Grüne Wasserstoffwirtschaft bis 2035

Günther (l.) und Westhagemann während des H2-Symposiums in Hamburg.
Günther (l.) und Westhagemann

Im vergangenen Jahr hat auf politischer Ebene ein Umdenkprozess stattgefunden. Auch wenn die Energiewende immer noch nicht merklich weiter vorangekommen ist, gibt es inzwischen zumindest eine Vision davon, wie eine zukünftige Energieversorgung aussehen könnte. Immer deutlicher wird dabei, dass Wasserstoff darin eine wichtige Rolle spielen wird.

Nachdem es allerdings jahrelang überhaupt kein Konzept zur Einführung der H2-Technologie gab, kündigten 2019 gleich mehrere Bundesländer und Regionen eigene Wasserstoffstrategien an. Thorsten Herbert von der NOW sah sich daher während der f-cell im September 2019 genötigt zu betonen, dass man „bis Ende des Jahres eine Strategie“ haben werde, die die regionalen Aktivitäten bündele und in deren Konzeptionierung die NOW mit involviert sei.

Die meiste Vorarbeit bei der Konzeptionierung dürften bislang die fünf Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein geleistet haben. Seit November 2018 arbeiteten sie im Auftrag der jeweiligen Wirtschafts- und Verkehrsminister beziehungsweise -senatoren an der Norddeutschen Wasserstoffstrategie, die mittlerweile bei der Konferenz der Küsten-, Wirtschafts- und Verkehrsminister in Lübeck am 7. November 2019 vorgelegt wurde.

Diese basiert auf einem Eckpunktepapier, an dessen Erarbeitung sich länderübergreifend mehrere Arbeitsgruppen mit mehr als 200 Institutionen per Fragebogen sowie in Workshops beteiligt hatten. Die Strategie sieht vor, in Norddeutschland bis zum Jahr 2025 mindestens 500 Megawatt und bis 2030 mindestens fünf Gigawatt Elektrolyseleistung aufzubauen. Um dieses Ziel erreichen zu können, sind konkrete Maßnahmen geplant, so wie beispielsweise eine gemeinsam in ganz Norddeutschland veranstaltete „Woche des Wasserstoffs“ im Sommer 2020. Außerdem sollen H2-Hubs initiiert werden, die schrittweise zunächst eine regionale und später auch eine überregionale Grundversorgung mit grünem Wasserstoff ermöglichen sollen.

„In Norddeutschland wird bis zum Jahr 2035 eine grüne Wasserstoffwirtschaft aufgebaut, um eine na-hezu vollständige Versorgung aller an grünem Wasserstoff interessierten Abnehmer zu ermöglichen.“
Norddeutsche Wasserstoffstrategie

„Mit Wasserstoff können wir sehr viel mehr Wertschöpfung in den Norden bekommen.“
Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holstein

„Gemeinsam wollen wir nun den Prozess des Aufbaus einer Wasserstoffwirtschaft starten. Den notwendigen Rückenwind dazu muss der Bund beisteuern. Deshalb werden wir mit diesem Strategiepapier zeitnah auf die Bundesregierung zugehen, unsere Entschlossenheit hier in Norddeutschland verdeutlichen und den Bund auffordern, zügig die Weichen in Richtung Zukunft – in Richtung Wasserstoff zu stellen.“
Michael Westhagemann, Wirtschafts- und Verkehrssenator Hamburg

„Unser Ziel der vollständigen Versorgung aller interessierten Abnehmer mit ausreichend grünem Wasserstoff bis 2035 ist anspruchsvoll. Wichtig ist, dass der Bund jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schafft.“
Dr. Bernd Althusmann, Wirtschafts- und Verkehrsminister Niedersachsen

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2 Gedanken zu “Grüne Wasserstoffwirtschaft bis 2035

  1. Ja ja – „Cheflobbyist“ Westhagemann stimmt schon einmal darauf ein, dass Wasserstoff nur durch massive Subventionierung mit Steuergeld wirtschaftlich genutzt werden kann.
    Nur wo die „Grüne Energie“ für den „grünen Wasserstoff“ kommen soll – das hat bisher noch niemand nachvollziehbar erklärt.
    Nach dem Abschalten einiger konventioneller KWs wird auch die Netzbelastung sinken, was einen Transport von EE-Strom von Nord nach Süd erleichtert – unabhängig davon, dass man auch bestehende Netzengpässe nach und nach beseitigt.
    Das Märchen vom „grünen Überschussstrom“ zur Wasserstofferzeugung ist bei <60% EE-Stromanteil eine durchsichtige Geschichte – auch weil keine Anlage sich von ein paar Stunden Betriebsdauer während "Stromüberschuss" amortisieren kann.
    Ich bin gespannt, wann man die Katze aus dem Sack lässt.
    Bisher geht es bei Wasserstoff vor allem darum, dass die Allgemeinheit die Profite einiger weniger Nutznießer bezahlt: Gewinne privatisieren – Kosten verallgemeinern …

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