130 Wasserstofftankstellen bis 2021

Nikolas Iwan
Nikolas Iwan

Der Ausbau der H2-Infrastruktur geht weiter – wenn auch sehr viel langsamer, als es möglich wäre. Das erklärte Ziel, in Deutschland 100 Standorte zur Betankung mit Wasserstoff vorweisen zu können, wird voraussichtlich Mitte 2020 erreicht – mehr als ein Jahr später, als ursprünglich anvisiert. Bis Ende 2021 sollen dann jährlich 10 bis 15 neue Standorte dazukommen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte medienwirksam während der Stakeholder-Konferenz zur nationalen Wasserstoffstrategie darüber berichtet, dass er tags zuvor gemeinsam mit H2 Mobility eine Absichtserklärung mit dem Inhalt unterschrieben habe, 10 bis 15 zusätzliche H2-Tankstellen pro Jahr aufzubauen. Gleichzeitig verkündete Scheuer, Ende 2021 solle die Kapazität in Deutschland für die Betankung von 60.000 wasserstoffbetriebene Pkw und 500 Lkw ausreichen.

2015 hatte der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gesagt: „Für den Markthochlauf dieser Technologie brauchen wir nun ein flächendeckendes Tankstellennetz für Wasserstoff. Daher begrüße ich die Pläne von H2 Mobility, bis 2023 in ganz Deutschland 400 H2-Tankstellen zu errichten.“ Etwas später (2017) hieß es dann seitens H2 Mobility – jedoch mit einer Einschränkung: „100 Wasserstoffstationen bis Ende 2018 und sogar bis zu 400 Wasserstofftankstellen bis 2023, allerdings in Abhängigkeit von Fahrzeugzahlen.“

Mit dieser Einschränkung, die Tankstellen würden nicht auf jeden Fall, sondern nur bei Bedarf gebaut, wenn ausreichend BZ-Autos unterwegs seien, sollten die Fahrzeughersteller in die Pflicht genommen werden. Heute wissen wir, dass dies bei den deutschen Herstellern nicht gefruchtet hat und die Stückzahlen der H2-Autos immer noch im mittleren dreistelligen Bereich liegen. Daher war es fraglich, ob es überhaupt einen Weiterausbau geben würde.

weiterlesen im HZwei Januar-Heft

10 Gedanken zu “130 Wasserstofftankstellen bis 2021

  1. Warum können manche Leute nicht über den Tellerrand hinausschauen??
    Brennstoffzellen Fahrzeuge werden kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Warum? Weil die Kosten für Brennstoffzellen im freien Fall sind seit China die Produktion aufgenommen hat. Pro kW betragen sie jetzt schon deutlich unter 300 Euro. Die 100 Euro Marke wird in wenigen Jahren mit Sicherheit geknackt werden
    Ferner lässt sich grüner Wasserstoff in Afrika deutlich günstiger herstellen wie in Europa. Bei Stromgestehungskosten von unter 1,2 Cent pro kWh ist ein Verkaufspreis an Tankstellen von unter 5 Euro pro kg Wasserstoff zu erwarten. Was will man mehr??

    • Bitte immer den Ball flach halten, sehr geehrter Herr Kraemer.
      Ob die „Massen“ – Brennstoffzellen tatsächlich aus China kommen, ist noch nicht gewiss. Und ob der Wasserstoff aus Afrika kommen muss, genau so wenig.
      Da gibt es noch viele viel bessere Wege, wenn „man“ unbedingt Wasserstoff
      als >Energieträger verwenden will und Brennstoffzellen als >Umwandler.
      Mit den heute bekannten und benutzen Technologien sowie den heutigen Leuten,
      die daran nun schon seit Jahrzehnten „arbeiten“ wird das allerdings schwierig
      bzw. ist nicht mehr zu erreichen. Aber ich bleibe da optimistisch und voller Hoffnungen, zumal es ja auch schon eine Handvoll wirklich GUTER Beispiele gibt.
      Weltweit und eher nicht in Deutschland.
      http://www.hydrogenambassadors.com/aae/off-the-grid-hydrogen-house-sweden.html

    • @Reinhard Kraemer:
      Klar werden „Brennstoffzellen Fahrzeuge“ kommen. Nur nicht als PKW für den Massenmarkt – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Warum?

      Weil batterieelektrische PKW (BEV) derzeit Stück für Stück den Markt übernehmen und Ihre „Kosten für BSZ“ wohl nicht annähernd so gesenkt werden, wie Sie das darstellen. Dagegen steigen Modellvielfalt und Stückzahlen bei BEV immer stärker an, was sich naturgemäß in fallenden Preisen niederschlägt.
      Ihre Behauptung zu China ist für mich schwer nachzuvollziehen, wenn China gerade die Subventionen ab 2021 kürzt:
      https://www.elektroauto-news.net/2019/china-trotz-brennstoffzellen-offensive-subventionen-2021-gestrichen/
      Zitat: „Zur Begründung führt das Ministerium an, dass Chinas Brennstoffzellen-Industrie „trotz der finanziellen Unterstützung keine Durchbrüche und keine rasche Entwicklung erzielt“ habe.“ Man ist dort sehr pragmatisch und weniger lobbygetrieben.

      Übrigens übersteigen mittlerweile die Kosten des 700bar-Speichersystemes wohl die der Brennstoffzelle im PKW. Da auf signifikante Stückzahlen zu kommen ist deutlich schwieriger als bei Akkuzellen.

      Wasserstoff wird zuerst da eingesetzt, wo der größte Nutzen zu erwarten ist, oder wo es keine technologischen Alternativen gibt:
      – Industrie zur Substitution von fossiler Energie (bspw. Stahlindustrie)
      – als Langzeit- /Saisonspeicher für Energie (gern auch LOHC, …)

      Grüner Wasserstoff aus Afrika?!?
      Dort hat man derzeit selbst zu wenig (EE-)Energie und oft auch zu wenig Wasser …

      Was will man mehr??
      Bspw. einen PKW mit geringsten Verschleiß- und Wartungskosten, den ich daheim günstigst „volltanken“ kann … (>80% aller Ladevorgänge bei BEV finden ohne Zeitdruck „nebenbei“ statt)

      • Zitat…Weil batterieelektrische PKW (BEV) derzeit Stück für Stück den Markt übernehmen.
        Leider haben Sie und unsere Politiker nicht den Durchblick was Batterieelektrisches Fahren für uns bedeutet. 🙁
        Ja! Für wohlhabende Eigenheimbesitzer mit Photovoltaikanlage.
        Nein! Für den meisten Teil der Bevölkerung der in Wohnungen in der Großstadt wohnt. Wer das nicht versteht, oder verstehen möchte, tut mir nur noch leid.
        Beste Grüße
        S.Menzel

        • @S. Menzel:
          „Nein! Für den meisten Teil der Bevölkerung der in Wohnungen in der Großstadt wohnt.“
          Abgesehen davon, dass man trefflich streiten kann, ob man in der Großstadt /Ballungsraum mit ausgebautem ÖPNV tatsächlich einen eigenen privaten PKW benötigt, möchte ich den Fokus darauf lenken, dass wir in Deutschland ca. 12Mio. Wohneinheiten (Quelle: Zensus) in Deutschland in Ein- bzw. Zweifamilienhäusern haben. Das ist also schon mal ein riesiges Stück Markt, der keinerlei Probleme bei der täglichen Nutzung eines BEV hat.
          Da die wenigsten Nutzer >50km täglich fahren, ist übrigens tägliches Laden bei aktuellen Akkugrößen meist unnötigt und auch die Infrastruktur wächst immer weiter mit. Bspw. rüsten immer mehr Supermärkte Ladestellen nach …
          Wer das nicht versteht, oder verstehen möchte, tut mir nur noch leid.
          🙂

  2. Es ist alles fast unglaublich und mutet wie ein Stück aus dem Tollhaus an.
    Die letzte offizielle Zahl,der in Deutschland zugelassenen Wasserstoff Fahrzeuge, die mir vom Kraftfahrzeug Bundesamt (KBA) in Flensburg mitgeteilt wurde ist:
    „392 Fahrzeuge, davon 12 Busse, waren bis Ende 2018 in Deutschland für den Verkehr zugelassen..“.
    Diese Zahl wurde später auch von DER SPIEGEL bestätigt. Jetzt haben wir Februar 2020 und es gibt bis heute KEINE offizielle Zahl der bis Ende 2019 in Deutschland zugelassen Wasserstoff Fahrzeuge. Es scheint offensichtlich niemand zu interessieren, wo und wie „unsere“ Steuergelder weiterhin verschwendet werden.
    Auf meine damalige Nachfrage nach einer Aufteilung der 392 Wasserstoff Fahrzeuge, teilte mit das KBA mit, dies erfordere erhöhten Rechenaufwand,
    den ich mit Euro 1535,– plus MwSt. zu honorieren hätte.
    Da verzichtete ich auf diese Liste. Die weiteren „Partner“ an diesen Projekten konnten oder wollten ebenfalls keine Transparenz in dieser Sache herstellen.
    Aber ich bleibe am Ball.
    Mehr dazu auch hier:
    http://www.hydrogenambassadors.com/aae/my-thoughts-about-hydrogen-filling-stations.html

  3. Wenn ich das richtig recherchiert habe, dann gibt es in Deutschland 16 Standorte mit Chlor-Alkali-Elektrolyse bei denen ca. 130.000 t H2 jährlich als „Abfall produziert“ wird. Nicht überall wird er als Chemie-Rohstoff genutzt, z.T.sogar einfach nur verfeuert!
    Hier sehe ich eine Chance für ÖPNV mit Bussen und Zügen auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken.Diese
    Busse und Bahnen sind übrigens alle Hybrid-Fahrzeuge mit fast gleichgroßen Batterie- und H2-Brennstoffzellen. Da kann erst mal an größeren Standorten begonnen werden, es muss nicht in jedem Dorf eine teure H2-Tankstelle gebaut werden und keine KWh Windstrom geht für den Kohlestromausstieg verloren.

    • Der Anteil von „Abfall-H2“ ist so verschwindend gering wie der EE-Stromanteil bei der Elektrolyse. Die Argumentation ist ebenso irreführend wie das Argument der H2-Herstellung aus „Überschussstrom“ – den es derzeit real nicht nutzbar gibt.
      Dass manche Akteure den Wasserstoff lieber teuer für die FCEV verkaufen, statt als Industriegas anbieten wollen, ist ebenso eine andere Geschichte wie die Tatsache, dass im Norden Deutschlands die „Windmüller“ immer noch kein zukunftssicheres Vergütungsmodell nach der EEG-Subventionierung haben.
      Da kämen mir die H2-Subventionen auch gelegen …

  4. Ca. 80 öffentliche H2-Tankstellen Ende 2019 für nicht einmal 400 FCEV-PKW in Deutschland – 5 Fahrzeuge für jede Tankstelle.
    Wo war das „Henne-Ei-Problem“, welches mit fast 50% Steuergeld für jede dieser Tankstellen aus der Welt geschafft werden sollte?
    Wer bis jetzt nicht begriffen hat, dass der FCEV-PKW keine Marktchance hat, der sollte die Wachstumsraten und technologischen Fortschritte der BEV anschauen!
    Mobiler Wasserstoff hat es auf Grund des notwendigen Volumens schon schwer – aber in PKW statt bspw. bei Schienenfahrzeugen oder LKW-Flotten mit definierten Einsatzgebieten und planbarem Infrastrukturbedarf ist es glatter Irrsinn.

    Warum wohl bauen nur einige wenige Autobauer aus Prestigegründen und als hochsubventionierte Technologieträger ein paar FCEV-PKW? Die Ausrede mit den Tankstellen zieht in Deutschland und bspw. Kalifornien längst nicht mehr …

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