Ballard – Die Zahlen sind nicht wichtig, der Ausblick zählt

Am 11. März 2021 hat Ballard Power die aktuellen Zahlen für 2020 veröffentlicht: Der Umsatz betrug im vierten Quartal 28,6 Mio. US-$ und 103,9 Mio. US-$ im Gesamtjahr. Der Jahresverlust belief sich auf 49,5 Mio. US-$ bzw. minus 0,20 US-$ pro Aktie. Dieser Verlust ist vor allem hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung wie auch dem Aufbau der Stack-Fabrik in China geschuldet. Dies sollte es auch schon mit den Zahlen gewesen sein, denn wichtiger ist der Ausblick, die Perspektiven und die Zukunft des Unternehmens im Speziellen und bei Wasserstoff und Brennstoffzelle als neuem Megatrend im Allgemeinen.

Man muss verstehen, dass Ballard Power wie auch alle anderen Unternehmen der Branche nun allmählich in den Markt kommt, da das Geschäftsmodel vor allem erst einmal die Entwicklung marktreifer Produkte und den Aufbau der Produktion (Skalierung) beinhaltet. Das richtige Wachstum ausgedrückt in Aufträgen, Umsätzen und Erträgen beruht dann darauf. Perspektivisch sprechen wir dann über ein gewaltig hohes und langfristiges Wachstum – weltweit –, welches auf unzähligen Initiativen und Multi-Milliarden-Dollar-Programmen von Regierungen, Weltorganisationen und Unternehmen aufbaut.

„Das Unternehmen war noch nie in einer stärkeren Position als gerade jetzt.“

Ballard-Präsident Randy MacEwen

HOC

Ballard ist da in einigen Märkten klarer Marktführer und plant via massiver Technologieentwicklung/Investitionen dies auch zu bleiben. Da passt auch die Prognose des CEO, dass es absehbar ist, dass der Preis für grünen Wasserstoff perspektivisch in Richtung 1,60 US-$ pro Kilogramm gehen wird und damit fossilen Energieträgern – in meinen Worten – das Wasser abgräbt und damit dem Klimawandel entgegenwirkt.

Über 1,2 Mrd. US-$ liegen bei Ballard nun auf der Bank und sollen dazu dienen, stark in FuE zu investieren, Produktion zu lokalisieren (u.a. in Europa) und für Akquisitionen, M&A-Aktivitäten. Auch in den Bereich der Elektrolyse plant Ballard zu investieren, was Joint Ventures, Übernahmen und die eigene Produktion angeht.

Highlights aus der Telefonkonferenz

CEO Randy MacEwen hat es zu einer sechswöchigen Reise durch China bewogen, wo er wichtige politische Entscheider, Projekte, Zulieferer und Vorzeigeregionen besucht hat. In Kürze soll das Programm der dortigen Regierung in Sachen Wasserstoff und Brennstoffzelle mit klar definierten Beträgen versehen werden, nachdem sich über 30 Provinzen (Vorzeige-Cluster) beworben haben. Mit dabei werden Guangdong, Shanghai und Peking sein. Dort soll dann ermittelt werden, was die Pläne konkret für Ballard und das JV mit Weichai in Zahlen (Aufträgen) bedeuten.

Das Gemeinschaftsunternehmen sei die „größte Brennstoffzellen-Stack-Produktionsstätte in China mit Fokus auf den Bus- und Truck-Markt“. Es wurde nun nach umfangreichen Audits als „qualifizierter Zulieferer“ zertifiziert – ein sehr wichtiger Schritt. China plant, dass bis zum Jahr 2025 mindestens 20 Prozent und bis 2035 bereits 50 Prozent aller Kraftfahrzeuge zur Gruppe der „new energy vehicles“ zählen, also via Batterie oder Brennstoffzelle angetrieben werden. Bislang fahren dort 1.100 Busse und 2.200 Lkw mit „Ballard inside“, so dass sich daraus ein Marktanteil von 45 Prozent für die Kanadier ergibt.

Der chinesische Brennstoffzellensystemanbieter REFIRE geht demnächst via IPO (Initial Public Offering) an die Börse. Dies wird man seitens Weichai und Ballard als Blaupause für einen möglichen Börsengang der dortigen Tochter ansehen, so ein Kommentar. Sicherlich wird dies nicht gleich morgen geschehen, aber perspektivisch. Ich werde REFIRE nun sehr genau beobachten.

Einzelne Märkte

Mit CP (Canadian Pacific) plant Ballard, einen Prototyp einer Lok mit Brennstoffzellentechnik auszustatten. CP verfügt über 1.300 Loks und ist einer der größten Eisenbahntransportunternehmen Nordamerikas. Aus so einem Prototyp werden dann Großaufträge. In China ist das Unternehmen aus Vancouver bereits gemeinsam mit CRRC mit Straßenbahnen aktiv, die mit Wasserstoff fahren. Bei Passagierzügen ist Siemens Mobility beteiligt, womit Ballard in diesem Segment perfekt weltweit und in verschiedenen Märkten präsent ist. Das Gleiche bezieht sich auf diverse Ventures im Schiffsbereich, wo sich Ballard ebenfalls gut aufgestellt fühlt, sei es mit ABB oder der amerikanischen Chart Industries oder der australischen Global Energy.

Mit Brennstoffzellen-Bussen und Lkw wurden bereits über 70 Mio. km zurückgelegt. Bei den in Europa bislang vergebenen Aufträgen hat Ballard einen Marktanteil von 85 Prozent. Kunden wie Wrightbus (bestellte kürzlich 50 Module), Van Hool oder Solaris setzen auf das BZ-Know-how von Ballard.

IM Pkw-Bereich geht es nun wohl doch weiter mit dem Partner Audi, auch wenn man da immer wieder lesen kann, dass der Audi-Geschäftsführer wie auch sein VW-Chef Diess nicht viel mit der BZ bzw. H2 anfangen können, da sie der Batterie den Vorzug geben. Vielleicht findet sich da aber langfristig noch ein anderer großer Pkw-Produzent, der sich mit Ballard verbindet.

Währenddessen geht Ballard davon aus, dass die Stack-Kosten um über 70 Prozent bis 2024 reduziert werden könnten. Man arbeite an neuen Materialien, die die Effizienz erheblich erhöhen. An die Konkurrenz gerichtet kam die selbstbewusste Äußerung, „die müssen viel tun, um aufzuholen“.

Mein Fazit: Das Unternehmen wird seinen Weg gehen. Es ist bestens für großes Wachstum positioniert. Man sieht sich als Gewinner eines neuen Multi-Milliarden-Marktes. Die Börse wird diese Perspektiven in die Kursentwicklung einspeisen. Die aktuellen Zahlen wie Umsatz und Ergebnis sind irrelevant – was zählt ist, dass man wohl ab 2022 davon ausgehen kann, dass durch Skalierungseffekte ein sehr hohes und langfristiges Unternehmenswachstum einsetzen wird. Die Börse wird dies antizipieren, so dass der aktuelle Kursstand nach der Kursexplosion von Dezember 2020 bis Ende Februar 2021 und der nachfolgende scharfe Kursrückgang genutzt werden sollte, wer mittel- bis langfristig denkt. Vergleicht man die Performance mit 2001, als es von unter 5 US-$ auf über 130 US-$ ging, dann müsste die Aktien von Ballard jetzt in Richtung 520 US-$ steigen. Tesla hat es vorgemacht, dass so ein Kursanstieg möglich ist.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 13.03.2021

0 Gedanken zu „Ballard – Die Zahlen sind nicht wichtig, der Ausblick zählt“

  1. Entscheident werden sein Großkraftwerke in Afrika zur Wasserspaltung, kanalisierte Einleitung von Wasser oder natürliche Quellen wie Sambesi.

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  2. Zitat:
    „… dass der Preis für grünen Wasserstoff perspektivisch in Richtung 1,60 US-$ pro Kilogramm gehen wird und damit fossilen Energieträgern – in meinen Worten – das Wasser abgräbt und damit dem Klimawandel entgegenwirkt.“
    Wieder einmal hat man den Hinweis vergessen, dass dazu ein massiver Ausbau der EE-Nutzung notwendig wäre – also eine Vervielfachung (!!!) der Installation von WKA und PV. Selbst dann ist der aufgerufene Preis kaum ohne Subventionen darstellbar, denn er entspräche bei 33kWh/kg H2 einem reinen Energiepreis von 4,8US-Ct/kWh el. Energie – ohne jede Investitionskosten oder gar Gewinn …
    Zitat:
    „China plant, dass bis zum Jahr 2025 mindestens 20 Prozent und bis 2035 bereits 50 Prozent aller Kraftfahrzeuge zur Gruppe der „new energy vehicles“ zählen, also via Batterie oder Brennstoffzelle angetrieben werden. Bislang fahren dort 1.100 Busse und 2.200 Lkw mit „Ballard inside“, so dass sich daraus ein Marktanteil von 45 Prozent für die Kanadier ergibt.“
    Abgesehen davon, dass weder die Batterien, noch die Brennstoffzellen die Kfz antreiben – sondern E-Motore – werden ehrlicherweise keine FCEV-PKW mehr erwähnt. Leider fehlt zur Einordnung dieser Zahlen „1.100 Busse und 2.200 Lkw mit „Ballard inside““ die Erwähnung, dass es in China aktuell schon >5Mio. rein elektrische PKW, Busse und LKW gibt.
    Niemand sollte sich darüber täuschen, dass Wasserstoff im Kfz eine Nischenanwendung bleiben wird. Das Potential für (grünen) Wasserstoff dürfte in Sektoren liegen, wo man nicht auf 350bar/700bar komprimieren muss, um den Platzbedarf einigermaßen erträglich zu halten.

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