Die Imageprobleme von PtX

PtH-Anlage, © Fotolia, malp

Trotz der aktuellen Welle der Begeisterung über die Potentiale von Wasserstoff gibt es viele Diskussionen und auch viel Unklarheit, was die Rolle von synthetischen Kraftstoffen betrifft. Verfolgt man die aktuelle Debatte, bekommt man mitunter den Eindruck, E-Fuels seien entweder ein weiterer Heilsbringer oder aber eine Ausgeburt des Bösen.

Kurz gesagt geht es darum, dass mithilfe von Ökostrom und Wasser per Elektrolyse auf nachhaltige Art sogenannter „grüner“ Wasserstoff hergestellt werden kann. Wird dieser verarbeitet, indem daraus beispielsweise mit dem Kohlenstoffdioxid aus Biogasanlagen Methan gemacht wird, spricht man von Methanisierung. Es können daraus aber auch andere gasförmige oder flüssige kohlenwasserstoffhaltige Substanzen hergestellt werden – zum Beispiel Methanol oder synthetischer Kraftstoff (Power-to-Liquid, PtL), die dann wie bisher in Verbrennungskraftmaschinen genutzt werden können.

Genau hier liegt das Problem: Einige Akteure befürchten, dass das Power-to-X-Verfahren genutzt wird, um das positive Image von grünem Wasserstoff zu missbrauchen, damit noch möglichst lange ineffiziente Verbrennungsmotoren im Mobilitätssektor Verwendung finden. Die Vorteile wären zwar, dass diese Kraftstoffe tatsächlich sauberer und nachhaltiger wären als Benzin und Diesel. Auch würde so nicht zusätzliches CO2 in die Luft geblasen, sondern nur das Kohlendioxid benutzt, das vorher ohnehin schon in der Atmosphäre weilte.

Die Nachteile wären aber, dass weiterhin eine vergleichsweise ineffiziente Technologie zum Einsatz käme und der Wechsel auf elektrische Antriebe hinausgezögert würde. Außerdem würden weiterhin die Großkonzerne aus der Automobil- und Mineralölwirtschaft „an der Macht“ bleiben. Und der Individualverkehr könnte ebenfalls in ungebremster Form weiterwachsen.

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4 Gedanken zu “Die Imageprobleme von PtX

  1. @Martin:
    Eine Wasserstoffelektrolyse mit vorwiegend „Überschussstrom“ wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Denn kein Elektrolyseur amortisiert sich mit wenigen Stunden Betriebsdauer im Jahr – die Kosten für das bischen produzierten Wasserstoff wären gigantisch hoch.
    Elektrolyseure brauchen möglichst Dauerbetrieb und das wird trotz medialem Trommelfeuer der Lobbyisten auch immer deutlicher.
    Nur wie das gehen soll bei <50% EE-Strom in Deutschland – darauf hat man wieder keine Antwort. Denn die Verwendung von EE rechtfertigt doch noch lange keine Verschwendung.
    Die Direktverwendung von el. Energie ist dreifach effizienter als die Verwendung von H2 und 5-8fach zu PtX /PtL.

    In leisen Untertönen kommt jetzt der "blaue Wasserstoff" aus fossilen Primärenergien unter Abscheidung des CO2 in die Diskussion. CO2-Abscheidung gibt es in der Praxis zwar noch nicht – taugt aber wieder für die Medientrommel, um fossiles H2 salonfähig zu machen.
    Bevor (grünes) H2 zu einem internationalem Handelsgut wird, muss also massiv in EE-Stromerzeugungsanlagen investiert werden. Diese Forderung höre ich aber leider nicht von den Verfechtern des Wasserstoffes.
    PtX hat kein Imageproblem – sondern der derzeit "dreckige" Wasserstoff, zu fast 100% aus fossilen Quellen!
    https://www.euwid-energie.de/wie-wird-wasserstoff-hergestellt/

  2. Eine Wasserstofferzeugung per Elektrolyse macht nur dann Sinn, wenn sie vorwiegend mit „Überschussstrom“ erzeugt wird. Dies ist so auch in allen seriösen Studien nachzulesen (s. z.B. auch bei Greenpeace). In erster Linie soll Strom aus erneuerbaren Quellen die Stromerzeugung auf Basis fossiler Brennstoffe substituieren. Erst wenn dies aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sein sollte, ist nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten zu suchen, um eine Abregelung möglichst zu vermeiden.
    Überschussstrom wird es also in Deutschland in absehbarer Zukunft kaum geben, zumindest nicht in den Mengen, die einen wirtschaftlichen Betrieb eines Elektrolyseurs (mehr als 4000 Volllaststunden?) wahrscheinlich werden lassen. Das ist dann also eher eine Option, die langfristig benötigt wird, wenn wir mehr als 80 % CO2 einsparen wollen.
    Wenn heute Wasserstoff benötigt wird, dann wird es auch in den nächsten Jahren noch umweltfreundlicher und wirtschaftlicher sein, diesen mit Dampfreformierung aus Erdgas zu erzeugen, als einen Elektrolyseur mit „Graustrom“ zu betreiben, um auf die erforderlichen Volllaststunden zu kommen.
    Andernfalls könnte die Situation auftreten, dass wir aus Strom, der anteilig aus einem Kraftwerk kommt, das z.B. mit Erdgas befeuert wird, wieder Gas (Wasserstoff oder Methan) erzeugt wird, um damit wieder ein Gaskraftwerk zu betreiben, um mit dem Strom wieder einen Elektrolyseur zu betreiben, um ….
    Langfristig werden wir den benötigten Wasserstoff jedoch auch mit „grünem“ Strom erzeugen und speichern. Wieviel davon dann allerdings in Deutschland produziert werden kann, ist noch in Diskussion. Wasserstoff wird dann zu einem internationalen Handelsgut, dessen Preise sich auf dem Weltmarkt bilden werden.

    • Die deutsche Industrie steigt in den nächsten 10-15 Jahren um auf CO2-neutral. Das wird einen riesigen Druck verursachen in Richtung Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen. Alleine die BASF wird dann 60 TWh/a benötigen.

      Mir ist nicht klar, wie man in dieser voraussehbaren Mangelsituation ein Verfahren bewerben möchte, das nur Sinn macht, wenn es Strom-Überschüsse gibt.
      Wir werden H2 auf jeden Fall brauchen, das ist keine Frage. Nur: wegen seiner verlustreichen Kette müssen wir gleichzeitig darauf verzichten, wo es auch immer möglich ist und man elektrischen Strom direkt verwenden kann.

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