Gute Aussichten für Brennstoffzellen trotz Olympiade-Verschiebung

Durch den Covid-19-Virus bedingt und den Börsencrash hat die Aktie von Ballard Power wieder einen sehr interessanten Einstiegspunkt erreicht, nachdem es von circa 14 bis auf 7 US-$ runter ging. Der gerade erhaltene Auftrag über 25 Module für Brennstoffzellenbusse von Solaris ist nur ein kleiner Anfang. Ballard beschafft sich zudem aber auch 75 Mio. US-$ neues Kapital via ATM-Programm. Dies bedeutet, dass man Step-by-step interessewahrend neue Aktien über die Börse ausgibt. Da fast 150 Mio. US-$ noch in der Kasse sind, muss diese Kapitalmaßnahme einen neuen Sinn ergeben. Plant Ballard Übernahmen oder Beteiligungen? Oder will man die Kapazitäten erhöhen? Auf jeden Fall – das ergab eine Anfrage bei Ballard – werde man diese Aktienplazierung sehr behutsam am Markt unterbringen, nur in sehr kleinen Tranchen, die die Aktienkursentwicklung nicht berühren.

Dass jetzt die Olympischen Spiele in Japan abgesagt und verschoben worden sind, ist sehr verständlich, wird aber der Präsentation des Landes als „Hydrogen Society“ keinen Abbruch tun. Ballard hätte da indirekt profitiert, da die Brennstoffzelle dort in diversen Anwendungen unter anderem in der Mobilität in den Fokus der Teilnehmer, Besucher, Gäste und Weltöffentlichkeit gebracht worden wären – nun halt ein Jahr später. Kurzum: Ballard ist bestens positioniert und das sollte sich auch im Aktienkurs im positiven Sinne ausdrücken.

Bei Bloom Energy ging es steil bergab. Kurse von unter 3 US-$ waren es im Tief, bis es nun zu einer Kurswende kam. Allein gestern von circa 4 US-$ bis auf 6 US-$ im Tagesverlauf – und mit hohem Volumen von 4 bis 9 Mio. Aktien. Decken die Shortseller ein? Sie hatten ja nicht ganz Unrecht, denn Bloom musste Serviceverträge neu bilanzieren, und das vierte Quartal 2019 war nicht den Erwartungen entsprechend. Das laufende erste Quartal wird da auch noch nicht der Bringer – 140 bis 160 Mio. Umsatz sollen es werden. Das zweite Quartal indes soll den Breakeven (Gewinnschwelle) bringen und das zweite Halbjahr dann den Durchbruch mit positivem Ergebnis.

Ein solides Gesamtjahr 2020 soll es werden, so der CEO in einer Telefonkonferenz. Immerhin: 43 Prozent mehr Aufträge im vierten Quartal 2019 und neue Energieserver mit über 50 Prozent mehr Leistung stehen vor der Markteinführung. Eine Rekapitalisierung der ausstehenden Wandelanleihe (circa 289 Mio. US-$) steht an und soll noch in diesem Halbjahr erfolgen. Hier überlegt das Unternehmen indes, eine Mischung aus neuer Wandelanleihe und Krediten zu wählen, da die Zinsen so günstig sind und damit eine Verwässerung (Neuausgabe von Aktien) nur dann Sinn macht, wenn der Aktienkurs auf einem interessanten (höher als jetzt) Niveau ist.

Ausblick: Mit den vorliegenden Prognosen des Unternehmens sollte sich der Aktienkurs von dem sehr tiefen Niveau wieder nach oben bewegen. JP Morgen und Morgan Stanley empfehlen die Aktien mit „overweight“ und Kurszielen von 14 US-$. Es gibt allerdings unbestätigte Gerüchte, dass die amerikanische Notenbank FED das Shortselling (Leerverkäufe) einschränken könnte – in case – ohne Obligo – könnten die Shortseller bei Bloom genötigt sein, ihre Position zu überdenken sprich einzudecken, wenn sie dies nicht schon bei den niedrigen Kursen tun und aus einem Buchgewinn einen richtigen machen.

FuelCell Energy ist auf dem richtigen Wege, wenn man die gerade erschienene Unternehmenspräsentation liest. Neuaufträge von immerhin über 130 Mio. US-$ flossen in die Bilanz; über 1,3 Mrd. US-$ sind es nun. „On track“ würde ich sagen. Hochspannend, da die Carbon-Capture-Technologie von FuelCell Energy eine Schlüsseltechnologie sei, die nur das Unternehmen besitzen würde. Sollte der 60 Mio. US-$-Auftrag von ExxonMobil hier nun einen Anfang darstellen? Kann FuelCell diese Technologie via Lizenzvergabe zu einer perfekten neuen Einnahmequelle machen?

CO2-Capture-Technologien wie CCS, also das Verpressen von CO2 in Kohlestollen unter der Erde, erscheint mir allerdings als der völlig falsche Weg und gar unsinnig. FuelCell hat da den weitaus besseren Weg beziehungsweise die sinnvollere und bessere Technologie, so mein Bauchgefühl. Hat die Börse dieses Potential überhaupt schon erkannt? E.ON Energy Solutions müsste da als Partner nun viele Projekte in Europa in Aufträge für FuelCell Energy umwandeln.

Fazit: Wir sollten bald wieder Kurse von über 2 US-$ sehen, aktuell ja um 1,40 US-$. Und bei gutem Auftragseingang dann auch 3 US-$ +.

Bei Plug Power hat es sich ausgezahlt, bei über 5 US-$ raus zu gehen. Im Crash ging es ja auf unter 3 US-$. Hier würde ich ab 5 US-$ wieder raus gehen – das Investment mehr als Trading denn als Langfristanlage sehen. Mein Grund: Plug hat Finanzierungsformen (Vendor Financing) die mir so nicht schlüssig erklärt werden konnten. Das Unternehmen muss über 200 Mio. US-$ als restricted Cash (Sicherheitsleistung?) hinterlegen und bei Kunden wie Walmart und Amazon wohl in vielerlei Hinsicht in Vorleistung treten.

Plug wird für mich dann interessant, wenn sie Wege findet, Wasserstoff (flüssigen) mit hohen Gewinnmargen zu verkaufen beziehungsweise eventuell diesen sogar selbst zu produzieren. Bislang wurden mir zu viele neue Aktien ausgegeben und die über 100 Millionen Warrants (Optionsscheine), die Amazon und Walmart gehören, müssen auch bewertet werden. Die Ausübungskurse sollen bei circa 1 US-$ pro Aktie (ohne Obligo) liegen. Hier kann es auch zu bilanztechnischen Bewertungen – quartalsmässige Erfassung – kommen, die starken Schwankungen unterworfen sind. Plug sollte dieses Kapitel eventuell beenden und die beiden oben genannten Konzerne bitten/überzeugen, diese Warrants zu tauschen/einzulösen. Dann hat Plug über 100 Mio. US-$ mehr auf dem Konto, aber es gibt dann natürlich auch 100 Mio. neue Aktien (Verwässung des Altbestandes). Eine Idee.

Bei Tesla kam es zu dem von mir erwarteten Kursrückgang nach der Kursexplosion (Short Squeeze?) auf 1.000 US-$ (intraday) auf unter 350 US-$, bis es nun zu einer Gegenbewegung auf über 500 US-$ kam. Letzteres ist weniger fundamental verbesserten Daten aus dem Unternehmen zu verdanken, sondern der Kommunikationsprofessionalität von CEO Elon Musk: Man plant, Beatmungsgeräte zu bauen.

Auf der anderen Seite: Panasonic hat 3.500 Arbeiter in der Gigafactory in Nevada für zwei Wochen nach Hause geschickt, um diese vor Krankheit zu schützen. Bei voller Bezahlung! Tesla macht das anders: Musk weigerte sich gar, die Fabrik wie auch Fremont zu schließen, da er das Unternehmen als „systemrelevant“ einstuft. Kalifornien sieht dies anders. Was macht Tesla nun, wenn keine Batteriezellen produziert werden? Zudem stieg Panasonic aus der Solarzellenproduktion in Buffalo, NY, aus.

Der Rechtstreit (Class-Action = Sammelklagen) in der Sache SolarCity (Übernahme für circa 5,4 Mrd. US-$ im Aktientausch und Schuldenübernahme) wurde verschoben, bis die Viruskrise vorbei ist. Eigentlich sollte es in dieser Woche vor Gericht los gehen – mit über 100 Zeugen. Das kann indes noch teuer werden – für Elon Musk persönlich wie auch für Tesla – ohne Obligo. Aber klar ist: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Nun warte ich auf die Zahlen für das erste Quartal (kommen in der letzten Woche im April) und diese können/werden nicht gut sein, wenn man zum Beispiel die einbrechenden Absatzzahlen in Norwegen sieht. Hier sind die Tesla-Modelle im Januar und Februar von früheren Top-Positionen auf letztere Positionen ab Nr. 18 gefallen. Es zeigt sich damit eindrücklich, dass die Konkurrenz massiv zunimmt und auch die Brennstoffzellen in wenigen Jahren eine neue Sicht auf Tesla und deren Börsenbewertung auslösen werden.

Noch hat Tesla genug Liquidität, nachdem man kürzlich – im Vorübergehen – 2,3 Mrd. US-$ durch die Ausgabe von Aktien zu 767 US-$/Stück einnahm und diesen den circa 5,6 Mrd. hinzu zu rechnen sind. Diese Summe klingt viel, ist es aber nicht, wenn unter anderem Brandenburg bezahlt sein will – man spricht ja von über 4 Mrd. US-$ (oder Euro?). Auf jeden Fall ist Elon Musk in guter Gesellschaft mit VW-Chef Diess, der ja auch nichts von der Brennstoffzelle hält und nur der Batterie den Vorzug gibt. Ein großer Fehler, wie ich meine. Die Zukunft liefert die Antwort.

Fazit: Habe durch Verkaufsoptionsscheine sehr gut verdient – bitte bei Wikifolio das Musterdepot BZVision ansehen. Nach Realisierung werde ich da aber wieder rein gehen, wenn die Aktie von Tesla auf 550/600 ansteigt. Denn die Zahlen für 1/2020 können – wenn sie so eintreten, wie ich erwarte, den Kurs nicht da lassen, sondern die nächste Abwärtsbewegung einleiten. Da gibt es Analysten, die gar 7.000 US-$ in der Aktie sehen. Ich erwarte eher Kurse von unter 300 US-$ und gar in Richtung 200 US-$. 30 bis 40 Mrd. US-$ Wert des Unternehmens sind ausreichend, 170 Mrd. waren „schräg“. The future will tell …

Autor: Sven Jösting, 25.03.2020

Sven Jösting berichtet hier im HZwei-Blog ab sofort monatlich über den aktuellen Stand an den Börsen.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

2 Gedanken zu “Gute Aussichten für Brennstoffzellen trotz Olympiade-Verschiebung

  1. Alles bestens.
    Die H2-Aktienwerte sind nur in den Keller gerauscht, um sich bald ganz toll zu erholen während bei Tesla natürlich der deutliche Kursrückgang auf die fehlende Substanz zurückzuführen ist.
    Ballard ist immer eine Empfehlung wert und jetzt haben sie ja noch ein Jahr Zeit um H2-Mobilität in Stückzahlen in den Markt zu bringen.
    Ich freue mich schon auf die nächsten Monate und Jahre, wenn H2 im Mobilitätssektor den Markt aufrollt. Die neuen FCEV-Modelle werden sicher bald vorgestellt und die Produktionskapazitäten systematisch erhöht um die zu erwartende Nachfrage auch bedienen zu können.
    PS:
    Wer Ironie und Sarkasmus findet, darf beide behalten.
    Aber wenn Wasserstoff selbst im stationären Bereich nicht wirklich einen Fuß in die Tür des Marktes bekommt („Viessmann schließt Hexis“) und nur die Rufe nach Subventionen immer wieder neu erschallen – dann mache ich mir so meine eigenen Gedanken zur vorliegenden Markteinschätzung eines Sven Jösting.

  2. Es hat mir einen Schock versetzt. Olympiade um ein Jahr verschoben. Gerade jetzt, im wichtigsten Augenblick der Weltöffendlichkeit das Potention der H2-Busse vorzuführen ist nun dahin. Zudem die Verschiebung der Hannovermesse auf den Sommer. Die Frage ob und wieviele Besucher kommen werden. Denn es ist ja allles , aber auch komplet alles durcheinandergewirbelt. Die Strukturen wieder zu ordnen und wieder in den Gleichklang zu bringen wird extrem lange dauern. Ich habe meine Befürchtung, das der H2-Antrieb erst einmal verlieren wird da die Unternehmen andere Sorgen haben als sich damit zu beschäftigen. VW steht in den Startlöchern und braucht nur noch den Stecker einstecken und alles geht los. H2 benötigt einen enormen Restart um wieder Gesprächsstoff zu werden. Wo ich eine Chance sehe ist die Tatsache, dass der CO2 Austoß gewaltig zurückgegangen ist. Man sieht derzeitig keine Kondenzstreifen am kristallblauem Himmel mehr, wo sonst mindesten 15 zu sehen waren. Da ich das Glück habe hier direckt an der Hannover-Messe zu wohnen und auch schon im Besitz einer Dauerkarte bin, bin ich gespannt wie die Messe besucht sein wird und speziell die Halle 27 die einzig und allein dem H2 vorbehalten ist. Drücken wir dem Neuanfang die Daumen. Hoffentlich haben alle davon gelernt und machen sich dem alten Spruch zu eigen:
    Spare in der Zeit, dann hast du’s in der Not. War schon immer eine alte Tugend deren nichtbeachtung jetzt vielen auf die Füsse fällt.

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