Tesla – ein echter Short-Squeeze

Tesla Roadster
Tesla Roadster, © Tesla

Schrieb ich noch in der letzten HZwei-Ausgabe, dass der Anstieg von circa 250 US-$ bis auf über 430 US-$ bereits einem Short-Squeeze entspricht, so musste ich eines Besseren belehrt werden, denn die Aktie zog zwischenzeitlich gar auf bis zu 1.000 US-$ (intraday) an, bevor es in den vergangenen Wochen wieder nach unten führte.

Cummins

Fundamentale Daten dazu konnte ich keine finden, die diese Höherbewertung bis auf 180 Mrd. US-$ auch nur annährend rechtfertigen. CEO Elon Musk kann sich indes freuen, da er einen seiner Milestones – eine Bewertung des Konzerns von über 100 Mrd. US-$ – damit erreicht hat und er wohl (?) eine Bonifikation allein hieraus von über 300 Mio. US-$ erhält.

Auf der anderen Seite haben sich diverse Hedgefonds gleichzeitig beziehungsweise zeitnah mit größeren Long-Positionen in Tesla (Quelle: Börsenfilings von jeweils über 100 Mio. US-$) engagiert. Ob dies alles eine Absprache war, also eine gemeinsame gezielte Aktion, kann vermutet, aber nicht bewiesen werden (ohne Obligo). Das Ziel lag aber wohl darin, die Shortseller unter Druck zu bringen, denn diese (über 22 % der Aktien waren leer verkauft worden) verlieren ja Geld, wenn die Aktie steigt. Aktuelle Notierungen von über 700 US-$ erscheinen mir indes immer noch sehr, sehr luftig.

Der bekannte und erfolgreiche Shortseller Mark Spiegel hält die Tesla-Aktie für einen großen Kursbluff. Er habe zwar oft falsch gelegen und hat mit Short-Positionen in Tesla viel Geld verloren, bleibt aber weiterhin short und erwartet erheblich niedrigere Notierungen. Seine Begründung liegt in den Verbindlichkeiten von Tesla, die inklusive Zulieferverträgen gut 30 Mrd. US-$ ausmachen sollen. Zudem mache es die stark wachsende Konkurrenz an Elektrofahrzeugen Tesla immer schwerer.

Hier verweise ich auf das Beispiel Norwegen, wo Tesla nun nicht mehr Top-Positionen in den Absatzzahlen für den Januar und Februar erreicht, sondern sich mit Model S, X und 3 auf den hinteren Plätzen ab Position 18 befindet. Morgan-Stanley-Analyst Jonas führt parallel dazu aus, dass General Motors mit einem Budget für die Elektromobilität in Höhe von über 20 Mrd. US-$ punktet und auch in Sachen Batterie Tesla nicht nur „auf den Fersen“ ist, was die Reichweite der Fahrzeuge angeht, sondern es sogar übertreffen werde (400 Meilen).

weiterlesen im HZwei April-Heft

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 19. März 2020

4 Gedanken zu “Tesla – ein echter Short-Squeeze

  1. Der Artikel beschreibt lediglich das Börsengeschehen und hat mit Tesla-Bashing nichts zu tun.
    Die gemeinsame (!) Konkurrenz sind doch in erster Linie die Benzin- und Diesel-Verbrenner.
    30.000 Autos (Mirai II) pro Jahr sind allerdings auch peanuts im Vergleich zu ca. 500.000 Tesla Model II in 2017-2019 (überwiegend 2019).

  2. Für Tesla-Bashing ist man sich hier regelmäßig nicht zu schade. Irgendwie verständlich, seit Elon Mausk die Brennstoffzelle zumindest für den mobilen Bereich als „dumme Zelle“ bezeichnet hat. Wobei es irgendwie keine realen Fakten gibt, die seiner Einschätzung widersprechen.
    Aber wenn Toyota die Produktion des neuen Mirai II jetzt bald verzehnfacht (!!!) auf eine Jahresproduktion von „bis zu“ 30.000Einheiten – dann wird die Technologie den Markt aufrollen …
    😉
    Ich finde es nur schade, dass die tatsächlich sinnvollen Anwendungen des Wasserstoffes eher hinten an stehen. Mit dem Auto ist halt mehr Aufmerksamkeit zu generieren – da fließen die größeren Subventionsbeträge …

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