Stralsund hat H2-Geschichte geschrieben

Prof. Jochen Lehmann mit seinem ersten BZ-System von Warsitz, Sunnyvale, von 1994
Prof. Jochen Lehmann mit seinem ersten BZ-System

Angefangen hat alles vor fast vierzig Jahren. Damals brachte ihn sein Interesse an Energie zum Wasserstoff. Seitdem hat Prof. Jochen Lehmann, ein Urgestein der deutschen H2-Branche, viel bewirkt: Er initiierte die Installation des Komplexlabors Alternative Energie an der Fachhochschule Stralsund mit dem weltweit ersten Wasserstoffspeicherkraftwerk, er ist seit fast zwanzig Jahren im Vorstand des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands e. V.* …

… und er brachte mit der ihm eigenen Neugier und Begeisterung Hunderten von Studierenden die Faszination von Wasserstoff nahe.

Rückblickend stellt er schmunzelnd fest: „Ich bin in meiner Entwicklung zur Energie getrieben worden.“ Mit sechs Jahren habe ihm seine Mutter erklärt, welch ungeheure Energiemenge in einer Atombombe steckt. Dies habe ihn nachhaltig beeindruckt, so dass er später zum Physikstudium nach Leipzig ging. Dort habe er persönlich Werner Heisenberg, Gustav Hertz & Co. als Professoren erlebt, wie er es leicht belustigt, aber auch sehr respektvoll schildert. Heisenberg war 1927 als 25-Jähriger von Kopenhagen kommend auf den Lehrstuhl für theoretische Physik an die dortige Universität berufen worden.

Dort erlebte Lehmann auch Linus Pauling, den US-amerikanischen Chemiker und zweifachen Nobelpreisträger (Chemie und Frieden) in einem Vortrag. Der größte verfügbare Hörsaal wäre „knackevoll“ gewesen, erinnert er sich.

Nach der Ausbildung ging er in die Industrie, allerdings war dies „nicht so spannend für mich“, berichtet er weiter. Deswegen ging er an die damalige Hochschule für Seeschifffahrt Warnemünde/Wustrow und stieg 1981 in den Wasserstoffsektor ein. Sein Thema war: „Wasserstoff als Auslöser von Korrosion von höherfestem Stahl“ – also H2-Versprödung. „Da habe ich gelernt, dass Wasserstoff gut in Metallen zu speichern ist.“

Als am 10. Oktober 1989 in Wustrow auf Fischland die für Ostdeutschland erste industriell gefertigte Windkraftanlage (220 kW) errichtet wurde, sagte ein Kumpel: „Jetzt hben wir auf unserem Fischland den eignen Strom, brauchen also nur noch eine Brauerei, könnten einen Durchstich öffnen und das Fischland wieder zur Insel machen.“ Auf Lehmanns Frage: „Und bei Flaute?“ Dafür hätte der Kumpel freilich immer zwei Kästen Bier im Keller. Das war die Idee: Speicherung! „Volatile Elektrizität ohne Speicherung geht nicht, aber mit Wasserstoff“, so Lehmann. So war die Idee eines Wind-Wasserstoff-Systems geboren – also vor ziemlich genau 30 Jahren.

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*: er war nicht Mitbegründer des DWV, wie fälschlicherweise anfangs berichtet – 9.3.2020

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