DWV wird zum Industrieverband

Kooperation mit dem DVGW beschlossen

Dr. Ulrich Schmidtchen und Eberhard Behrend
Dr. Ulrich Schmidtchen und Eberhard Behrend

Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e. V. geht jetzt neue Wege. Nach Jahren der versuchten Neuorientierung hat der Verband am 4. Dezember 2020 alle Weichen dafür gestellt, zukünftig als schlagkräftiger Industrieverband auftreten zu können. Nachdem einige Entscheidungen auf der regulären Mitgliederversammlung im September in Hamburg vertagt worden waren, wendet sich der Verein nach einer exzellent vorbereiteten Online-Veranstaltung einer neuen Zukunft zu.

Der erste Anlauf, die Versammlung im Herbst 2020, wird mit ihren Querelen und dem denkwürdigen unstrukturierten Ablauf in die Vereinsgeschichte eingehen. Bei diesem Treffen in der Hansestadt hatten einige Mitglieder ihrem Unmut über die Entwicklung in Richtung eines Industrie-Lobbyverbands und ihrer Unzufriedenheit mit der Vereinsführung Luft gemacht. Zudem hatten zutage tretende Unklarheiten über die Gültigkeit der damals vorliegenden Satzung sowie Fragen zur Abrechnung eine Vorstandsentlastung und auch eine Neuwahl verhindert, weshalb vertagt wurde.

Prof. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), hatte nach der DWV-Mitgliederversammlung gegenüber HZwei lediglich erklärt: „Ging dort etwas turbulent zu – wegen DWV-internen Dingen. […] Ich bin zuversichtlich, dass wir zu einer inhaltlichen Kooperation kommen werden.“

Wie hart an den darauffolgenden Tagen gearbeitet worden ist beim DWV, zeigte sich bei der erstmals im Online-Format durchgeführten außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember: Mit einem wohldurchdachten Konzept und perfekt vorbereiteten Unterlagen leitete der amtierende Vorsitzende Werner Diwald durch die fast sechsstündige Veranstaltung mit rund 100 Teilnehmern. Während er in Hamburg teils etwas fahrig wirkte, behielt er dieses Mal auch bei den unvermeidlichen digitalen Problemchen die Ruhe und führte souverän durch die Abstimmungen und Diskussionen.

Auch wenn sich nicht alle offenen Fragen vom September klären ließen – vieles wurde von den Mitgliedern auch nicht nochmals angesprochen –, ließ Diwald alle Interessierten und Präsidiumskandidaten zu Wort kommen und versuchte, alle Fragen in Ruhe zu beantworten.

Vertiefung der Kooperation mit dem DVGW

Prof. Gerald Linke berichtete brühwarm von der DVGW-Präsidiumssitzung, auf der tags zuvor einstimmig für die Zusammenarbeit mit dem DWV votiert worden war. Finanziell profitiert vornehmlich der Wasserstoffverband von der Kooperation, während der DVGW über diesen auf derzeit sehr gefragtes H2-Know-how zugreifen kann.

Linke informierte unter anderem darüber, dass sein Verband den Aufbau eines Wasserstoff-Instituts der deutschen Energiewirtschaft vorbereite und bereit sei, rund 15 Mio. Euro in eine Innovationsstrategie zu investieren. Dies schien die DWV-Mitglieder zu überzeugen, so dass sie sich mehrheitlich für den Zusammenschluss aussprachen.

Das neue Konzept des Verbandes sieht eine enge Zusammenarbeit mit dem DVGW vor. Die modifizierte Verbandsstruktur wurde ebenso ausführlich dargelegt wie die veranschlagte Haushaltsplanung. Anstelle des bisherigen ehrenamtlichen Vorstands verfügt der Verein zukünftig über zwei hauptamtliche Vorsitzende sowie Mitarbeiter in der eigenen Geschäftsstelle und ein ehrenamtliches Präsidium.

Ernannt wird der Vorstand von dem neu konstituierten Präsidium, in dem viele altbekannte, aber auch etliche neue Gesichter vertreten sind. Die meisten Stimmen erhielt bei der Präsidiumswahl Prof. Christopher Hebling vom Fraunhofer-ISE. Neben Prof. Birgit Scheppat zog mit Silke Frank eine zweite Frau in die Führungsriege ein. Dem Vertreter der jüngeren Generation, Stefan Garche, fehlten am Ende nur ein paar wenige Stimmen.

Am 10. Dezember wählte das Präsidium in der konstituierenden Sitzung Dr. Oliver Weinmann von Vattenfall Europe Innovation zum Präsidenten. Neben Uwe Ringel, der für den DVGW einen Stellvertreterposten einnimmt, stehen ihm Silke Frank von Mission Hydrogen sowie Prof. Dr. Christopher Hebling vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme zur Seite. Werner Diwald ist ab sofort als hauptamtlichen Vorstandsvorsitzender tätig. Für den Posten des zweiten Vorsitzenden wird der DVGW einen Vorschlag unterbreiten.

„Jetzt haben wir gemeinsam die Grundlage geschaffen, dass sich der DWV zu dem zentralen Verband für alle energie-, verkehrs- und industriepolitischen Aspekte rund um Wasserstoff in einer defossilisierten Wirtschaft entwickeln kann.“

Werner Diwald, DWV Vorstandsvorsitzender

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