 Mrd. US-$ ein. Dann sind die bisherigen 19 Mrd. US-$ an liquiden Mitteln auch nicht mehr so viel. Wird die Börse weitere Aktienplatzierungen via ATM-Programmen einfach weiter so hinnehmen und umsetzen?

Hinzu kommt die meines Erachtens enorme Höhe an Verpflichtungen, die sich aus dem Investment in Rohstoffe für die Batterieproduktion ergibt, sei es durch Abnahmeverpflichtungen, durch die direkte Beteiligung an Rohstoffminen oder durch den Kauf großer Mengen an Batterien auf Termin von Unternehmen wie Panasonic, CATL, LG & Co. Was ist, wenn diese Verpflichtungen nicht eingehalten werden können, wenn die Nachfrage eventuell nicht gegeben ist? Strafgebühren?

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Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 20.03.2021

1 Gedanke zu „Tesla im Bitcoin-Fieber“

  1. Und wieder einmal ein kritischer Beitrag im H2-Blog zu Tesla.
    M.M.n. nicht unberechtigt, was die Verweise auf den BitCoin angeht – aber doch zumindest unvollständig, wenn weder Erwähnung findet, dass Tesla in 2020 fast 500.000 BEV auslieferte, noch dass selbst in dem schnell wachsenden weltweiten BEV-Markt mit hunderten neuen Angeboten fast jedes 5. BEV weltweit ein Tesla ist …

    Fragwürdig finde ich die im letzten Satz anklingenden Zweifel nach einer evtl. nicht gegeben Nachfrage. Das Model Y ist in Europa noch nicht einmal eingeführt, die „angegrauten“ Model S + Model X haben ein Facelift erhalten und auf einigen Märkten (Israel, Australien, Indien, …) läuft der Verkauf von Tesla gerade erst an.

    Vergleiche ich diesen Tesla-Beitrag hier mit der gleichzeitig erschienenen „Jubelarie“ auf Nikola Motors (die gerade einige ihrer großspurig angekündigten Projekte beerdigten), so fällt mir (wieder einmal) eine gewisse Einseitigkeit auf.
    https://www.hzwei.info/blog/2021/04/01/nikola-motors-unsicherheit-geht-allmaehlich-vorbei/

    OK – es ist ja hier eben der H2-Blog.
    Wer will da Objektivität erwarten?
    😉

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