Die Politik erkennt die Potentiale von Wasserstoff

Pfeiffer Polittalk-Runde
Pfeiffer fragt, © PFEIFFER_Fragt/Oliver Reetz

Es tut sich was in der Politik. Nach Jahrzehnten des Nischendaseins scheint Wasserstoff mittlerweile – zumindest in einigen Kreisen – salonfähig geworden zu sein.

Jedenfalls reden immer mehr politische Vertreter offen darüber, dass dieser gasförmige Energiespeicher durchaus über Potential verfügt. Selbst einige Bayern räumen inzwischen ein, dass Wasserstoff die Energiewende merklich voranbringen kann. Nachdem Bundesbildungsministerin Anja Karliczek bekanntgab, dass ihr Etat für die Wasserstoffforschung aufgestockt würde, wagte sich Ende Juni 2019 auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit ganz neuen Tönen an die Öffentlichkeit und präsentierte ein Gesamtpaket mit über 50 Maßnahmen für eine nachhaltigere Verkehrspolitik. Als Krönung kündigte dann Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine H2-Strategie noch für Herbst dieses Jahres an, nachdem eine Woche zuvor seine Kabinettkollegin, Bundesumweltministerin Svenja Schulze, bereits ein PtX-Aktionsprogramm vorgelegt hatte.

Hydrogenics

Kurz vor der Sommerpause kam Bewegung in die Politik: Zunächst diskutierte der Moderator Jürgen Pfeiffer am 21. Juni 2019 in Kiel über die „Wunderwaffe Wasserstoff“ und fragte dort: „Rettet Norddeutschland die Energiewende?“ Geladen zu diesem Polit-Talk waren hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft, unter anderem Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus von Schleswig-Holstein, und Jorgo Chatzimarkakis, Generalsekretär Hydrogen Europe aus Brüssel.

NOW-Geschäftsführer Dr. Klaus Bonhoff berichtete, dass Wasserstoff im globalen Energiesystem immer mehr Platz einnimmt. Schon heute werde in einer chinesischen Provinz Wasserstoff für 1,60 US-$ pro Kilogramm produziert. Deutschland solle seiner Meinung nach endlich „Gas geben“ und die Potentiale nutzen. Der DWV-Vorsitzende Werner Diwald forderte, Deutschland müsse beweisen, dass es bei uns selbst funktioniert, um der Welt ein Vorbild sein zu können. Sonst erkläre uns China, wie Energiewende geht, so der Verbands-Chef.

Jürgen Wollschläger, Geschäftsführer der Raffinerie Heide GmbH, sieht große Chancen insbesondere bei synthetischen Kraftstoffen auf der Basis von Wasserstoff, wovon seiner Meinung nach auch der Hamburger Flughafen profitieren würde. Und Wirtschaftsminister Buchholz betonte die industriepolitische Chance, die sich dem Norden biete. Kritisch gesehen wurde allerdings, dass andere Länder wie Dänemark, England, Frankreich und die Niederlande bereits eine definierte Wasserstoffstrategie hätten, Deutschland hingegen bislang noch nicht.

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Autoren: Sven Geitmann, Sven Jösting

3 Gedanken zu “Die Politik erkennt die Potentiale von Wasserstoff

  1. Noch ist ja niemand aus dem Schlaf geweckt worden. Wasserstoff wird in Wahrheit gar nicht gefördert, solange immer noch der fatalen Fehlentwicklung Batterie-E-Mobilität der Vorzug gegeben wird. Das hat seine Ursache in der schädlichen Allianz der Strom- und KFZ-Industrie, die unsere Regierung am Nasenring vorführen! Wasserstoff-grün, ja bitte, aber dann doch auch eine Speicherung – wenigstens für den PV- und Windstrom vorsehen! Sonst wird das nix! Besser gleich die Salzlagerstätten für Produktion und Speicherung – http://www.erneo.de/caes-energy-storage/impressum.html – vorsehen, doch dass trifft, obwohl unschlagbar preiswert und und in großer Anzahl im GWh-Bereich möglich, seit Jahren auf den entschiedenen Widerstand der Stromlobby als Konkurrenten. Mit Braunkohle ist halt mehr „Kohle“ zu machen, dank der gepamperten Förderungen! Warum nicht 100.000 H2-Busse und LKWs in 2-Jahrestranchen vom Bund her auflegen und diese dann den Öffis, den Speditionen, den Behörden dann gegen km-Geld zur Verfügung stellen. Das bringt auch die notwendigen Tankstellen ohne die ganze Republik umzugraben für die 300 Mrd. teure E-Strom-Infastruktur, die bei jeder Kostenrechnung glatt immer vergessen wird! Welch ein -Zufall! Dann könnten wir etwas lernen, Jahr für Jahr, hätten arbeit für unsere Forschung, Entwicklung, es wäre ein Ziel für Wiedererlangung der Technologieführerschaft in vielen Bereichen und ein Impuls für den Export! Nebenbei: H2 wird vom Fahrzeugnutzer bezahlt, Infrastruktur für Batterie-Mobilität von allen Stromverbrauchern durch Tariferhöhungen – jährlich! Es merkt ja keiner!
    Und darauf möchte ich gern mal eine verbindliche Politikerantwort! Ob das derWendevergeiger Dr. Almaier wohl fertig bringt?

  2. Klingt ja richtig toll.

    Nur vermisse ich in dem Satz „Schon heute werde in einer chinesischen Provinz Wasserstoff für 1,60 US-$ pro Kilogramm produziert.“ – dass es sich dabei um GRÜNEN Wasserstoff – also auf der Basis erneuerbarer Energien handelt.

    Zum Anderen nützt das den Interessenten in Deutschland herzlich wenig.

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