HZwei-Blog

Ein Green Deal bietet sich an

Dr. Johannes Teyssen © Dietmar Gust / Euroforum

Der Handelsblatt Energie-Gipfel, der vom 20. bis zum 22.Januar 2020 in Berlin stattgefunden hat, kann wie ein Seismograf für die Energiewirtschaft angesehen werden. Was hier diskutiert wird, bewegt die deutschen Energieunternehmen. Gefühlt befassten sich mehr als 80 Prozent aller Vorträge, Beiträge, Talkrunden und Kommentare mehr oder weniger mit dem Themenkomplex Wasserstoff – in all seinen Anwendungen und Perspektiven, als Beitrag gegen den Klimawandel und für eine nachhaltige Energieproduktion.

Deutschland kann – im positiven Sinne – der perfekte Frontrunner in der Energiepolitik werden. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war als Einstieg gut, hat sich aber nun überlebt. Jetzt gilt es, eine grüne, moderne Industriepolitik zu betreiben, die auch die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie im Auge behalten muss. Der Ausstieg aus der Kohle und der Kernenergie ist abgemacht, aber wo kommt der Strom für die Grundlast her? Haben wir genug Backup-Kapazitäten, so die Fragestellung einer Talkrunde auf dem Kongress. Erdgas (gasförmig und flüssig) wird einen Übergang darstellen. Batteriekapazitäten können ergänzend in einigen Anwendungen als Energiespeicher dienen – mehr aber auch nicht. Deswegen wird Wasserstoff immer interessanter.

E.ON-Chef Johannes Teyssen brachte es auf den Punkt: Das EEG muss seiner Meinung nach ganz weg, und nicht nur – wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier anbietet – in kleinen Dosen. Für die Gegenfinanzierung schlug Teyssen CO2-Zertifikate vor. Hier werden Beträge von 150 bis 350 Euro pro Tonne genannt – das perfekte Regulativ. Insgesamt müsste der Preis für die Tonne CO2 erheblich höher liegen, da dann auch massiv in saubere Energie und Energieeffizienz investiert würde – im Interesse des Klimas. Fossile Energieträger müssten teurer und grüner Strom beziehungsweise Wasserstoff billiger werden, so eine Forderung. Weg mit vielen Formen der Bürokratie und Überregulierung, stattdessen massive Förderung von Innovationen. Veränderungen erfolgen eher auf der Basis von Begeisterung als von apokalyptischen Voraussagen und Ängsten (Friday4Future lässt grüßen). Grüne Energie sollte immer mehr dezentral zum Einsatz kommen, und zwar am besten gleich am Ort der Produktion.

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Autor:
Sven Jösting

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