Der Corona-Virus drückt auf die Brennstoffzellenaktien

Bloom-Boxes

Ein größerer Kursrückgang war lange erwartet worden. Nun hat der Corona-Virus die Initialzündung für Korrektur der teils hohen Aktienkurse von Brennstoffzellenunternehmen gegeben. Auch im weiteren Verlauf dürfte der Handel mit Wasserstoff und Brennstoffzellen weiterhin sehr volatil bleiben. Was ist zu tun?

Cummins

Ballard Power (BLDP, US $ 9,25) bzw. deren Aktie kam nach einem zwischenzeitlich starken Kursanstieg bis auf 14 US-$ jüngst unter Druck. Zu stark ist die Verbindung zu China, da ja dort die BZ-Stacks für Busse uns Lkw gefertigt werden. Indes ist der aktuelle Kursrückgang mitnichten ein Grund, sich von diesem BZ-Leader zu verabschieden. Ich tendiere zum Gegenteil: buy on bad news oder wie es Altmeister Kostolany sinngemäß formulierte: kaufen, wenn die Kanonen donnern.

Die Brennstoffzelle verliert aufgrund einen Viruses ja nicht gleich seine Bedeutung für die Zukunft an der Börse. Ballard hat viele Schlüsselmärkte perfekt besetzt. Ich kann mir auch – und da wiederhole ich mich – vorstellen, dass Weishai und Broad Ocean nicht die einzigen Großaktionäre bleiben müssen – neben den kleineren wie Ninshinbo und Anglo American. Die Olympiade in Japan (27. Juli 2020) könnte zwar bedingt durch den Virus abgesagt werden – vielleicht aber auch nicht. Und hier plant Japan ja, die Brennstoffzelle auf dem Weg zur „Hydrogen Society“ massiv in die Öffentlichkeit zu bringen. Ballard kommt nächste Woche mit Zahlen – aber noch viel wichtiger: Ballard kommt dann auch mit dem Ausblick auf dieses Jahr. 9 US-$ sind für mich wieder ein Kauf.

Bei Bloom Energy (BE, 9,85 US-$) hat sich die Short-Position wieder auf über 18 Mio. Aktien erhöht, dies heißt, dass man auf fallende Kurse spekuliert (circa 70 Mio. frei handelbar = free float). Auf der anderen Seite ist der Auftragszuwachs um über 40 Prozent eine gute Grundlage für freundliche Kurse. Um den 15. März herum kommen die Zahlen für 2019 und die berichtigten Werte (Neubilanzierung von Serviceverträgen). Mit insgesamt über 4 Mrd. an Auftragsbestand (Hardware + Serviceverträge) steht das Unternehmen gut da. Die Refinanzierung der Schulden sollte auch kein Thema sein – man hat noch über 377 Mio. US-$ in der Kasse bzw. auf der Bank. Nach Kursen von über 14 US-$ und heutigen unter 10 US-$ wieder ein Kauf. Investmentbanken wie Morgan Stanley sehen die Aktie bei 22 bis 25 US-$.

Bei Tesla (TSLA, US-$ 690) kommt es nun zu der Bereinigung des vorherigen scharfen Anstieges von circa 350 US-$ bis auf 1.000 US-$ (intraday). Es haben sich wohl eine Reihe von Hedge-Fonds (ohne Obligo) zusammengetan, um via Käufen einen Squeeze auszulösen, also Shortseller unter Druck zu bringen. Parallel hat Tesla mal eben 2,3 Mrd. US-$ via Kapitalerhöhung zu 767 US-$ pro Aktie erlöst, auch wenn man – so CEO Elon Musk – ja eigentlich kein Kapital braucht. Ich denke, dass es eher schwieriger für Tesla wird, via Kapitalerhöhung (secondary) neues Kapital aufzunehmen, wenn die Zahlen für das erste Quartal enttäuschen. Klar ist auch, dass eventuell Wandelanleihen via Umwandlung aus Fremd- dann Eigenkapital machen, was bedeutet, dass es dann wieder einige Millionen neuer Aktien geben wird (Verwässerung).

China macht Tesla nun sicherlich auch große Sorge, da die Bänder stillstehen bzw. stillstanden und der Kfz-Absatz dramatisch eingebrochen ist. Das laufende erste Quartal dürfte deshalb nicht besonders gut ausfallen. Parallel hat Panasonic die Partnerschaft für Solarpanels in Buffalo (NY) gekündigt und steigt aus. Kein gutes Zeichen. Tesla musste da Personal einstellen, um Strafgebühren von über 40 Mio. US-$ zu entkommen. Die Verkaufsoptionsscheine – siehe Wikifolio BZVision – haben kräftig zugelegt.

Bei Plug Power (4,80 US-$) war das Ziel von über 5 US-$ erreicht. Es wurden sogar Kurse von über 6 US-$ gehandelt. Ich bin hier erst mal raus und würde in Ballard wie auch Bloom reinvestieren.

Autor: Sven Jösting, 27. Februar 2020

Sven Jösting berichtet hier im HZwei-Blog ab sofort monatlich über den aktuellen Stand an den Börsen.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein. Alle Angaben ohne Obligo. Jeder Anleger muss seine eigene Risikotoleranz kennen.

1 Gedanke zu “Der Corona-Virus drückt auf die Brennstoffzellenaktien

  1. Vielen Dank für diesen Kommentar, Sven Jösting.
    Nur zur Info:
    Die Brennstoffzellen-Firmen auf der Welt sind heute,
    in 2020, genau da, wo die Gebrüder
    Wilbur (1867-1912) and Orville (1871-1948) Wright
    für die Luftfahrt im Jahr 1903 waren:
    GANZ am Anfang.
    Mehr dazu auch gerne hier:
    http://www.hydrogenambassadors.com/background/35-locomotives-could-not-fly-or-evolution-in-the-aircraft-industry-1903-2007.php
    Und hier:
    http://www.hydrogenambassadors.com/meet-aae/wright-brothers/index.php

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