Ein Botschafter für sauberen Wasserstoff

Timmermans
Frans Timmermans, © Europäische Kommission

Die Europäische Kommission fördert zwar seit Jahren zahlreiche Projekte rund um Wasserstoff und Brennstoffzellen, aber bislang fiel dieser Wirtschaftszweig in Brüssel unter „ferner liefen“. Das änderte sich erst im Laufe des vergangenen Jahres, nachdem dieses Sujet auch in Deutschland auf höchster politischer Ebene angekommen war.

Nachdem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verkündet hatte, die Bundesrepublik müsse die Nummer eins in der Welt bei Wasserstofftechnologien werden, stellte die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei der Klimakonferenz in Madrid den viel beachteten „EU-Green-Deal“ vor. Mit Frans Timmermans holte sie sich zudem einen Befürworter einer zukünftigen H2-Wirtschaft an ihre Seite und machte den gebürtigen Niederländer zum Exekutiv-Vizepräsidenten und gleichzeitig zum Kommissar für Klimaschutz. HZwei sprach mit ihm über eine Wasserstoffwirtschaft in Europa.

HZwei:
Sehr geehrter Herr Timmermans, Sie waren 2012 bis 2014 niederländischer Außenminister und dann EU-Kommissar für bessere Rechtsetzung. Seit wann interessieren Sie sich für Energiefragen und Klimaschutz, insbesondere für Wasserstoff?

Timmermans:
Ich interessiere mich schon seit langem für das Projekt Europa. Ich komme aus einer Grenzstadt in den Niederlanden und habe in unterschiedlichen Ländern gelebt. Mich hat schon immer fasziniert, was Europa für Menschen bedeutet. Es ist mehr als ein Wirtschaftsmarkt. Es ist auch eine Union der Werte und die Verkörperung einer freiwilligen Zusammenarbeit, um in der Welt größer und stärker dazustehen. Die Maxime des 20. Jahrhunderts jedoch –„Nie wieder Krieg“ –hallt nicht mehr so stark im 21. Jahrhundert nach, auch wenn ich glaube, dass dieses Versprechen uns selbst gegenüber unverändert wertvoll bleibt.Heute allerdings bin ich überzeugt, dass die Europäische Union einen weiteren guten Grund hat zu beweisen, warum wir wirklich zusammen daran arbeiten müssen, die größten Herausforderungen des Generationenvertrags zu bewältigen. Wir müssen den Übergang zu einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Wirtschaft schaffen, nicht nur für den Planeten, sondern auch für uns selbst und unsere Kinder. Die Coronavirus-Krise hat uns zudem klar gezeigt, wie verletzlich wir sind und dass der Schutz natürlicher Ökosysteme entscheidend ist, um unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken und zukünftige Ausbrüche zu verhindern.Wenn der Klimawandel nicht unter Kontrolle gebracht wird, hat das dramatische Folgen für unseren Lebensraum, unsere Gesundheit und unsere Zukunft. Unsere Bürger haben uns deutlich gesagt, was sie sich von uns wünschen: etwas dagegen zu tun. Wir müssen handeln, denn die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden die Zukunft von morgen beeinflussen. Wir müssen unsere Energie-und Transportsysteme ändern, die Art und Weise, wie wir bauen, essen, arbeiten und leben. Wir müssen die Wissenschaft, Innovation und saubere Technologien vorantreiben, damit wir den nächsten Generationen einen saubereren Planeten übergeben können. Und bei all dem glaube ich fest an Wasserstoff, der als eine der zentralen Technologien Teil dieser Lösungen ist.

Bitte skizzieren Sie, was für Sie und Ursula von der Leyen der Green Deal ist.

weiterlesen im HZwei Juli-Heft

4 Gedanken zu “Ein Botschafter für sauberen Wasserstoff

  1. Der Kohleausstieg 2038 zeigt wie unsere Regierung den Fortschritt bremst!
    Statt Wind- und Solarenergie zu fördern , weiter Kohle ausbaggern und Dörfer
    plattmachen, DER GANZ REALE IRRSINN!.
    Nur warme Luft von Altmeier.
    Es braucht nicht nur eine Verkehrswende sondern auch eine Regierungswende !

  2. Wenn unser Wirtschaftsminister Peter Altmaier wirklich möchte, Deutschland „müsse die Nummer eins in der Welt bei Wasserstofftechnologien werden“, dann sollte er als Erstes über seinen Rücktritt nachdenken. Wasserstoff als wesentlichen Energieträger der Zukunft macht nur Sinn, wenn er aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Und diese Bundesregierung mit ihm als Wirtschaftsminister (sein Vorgänger Sigmar Gabriel hatte da die gleiche Zielrichtung) tut alles (und nicht aus Versehen), um die Branche der Erneuerbaren Energien zu zerstören. In den letzten 3 Jahren mit ziemlich viel Erfolg. Ich würde ihn gerne persönlich fragen, wie er gedanklich die Kaufprämien für E-Autos und seine Prognose sinkenden Strombedarfs bis 2030 unter einen Hut bekommt. Für mich ist das unverblümter Unsinn. Er macht sich nicht mal mehr die Mühe, vernünftige Argumente für die Deckelung des Strombedarf zu suchen. Wenn ein Bundeswirtschaftsminister vollkommen untätig zusieht, wie ab dem 31.12.2020 (5 1/2 Monate) ca. 5.500 MW Windkraftanlagen stillgelegt werden, dann nehme ich ihm nicht mehr ab, dass er Wasserstofftechnologien in Deutschland voran bringen will oder kann.
    In der deutschen Windindustrie sind bis jetzt schon mehr Arbeitsplätze vernichtet worden, als es überhaupt „Kohlekumpel“ gibt. Es ist ein Jammer, wie Deutschland seine „Windweltmeisterschaft“ einfach abgegeben hat an China, USA, Indien ……..und warum? Weil es unseren Regierungen der letzten 15 Jahren wichtiger ist, die großen Monopolisten im Spiel zu behalten, als denen die Chance zu geben, die diese zukunftsträchtige Industrie der Erneuerbaren Energien gegen erbitterste Widerstände eben der Monopolisten aus dem Nichts aufgebaut haben. Hat die Regierung Kohl hat uns 1990 mit dem Stromeinspeisegesetz gerufen, erneuerbare Energien zu schaffen, damit Peter Altmaier uns 2020 auf dem Altar der Monopolisten grillt? Ich bin vor 26 Jahren als CDU-Mitglied hauptberuflich in die Windbranche eingestiegen und hätte es mir nie träumen lassen, wie eiskalt und verlogen Kohls Nachfolger uns einfach ausradieren wollen.
    So oder so: es gibt keine Alternative zu erneuerbaren Energien/grünem Wasserstoff etc. und deshalb wird das auch kommen. Die Frage ist nur, ob wir vorher noch 30 – 50 Jahre lang unser Klima zerstören wollen. Momentan liegt das im Wesentlichen in den Händen von Peter Altmaier. Hoffentlich ändert sich das möglichst schnell! Es ist wichtig auch für die Zukunft des Wasserstoffs.

  3. Na, wenn sich der Hr. Timmermann schon immer für Umweltschutz und Nachhaltigkeit interessiert, dann hat er sicher einen Plan, wie wir die derzeit >96% fossile Wasserstofferzeugung sauberer machen und die dafür benötigten EE zügig ausbauen. Denn nur mit sauberem, grünen Wasserstoff sind diese Ambitionen umsetzbar und dafür braucht es viel mehr EE als heute …

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