Kommt das reine Wasserstoffgasnetz?

Die Energieversorgung stationärer Systeme erfolgt heute in der Regel über Erdgas. Seit geraumer Zeit wird aber über die Beimischung von Wasserstoff diskutiert und diese auch bereits ausprobiert. Seitens der Heizgerätehersteller gibt es ein Commitment, dass heute bis zu zehn Prozent Wasserstoff für deren Aggregate realisierbar seien. Die nächste Generation der Heizgeräte soll dann bis zu 30 Prozent vertragen. Später, so heißt es, sei auch eine Ertüchtigung für 100 Prozent möglich. Viessmann sagt, ab circa 2023/2024 sollen alle neuen Gasheizgeräte „H2-ready“ sein.

Timm Kehler, Vorstand Zukunft Erdgas, schlug Ende Januar 2020 während des parlamentarischen Abends des DVGW in Berlin vor, auf Überleitungs- und Verteilnetzebene lieber eine von vier parallel verlaufenden Gasleitungen zu 100 Prozent auf Wasserstoff umzustellen, als bei allen vier Wasserstoff bis zu 25 Prozent des Volumenanteils einzuspeisen. Er verwies dabei auf das H21-Projekt in Leeds, Großbritannien, wo eine 100-prozentige H2-Versorgung getestet werden soll. Thorsten Herdan, Abteilungsleiter II Energiepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, sagte dazu, das nicht mehr benötigte L-Gasnetz könne durchaus für Wasserstoff genutzt werden, aber solch eine Entscheidung werde der Staat nicht vorgeben. Dies müsse der Markt regeln.

Dr. Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung von Open Grid Europe GmbH, erklärte dazu, sein Unternehmen arbeite bereits an der Entwicklung von reinen H2-Inselnetzen. Dr. Volkmar Pflug von der Siemens AG ergänzte: „Gasturbinen sind nicht der begrenzende Faktor. Neue Turbinen können bis 20 Prozent im Gasnetz vertragen.“ Weiter kündigte er an, dass neue Anlagen bis 2030 auch für 100 Prozent ausgelegt sein sollen. „Sobald genügend Wasserstoff da ist, werden Turbinen 100-%-H2-ready sein“, so der Vizepräsident Energiewirtschaft – zudem seien alte Aggregate mit entsprechender Technik nachrüstbar.

H-Gas statt L-Gas

Im Westen der Bundesrepublik läuft seit 2015 eine Umstellung des dort bis dato verwendeten L-Gases auf H-Gas. L-Gas steht für low calorific gas und bezeichnet Erdgas mit niedrigerem Brennwert als das H-Gas (high calorific gas). Das weniger energiereiche L-Gas stammt überwiegend aus Quellen in Deutschland und Holland und wurde daher auch überwiegend in dortigen Regionen (z. B. Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie Bremen, aber auch in Sachsen-Anhalt) eingesetzt. Bis 2030 soll überall H-Gas aus Norwegen, Russland und Großbritannien mit höherem Methangehalt eingesetzt werden.

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