Tesla – Die Luft wird immer dünner

Betrachtet man die Einschätzung der Analysten, die Tesla beziehungsweise dessen Aktie bewerten, so ergibt dies eine Patt-Situation, da diejenigen, die auf Verkauf (sell) setzen mit denen, die noch bei Kaufen (buy) stehen gleichziehen. Indes werden die Kursziele angesichts des dramatischen Kursanstieges 2020 immer zurückhaltender. Jüngstes Beispiel ist Morgan Stanley, bei denen der Analyst nun 810 US-$ als neues Ziel ausgemacht hat. Die Aktien handelt aktuell bei 740 US-$ und Tesla wird mit 700 Mrd. US-$ bewertet.

Auf der anderen Seite äußerte sich kürzlich der Analyst von Exane BNP Paribas, der eher 350 US-$ als vorläufiges Ziel sieht und seine Zurückhaltung damit begründet, dass gerade der Optimismus der Anleger Basis für einen Kursrückgang liefert (Sell, because investors are too optimistic). Das ist die von mir auch schon mehrfach angeführte Contrary Opinion, wonach genau das Gegenteil dessen eintritt, was die große Mehrheit der Investoren erwartet. Ich bleibe bei meiner sehr skeptischen Haltung Tesla gegenüber, auch wenn ich da noch sehr falsch liege. Man erinnere sich aber bitte, als der Kurs Anfang 2020 von über 800 auf unter 400 US-$ fiel.

Klar ist auch: Man hat zwar das von CEO Elon Musk ausgegebene Mengenziel beim Fahrzeugverkauf in Höhe von 500.000 Einheiten für 2020 knapp erreicht, aber sicher ist es noch nicht, ob damit auch Geld verdient wurde. Denn diverse Rabattaktionen u.a. in China haben natürlich der Gewinnmarge geschadet. Genaueres werden wir in der letzten Woche in diesem Monat erfahren, da dann die Ergebniszahlen zur Veröffentlichung anstehen/erwartet werden.

Und dann ist auch wieder eine Zahl sehr wichtig, die Tesla bislang schöne Sondergewinne ermöglicht hat: die Regulatory Credits, also die Zertifikate, die an andere Kfz-Herstellern, die ihre Quote an emissionsarmen Fahrzeugen noch nicht erfüllen können (z.B. FiatChrysler), verkauft werden. Es ist indes absehbar, dass Tesla immer weniger dieser Zertifikate wird verkaufen können, da andere Hersteller diese auch selbst immer mehr besitzen. Das kalifornische Unternehmen muss dringend mit den eigenen Modellen selbst Geld verdienen. Im Fall FiatChrysler kann die Fusion mit PSA für eine völlige Wandlung sorgen, da der neue Konzern über eine größere Palette an Elektrofahrzeugen verfügt.

HOW

Fazit: Ich halte es eher mit dem Analysten der Citibank, der gar ein Kursziel von 90 US-$ ausgemacht hat. Wer da hohe, sehr hohe Buchgewinne hat, sollte vielleicht auch mal an die Realisierung denken, was meiner Börsenerfahrung geschuldet ist, da Anleger oft dazu neigen, ab einem bestimmten Punkt und Stimmung sogar gierig zu werden. Die Bäume wachsen aber nicht in den Himmel – das gilt auch für Tesla. Ich greife die jüngste Einschätzung von der Investorenlegende Bill Gross auf, der Tesla als sehr überbewertet ansieht und 2021 eine Reaktion erwartet. Er sagte: „Die Teslas des Jahres 2020 werden es schwer haben, den Daytrading-Robinhoods zu gefallen.“

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

verfasst von Sven Jösting am 6. Januar 2021

0 Gedanken zu „Tesla – Die Luft wird immer dünner“

  1. „Fazit: Ich halte es eher mit dem Analysten der Citibank, der gar ein Kursziel von 90 US-$ ausgemacht hat.“
    😉
    Also dass Sven Jösting es versteht, selbst positive Zahlen /Ergebnisse bei Tesla negativ zu interpretieren (hier: Stückzahlen – trotz Corona – erreicht – aber wer weiß, wie viel Gewinn gemacht wurde …) daran hat man sich gewöhnt. Bei derzeitigen Spitzenkursen von Tesla eine Gegenreaktion /Konsolidierung zu erwarten ist sicher auch realistisch.
    Beim Kurs der Aktie von >700$ ein Kursziel /Verfall auf 90US-$ zu erwarten – das ist dann schon wieder einmal das von Ihm gern praktizierte „Schlechtreden“ – unabhängig von allen Fakten.
    Im Gegensatz dazu werden bei PlugPower u.a. Wasserstoff-Firmen zwar die Insider-Verkäufe gerügt https://www.hzwei.info/blog/2021/01/06/plug-insider-verkaufen-klarheit-bei-den-optionsrechten-fuer-amazon/ – aber eine Prognose für einen Kurseinbruch lese ich da nie. Dabei dürfte der beschriebene Markt für den Umbau von Gabelstaplern auf Brennstoffzellensysteme mit jeder Verbesserung bei der Akkutechnologie kleiner werden. Sobald die Kapazitäten für den Schichtbetrieb ausreichen, spricht nichts mehr für einen solchen Umbau. Da ein Gabelstapler ja für seine Funktion ein Gegengewicht braucht, kann Wasserstoff nicht einmal mit seiner geringeren Masse punkten. Dagegen ist das geringere Volumen einer Lösung mit Lithium-Akku als Traktionsbatterie ein echter Vorteil für die Wendigkeit elektrischer Flurförderfahrzeuge /Gabelstapler.
    Tesla ist 2020 mit dem Model3 in China zum Massenhersteller geworden und dabei ist die Produktion des ModelY in China gerade erst angelaufen. Natürlich wird man seine Gewinne zunehmend aus dem Automobilgeschäft gerieren müssen und immer weniger aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten. Auch die Verpflichtungen in China, die mit dem Bau /der Finanzierung der dortigen Gigafactory eingegangen wurden, sind nicht ganz einfach zu erfüllen.
    Aber andere Firmen haben weder echte Produkte, noch Zertifikate zu verkaufen …

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