Viessmann schließt Hexis

Nerlich
Vertriebs-Chef Volker Nerlich (r.) verließ Hexis im Sommer 2019

Der Heizgerätehersteller Viessmann hat am 19. März 2020 bekanntgegeben, dass die Unternehmenstochter Hexis, die bislang für den Bau der SOFC-Aggregate zuständig war, geschlossen wird. Die Überschrift der entsprechenden Pressemeldung klang zwar harmlos: „Viessmann schlägt neuen Weg bei Zukunftstechnologie ein“. Der maßgebliche Teil stand jedoch im dritten Absatz: „Die Aktivitäten der Hexis AG werden eingestellt.“

Viessmann sieht sehr wohl, dass „bei der künftigen Energieversorgung von Wohnungen und Häusern das Thema Wasserstoff und die Brennstoffzellentechnologie auf deutscher, aber auch auf europäischer Ebene immer mehr Relevanz bekommt“. Das Allendorfer Unternehmen, das seit 2014 mit eigenen Geräten auf dem europäischen Markt ist, will auch weiter an dieser Technologie festhalten. Allerdings wolle man sich zukünftig auf das PEM-System von Panasonic, das mit relativ niedrigen Temperaturen insbesondere für den Neubau sowie sanierte Bestandsgebäude geeignet ist und von dem bereits mehr als 290.000 Exemplare in Japan installiert wurden, konzentrieren.

Demgegenüber hatte das Hochtemperaturmodul (SOFC) von Hexis, das wegen der höheren Temperaturen eher für Bestandsgebäude sowie für höhere Leistungen konzipiert war, stets schlechtere Karten. Die Technik in dem Galileo-Modul funktioniert zwar, ist aber teurer und noch nicht so erprobt. Nach eigener Aussage waren davon bislang mehrere Hundert Geräte in verschiedenen Pilotprojekten eingesetzt worden.

Der Viessmann-Verwaltungsrat beschloss daher, zwar weiterhin beide Technologien (PEM und SOFC) zu verfolgen, sich zukünftig aber auf die Rolle des Systemintegrators zu beschränken. Deswegen suche man nun Industriepartner, von denen die Brennstoffzellentechnik dann eingekauft werden kann. Ziel sei, in deutlich kürzerer Zeit die notwendigen Skaleneffekte zu erreichen.

Für die 40 Hexis-Mitarbeiter (34 in Winterthur, 6 in Konstanz) geht damit eine Ära zu Ende. 1998 gegründet unter Sulzer war das Schweizer Unternehmen 2006 beinah pleite, wurde aber gerettet und in zwei Etappen 2012 (zunächst 50 % der Anteile) beziehungsweise 2015 von Viessmann übernommen. Zuletzt hieß es noch: „Für das Jahr 2019 entwickelt Hexis die nächste Generation des Brennstoffzellensystems, dem Nachfolger von Galileo 1000 N.“ Volker Nerlich, der langjährige Vertriebs-Chef, verließ Hexis bereits im Sommer 2019. Was aus seinen Kollegen wird, ist aktuell offen. Wie ein Viessmann-Sprecher mitteilte, werden sehr intensive Gespräche mit den Mitarbeitern geführt, um individuelle Lösungen zu finden.

Dr. Alexander Schuler, Geschäftsführer der Hexis AG, erklärte gegenüber HZwei: „Wir sind alle sehr traurig, haben als Team aber noch nicht aufgegeben. Die Veröffentlichung kann auch ein Schritt sein, der uns bei der Suche nach neuen Investoren / Industrialisierungspartnern hilft. Wir haben zugesichert bekommen, dass die Infrastruktur sowohl in Winterthur als auch in Konstanz uns noch zwei Monate erhalten bleibt, um die Suche zu ermöglichen. Auch würde Viessmann als erster Kunde / Abnehmer für die Brennstoffzellenmodule bereitstehen. Das Hexis-Team sucht deshalb weiter mit voller Kraft nach möglichen Lösungen.“ (letzter Absatz ergänzt und vorletzter erweitert am 23.03.2020)

7 Gedanken zu “Viessmann schließt Hexis

  1. Seit dem 11. November 2002 sind Hexis-Anlagen bei uns in Betrieb, übrigens damals die erste in einem Privathaus in Baden-Württemberg. Über diesen langen Zeitraum sind wir mit der Technik, wie auch mit der Betreuung durch die Hexis-Mitarbeiter sehr zufrieden. Regelrecht stolz bin ich darauf, neben der wohligen Wärme mit der Anlage Jahr für Jahr Strom erzeugt zu haben – seit 2016 jeweils über 6.000 kWh. Ich hoffe sehr, dass Hexis-Anlagen weiterhin gebaut und angeboten werden. Und dass die Pandemie – mit Blick auf die Menschen, wie auch unsere Wirtschaft – nicht allzu tiefe Spuren hinterläßt.

  2. So wird das nichts mit der Energiewende:
    Die einen steigen mal eben aus der Zukunftstechnologie Brennstoffzelle aus, die bei mir und vielen anderen bestens funktioniert, die anderen definieren Windanlagenabstände, sodass die Technologie zum erliegen kommt, deutsche Solartechnologie wird durch unüberlegte Subventionspolitik gekillt, wieder andere werfen die Kernenergie über Bord, obwohl sie fast CO2-neutral ist, moderne und effiziente fossile Grosskraftwerke sollen nicht ans Netz gehen, weil sie CO2 erzeugen (huch?), gegen jede mögliche Innovation gibt es Bürgerinitiativen, unsere Autoindustrie ist zwar der größte Wohlstandsfaktor in unserem Land, aber am meisten verteufelt, und noch so vieles andere…
    An jedem Ast, der unsere Gesellschaft vor dem Absturz sichern könnte, sägt jemand.
    Schön, dass wir den Weg zurück in die Steinzeit gemeinsam gehen. denn wir können uns die Erfahrungen zurufen, wie man effektiver sägen könnte. Uns geht’s einfach zu gut.
    (off topic: Um unsere Freiheit, Demokratie und unsere sonstigen Werte steht es auch nicht zum Besten, hier gilt etwa das gleiche!)

    • Hallo, Herr Dr. Artur Braun, danke für Ihren Beitrag hier.
      Ihre webpage hat mir besonders gefallen:
      Zitat:
      „…Artur Braun is not supporting any mainstream social media.
      No Twitter. No Facebook. No Google. No YouTube…“
      Ende des Zitats.
      Ich gehe mal davon aus, das es, nach Beendigung des Corona-Spuks,
      auch anderen so gehen wird. Hoffen wir`s mal.
      Zum Ende von Hexis sage ich jetzt nichts, ohne meine Anwalt 😉

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