Akkus für Pkw – Brennstoffzellen für Lkw

Inspiriert wurden die Designer des HDC-6-NEPTUNE-Concepts von der Streamliner-Eisenbahn (1936 bis 1959)
© Hyundai Motor

Vor zwei Jahren war das Interesse deutscher Lkw-Hersteller und Spediteure an Brennstoffzellen noch äußerst gering. Das ist heute anders. Fast alle Logistikunternehmen beschäftigen sich mittlerweile in irgendeiner Form mit der Frage, mit welchem Kraftstoff ihre Fahrzeuge in Zukunft angetrieben werden sollen.

Dass im Rahmen dieser Überlegungen auch über Wasserstoff nachgedacht wird, ist fast unausweichlich. Bemerkenswert ist dabei, dass es hierbei meist nicht nur bei ein paar Gedankenspielen bleibt, sondern dass inzwischen zahlreiche ernsthafte Szenarien entworfen und konkrete Vorhaben in die Wege geleitet werden.

Besonders gut zu beobachten ist der Werdegang der BZ-Technologie im Nutzfahrzeugsektor am Beispiel der US-amerikanischen Nikola Motors Company. Das Start-up, das neben Brennstoffzellenlastwagen auch die passende Infrastruktur aufbauen will, ist gerade dabei, eine ähnliche Story im Lkw-Bereich wie Tesla im Pkw-Bereich abzuliefern. Seit Monaten sorgt der Nikola-Geschäftsführer Trevor Milton für Gesprächsstoff. So verwunderte es nicht, als Anfang September 2019 der Lkw-Hersteller Iveco meldete, dass sich sein US-amerikanischer Mutterkonzern CNH Industrial bei Nikola im Rahmen der vierten Finanzierungsrunde mit 250 Mio. US-$ eingekauft hat. Kurze Zeit später folgten Bosch und der südkoreanische Konzern Hanwha, die beide jeweils mehr als 100 Mio. Dollar investierten.

Aus dem Hause CNH hieß es, die Brennstoffzellentechnik sei der „logische nächsten Schritt nach LNG-Motoren (Liquefied Natural Gas = Flüssigerdgas)“. Gerrit Marx, Präsident für Nutz- und Spezialfahrzeuge bei CNH Industrial, erklärte: „Während heutzutage LNG deutlich niedrigere Well-to-Wheel-Emissionen liefert, die bei Verwendung von Biogas praktisch auf null reduziert werden können, werden Brennstoffzellen- und BEV-Technologien [Battery Electric Vehicle] mittel- bis langfristig das ultimative Ziel eines emissionsfreien Lkw liefern.“

Neben Geld wird das CNH-Tochterunternehmen Iveco ebenso wie das Schwesterunternehmen FPT Industrial auch Unterstützungsarbeit bei den Entwicklungs- und Produktionsaktivitäten sowohl der Batterie- als auch der Brennstoffzellen-Trucks beisteuern. Der Motorenspezialist FPT hatte im November 2018 selbst ebenfalls ein Antriebskonzept basierend auf Wasserstoff präsentiert (400 kW, 800 km; s. HZwei-Heft 2018). Dieses Know-how wird jetzt auch in die für den US-amerikanischen Markt konzipierten Modelle One und Two, wie auch in das für Europa gedachte Modell Tre (erwartet Ende 2022), für das Nikola und CNH Industrial ein Start-up zu gründen beabsichtigen, einfließen.

weiterlesen im HZwei Januar-Heft

2 Gedanken zu “Akkus für Pkw – Brennstoffzellen für Lkw

  1. So so, die Firma Nikola Motors Company ist also dabei:
    „… eine ähnliche Story im Lkw-Bereich wie Tesla im Pkw-Bereich abzuliefern.“
    Was liefert denn die Firma bisher, was eine solche Behauptung rechtfertigt?!?
    Bevor der Tesla Roadster 2008 tatsächlich auf den Markt kam, hat man in Deutschland kaum etwas von der Firma „Tesla“ gehört.
    Von der Nikola Motors Company hört man dagegen seit Jahren sehr viele Ankündigungen – ohne dass es bisher eine greifbare Umsetzung gäbe.
    Insofern halte ich den Vergleich mit Tesla für unzutreffend.
    Aber es wird interessant werden, wenn die Firma endlich Produkte auf den Markt bringt. Ende 2016 wurde der Nicola One mit schier unglaublichen Eckdaten und Ausstattungen angekündigt – kaufen kann man ihn bis heute nicht. Auch die ursprüngliche Erdgasvariante nicht.
    https://www.hzwei.info/blog/2020/03/02/akkus-fuer-pkw-brennstoffzellen-fuer-lkw/
    Auch 364 H2-Tankstellen für seine H2-LKW wollte die Nikola Motors Company bis Ende 2019 (!) in den USA und Kanada errichten … (Das „SuperCharger“-Netzwerk in den USA und Europa wurde tatsächlich realisiert – von Tesla)
    Ich meine, eine gewisse Skepsis statt Lobhudelei ist in diesem Fall angebracht. Sonst könnte man auch behaupten, die Firma Sono Motors aus München stehe kurz davor, den PKW-Markt mit seinem „Solar-Elektromobil“ umzuwälzen …

    • Sie tun ja geradezu so, als sei Nikola irgendein dubioses Startup. Das ist nicht der Fall. Sonst würd die Firma kaum mit so namhaften Playern wie dem größten Autozulieferer der Welt Bosch, dem CNH-Konzern (Iveco) und der norwegischen NEL Asa zusammenarbeiten können. Die LKWs und die Infrastruktur werden kommen, daran besteht kein Zweifel. Neuerung brauchen eben ihre Zeit.

      Die Annahme in der Titelzeile „Akkus für Pkw – Brennstoffzellen für Lkw“ hingegen würde ich hinterfragen, natürlich kommt die Brennstoffzelle auch im Pkw, für lange Strecken ist sie zwingend notwendig.

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