Bedarf nach Brennstoffzellenbussen besteht

Solaris Urbino
Solaris Urbino, © Solaris

… aber kaum einer kann liefern
Die desolate Lage ist komplett selbstverschuldet, dennoch beklagt aktuell alle Welt, dass kaum Brennstoffzellenbusse erhältlich seien. Wenn überhaupt, dann sind einige wenige Elektrobusse mit Hybrid- oder Batterieantrieb zu bekommen, aber nur selten mit Brennstoffzelle…

– und wenn, dann mit sehr langer Lieferzeit. Dieser Tage zeigt sich immer deutlicher, wie stark die Versäumnisse der vergangenen Jahre zu Buche schlagen. Aber es kommt Bewegung in die Branche – weltweit. Ein grober Überblick:

Die meisten Bushersteller haben noch nicht einmal ein Konzept für BZ-Modelle vorrätig. Und diejenigen, die sich in der Vergangenheit zumindest ein bisschen mit H2– und BZ-Technik beschäftigt haben, verfügen bislang über keine beziehungsweise kaum ausreichende Produktionskapazitäten. Dabei ist die Nachfrage nach BZ-Bussen derzeit immens – vor allem weil mit diesen die Umweltziele in den Großstädten erreicht werden können und gleichzeitig eine gute Streckenabdeckung gewährleistet ist.

Trauriges Beispiel ist Rom, wo im Februar 2020 vom lokalen Verkehrsbetrieb ATAC im Rahmen des europäischen Projekts 3Emotion fünf H2-Busse ausgeschrieben wurden, aber kein Bushersteller Interesse signalisierte. Im Amtsblatt hieß es laut Autobusweb, dass „keine Angebote und Anträge auf Teilnahme“ eingegangen seien. Ähnlich erfolglos war die italienische Hauptstadt schon im Januar 2019, und das, obwohl damals insgesamt 4 Mio. Euro (50 % Förderung von der EU, 50 % von der Regionalverwaltung) für die Fahrzeuge und eine Betankungsstation bereitstanden.

Verfügbarkeit der Daimler-Busse bei 50 Prozent

In Deutschland schaut man meistens zunächst zu Mercedes, wenn es um BZ-Busse geht. Die Daimler AG hatte bereits vor zwanzig Jahren mit Entwicklungsarbeiten am brennstoffzellenbetriebenen NeBus (new electric bus) begonnen und über die Jahre hinweg an vielen staatlich geförderten Demonstrationsprojekten teilgenommen. Ein marktreifes Produkt ist bislang aber immer noch nicht erhältlich.

weiterlesen im HZwei Juli-Heft

4 Gedanken zu “Bedarf nach Brennstoffzellenbussen besteht

  1. @Werner Tillmetz:
    „China ist gerade dabei, seine 600.000 Batteriebusse nach und nach durch Brennstoffzellenbusse zu ersetzen.“

    Wenn es für diese stramme Behauptung doch nur auch einen Beleg gäbe! Ja, in China testet /baut man auch BSZ-Busse. Aber zuletzt gab es eine durchaus überraschende Kürzung der BSZ-Subventionen:
    https://www.elektroauto-news.net/2019/china-trotz-brennstoffzellen-offensive-subventionen-2021-gestrichen/
    Zur Begründung führt das Ministerium an, dass Chinas Brennstoffzellen-Industrie „trotz der finanziellen Unterstützung keine Durchbrüche und keine rasche Entwicklung erzielt“ habe.
    Man ist da recht pragmatisch im Land der Mitte. Nach einem Ersatz der „Akkubusse“ klingt dies allerdings nicht.

  2. China ist gerade dabei, seine 600.000 Batteriebusse nach und nach durch Brennstoffzellenbusse zu ersetzen. Wenn das erledigt ist, werden wir in Europa auch die Brennstoffzellenbusse aus China bekommen.
    Die Busse mit der Toyota-Brennstoffzelle, die seit Jahren kommerziell und problemlos im Alltag unterwegs ist, kann man bei Caetano kaufen.
    Das Problem: was produzieren wir dann in den deutschen Fabriken?

  3. Tja, woran wird es wohl liegen, wenn die Hersteller nur verhaltenes Interesse an der Serienproduktion von H2-BSZ-Bussen zeigen? Ob man evtl. erkannt hat, dass man auf absehbare Zeit keine Wirtschaftlichkeit bei Produktion und Betrieb erreichen kann?

    Es ist halt etwas anderes, Fördergelder für Forschung /Prototypen zu kassieren, als die Serienproduktion von H2-BSZ-Bussen aufzunehmen, die sich in einem finanziell hart umkämpften Umfeld gegen konkurrierende Technologien behaupten sollen /müssen.

    Ich kenne die genauen Forderungen in den Ausschreibungen von Rom nicht. Aber wenn da auch Bedingungen für längerfristigen Betrieb und Unterhalt einzuhalten sind, haben es mobile H2-BSZ-Systeme derzeit wohl sehr schwer und mit jeder Verbesserung der Akkutechnologien noch schwerer …

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