Es wird eine BZ-Mobilität und eine H2-Industrie geben

Im Energiesektor bewegt sich aktuell so einiges. Infolge zahlreicher Aktivitäten und Ereignisse – seien es Dieselskandal oder CO2-Bepreisung, Fahrverbote oder Fridays-for-Future-Demonstrationen, Flugscham oder Reallabore – bekennen sich immer mehr Akteure sowohl zu mehr Nachhaltigkeit als auch zu Wasserstoff als Energiespeicher.
Prof. Angelika Heinzel, © ZBT

Im Energiesektor bewegt sich aktuell so einiges. Infolge zahlreicher Aktivitäten und Ereignisse – seien es Dieselskandal oder CO2-Bepreisung, Fahrverbote oder Fridays-for-Future-Demonstrationen, Flugscham oder Reallabore – bekennen sich immer mehr Akteure sowohl zu mehr Nachhaltigkeit als auch zu Wasserstoff als Energiespeicher. Diesmal scheint es sich jedoch nicht einfach nur um einen weiteren BZ- und H2-Hype zu handeln.

Vielmehr mehren sich die Indizien für das Entstehen einer tatsächlichen Energiewende. Die HZwei-Redaktion bat deswegen die langjährige H2– und BZ-Expertin Prof. Angelika Heinzel vom Zentrum für BrennstoffzellenTechnik Duisburg GmbH (ZBT) um Antworten auf folgende Fragen: Was ist jetzt anders als bei früheren Hypes? Wo sehen Sie Entwicklungspotentiale? Was sind aktuell noch Hemmnisse? Was muss die Politik tun?

Noch vor zwei Jahren war das Wort Elektromobilität unzertrennlich mit dem Batterieauto verbunden, heute ist das anders. Der Klimawandel verlangt umfassende Ansätze, die Speicherung großer Mengen an regenerativ erzeugtem Strom kann nur mit der Wasserstofftechnologie gelingen. Also wird es Elektrolyseure geben und eine Wasserstoffinfrastruktur. Da Kraftstoffe die teuersten Energieträger sind, die wir verbrennen (ca. 15 Ct/kWh für Benzin im Vergleich zu 7 Ct/kWh für Erdgas) und Batterieautos eine begrenzte Reichweite haben und einen längeren Ladeprozess benötigen, ist das wachsende Interesse an Brennstoffzellenfahrzeugen folgerichtig. Außerdem setzen Japan, Korea und China auf Wasserstoff und Brennstoffzellenfahrzeuge, was unsere exportorientierte Industrie nicht kaltlassen kann.

Fazit: Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen, wird es Brennstoffzellenmobilität geben und es wird eine Wasserstoffindustrie entstehen. Die CO2-Minderungsziele 2030 zu erreichen ist noch möglich, aber nicht mit einem einfachen „weiter so“.

Die Politik muss einen verlässlichen Rahmen und die richtigen steuernden Signale setzen sowie den notwendigen Wandel mit Nachdruck verfolgen. Dabei darf der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht vernachlässigt werden. Die neuen Produkte sollen und können in Deutschland entwickelt und auch gefertigt werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Mit den ersten eröffneten hundert Tankstellen bis Ende dieses Jahres ist es möglich, in Deutschland mit einem Brennstoffzellenfahrzeug zu fahren. Also muss es jetzt unser Ziel sein, genügend Fahrzeuge auf den deutschen Markt zu bringen und aus der Wasserstofftechnologie ein Geschäftsmodell zu entwickeln.

weiterlesen im HZwei Oktober-Heft

Autorin:
Prof. Angelika Heinzel
Zentrum für BrennstoffzellenTechnik Duisburg (ZBT)

4 Gedanken zu “Es wird eine BZ-Mobilität und eine H2-Industrie geben

  1. Mitlerweile ist es möglich mit Solarstrom H2 zu erzeugen. Toyota betreibt diese H2 Tankstellen mit der Bezeichnung : „Simple Fuel“ in Japan. Damit kann ca. 8 kg H2 am Tag durch Sonnenstrom erzeugt werden. Jeder könnte sich damit unabhängig von Öl mit H2 versorgen und auch noch einig andere Verbraucher beliefern. Diese Technik wird anscheinend in Deutschland nicht gewünscht und schon gar nicht gefördert. Es wäre die Lösung die Heizungsanlage und die Fahrzeuge eines Haushalts mit H2 zu betreiben.

  2. Ich vermisse praxisnahe Lösungen, die es ‚Otto Normalverbraucher‘ ermöglichen z.B. sein Haus/Wohnung im Winter mit Wasserstoff zu heizen und ’nebenbei‘ auch noch Strom zu produzieren.
    Der erzeugte Überschuss Strom muss dann natürlich auch für einen Verbrauch im Sommer gespeichert werden können.
    Was mit so einer Lösung an CO² eingespart werden könnte….
    Die heute erhältlichen Brennstoffzellen Heizungen sind leider nur als Ergänzung zu einer Gasheizung sinnvoll.

  3. Windmühlen entlang der Autobahnen und der Eisenbahnen sin die Lösung ! Bei der Bahn müsten nur mahl all die Bäume die bei jedem Sturm, Schnee,Blitzeis auf das Schienennetz
    fallen gefällt werden. Die Strominfrastruktur ist schon vorhanden. Alles sehr einfach. Die 1000m Abstandsregel kann beibehalten werden.

  4. Natürlich wird es Elektrolyseure geben und eine Wasserstoffinfrastruktur. Der Bedarf der Industrie, die mit H2 kohlenstoffhaltige Prozesse direkt auf „CO2-frei“ umstellen wollen ist riesig. Da wird kaum H2 für FCEV übrig bleiben. Denn da ist der teure Sekundärenergieträger deutlich weniger effizient.

    Falls es überhaupt gelingt, die entsprechenden Mengen „grünen Wasserstoff“ aus EE-Strom herzustellen. Denn irgendwie vermisse ich in allen Beiträgen die entschiedene Forderung, die EE-Erzeugerkapazitäten in Deutschland massiv auszubauen.
    Das wäre ja eine Grundvoraussetzung …

Schreibe einen Kommentar