Kursturbulenzen bei Bloom aufgrund von Ausblick

Bloom
Dauerhafte Energieversorgung mit Ökostrom mithilfe von Bloom-Boxes, © Bloom

Die Meldungen überschlagen sich: Chinesische Unternehmen und einige Provinzen planen, vorerst 17 Mrd. US-$ in die Wasserstofftechnologie zu investieren. Ein Masterplan sieht für 2030 bereits 1 Mio. BZ-Fahrzeuge auf den Straßen des Landes vor. Dr. Wan Gang, seines Zeichens Vorsitzender des Technologierates Chinas (höhere Einstufung als ein Minister), räumt der Brennstoffzelle für die Bewältigung der zukünftigen Mobilität und ergänzende Themen rund um saubere, grüne Energie nun klar den Vorrang vor der Batterie ein.

Er selbst war es, der ursprünglich der Batterie die notwendige Unterstützung gab, die China zum weltweiten Vorreiter werden ließ und zu dem dramatischen Umdenken der weltweiten Fahrzeugindustrie führte. Und auch in Deutschland kommt endlich Bewegung in dieses Thema, obwohl immer noch viele Politiker und Unternehmensvertreter (Beispiel VW) Elektromobilität einseitig mit der Batterie verbinden und erst in fünf bis fünfzehn Jahren den Durchbruch der Brennstoffzelle erwarten, was eine grobe Fehleinschätzung zu werden scheint.

Hydrogenics

Turbulent ging es am 13. August zur Sache, nachdem die Zahlen von Bloom Energy für das zweite Quartal 2019 veröffentlicht wurden und voll im Rahmen der Erwartungen lagen: 234 Mio. US-$ Umsatz (Vorjahr: 168 Mio. US-$) und ein Verlust pro Aktie von 0,13 US-$ (Vorjahr: minus 0,27 US-$). Die Äußerung des Vorstandsvorsitzenden, wonach das Wachstum 2020 eventuell nicht den aktuellen Prognosen wird entsprechen können, da wichtige Märkte in Kalifornien und New York leider ein Umdenken im Einsatz regenerativer Energien erwarten lassen, ließen aufhorchen. In der Folge fiel der Aktienkurs in nur einer Sitzung um 45 Prozent auf circa 4,50 US-$. Man bedenke: das Unternehmen hat gut 310 Mio. US-$ in der Bank, also mehr als 50 Prozent der Börsenbewertung. Und der Verkauf von BZ-Kraftwerken wird weitere 200 Mio. US-$ bringen. Eine typische Wallstreet-Übertreibung.

weiterlesen im Heft: s. HZwei Oktober 2019

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst Mitte August 2019

5 Gedanken zu “Kursturbulenzen bei Bloom aufgrund von Ausblick

  1. Entschuldigung! Kann es sein, dass ich den Beitrag von Bea ganz falsch verstanden habe? Tatsächlich wäre es tausendmal besser, den Individualverkehr drastisch einzuschränken, ÖNPV, Fahrrad und Zufußgehen den Vorzug zu geben! Denn das E-mobile Verkehrs-Chaos ist ja auch keine Lösung.

  2. den beiden Aussagen von Joe Schmidt vom 08.10.ist nichts hinzuzufügen. Die Auffassung von Bea entspricht leider einer weitverbreiteten Ansicht: „was interessieren mich Fakten, ich hab ja schon eine Meinung“

  3. Natürlich kann „grüner Wasserstoff“ als Speichermedium zu einer dauerhaften Energieversorgung mit Ökostrom beitragen. Schade finde ich nur, dass in der Grafik von Bloom wieder von „Exess renewables at peak produktion times“ (Überschuss an erneuerbaren Energien zu Spitzenproduktionszeiten) für die Herstellung von H2 geschrieben wird.
    Dabei steht längst fest, dass eine H2-Produktion nur zu EE-Spitzenertragszeiten nicht wirtschafrlich darstellbar ist – zu wenige Volllaststunden für die teuren Elektrolyseure. Neuere Szenarien gehen daher von einer dauerhaften Produktion aus, die lediglich zu Zeiten geringer EE-Produktion für die Entlastung /Verbrauchsmanagement gedrosselt wird!

    Voraussetzung für beide Szenarien ist aber ein deutlicher Ausbau der EE-Erzeugung, von der gerade in Deutschland nicht viel zu sehen /zu spüren ist! Nur mit ausreichend EE lassen sich die „grünen“ Wasserstoffszenarien umsetzen!
    Derzeit werden >90% des H2 aus fossilen Quellen erzeugt …

  4. Ich finde es unglaublich schade, dass wir in Deutschland in dieser Thematik immer noch hinterher hinken. Erst wird ewig an den Schmutz-Motoren festgehalten, dann ist E-Mobilität der große Renner, obwohl bekannt ist, dass auch diese auf Dauer enorme Nachteile hat. Für unser Klima und die Ressourcen unseres Planeten wäre es tausendmal besser, wenn man endlich sinnvollere Lösungen in Angriff nehmen würde.

    • Die E-Mobilität ist die einzige Chance, unsere Ansprüche auf individuelle Mobilität in der Zukunft zu befriedigen. Auch H2-BSZ-Kfz sind reine Elektrofahrzeuge. Nur die Energiespeicherung erfolgt eben nicht im Akku, sondern die elektrische Energie für den Antriebsmotor wird aus dem H2 mittels der Brennstoffzelle gewonnen.

      Selbst überzeugte Verfechter der „Wasserstoffwirtschaft“ räumen heute ein, dass batterieelektrische Kfz „auf kurzen Distanzen“ (derzeit 250-350km) die beste Lösung darstellen. PlugIn-Hybride wie der MB GLC F-Cell versuchen die Vorteile beider Technologien zu kombinieren.

      Insofern sollten Sie Ihr „enorme Nachteile“ und „tausendmal besser“ evtl. noch einmal mit neuen /aktuellen Fakten abgleichen /überdenken. Es wird wohl ein sinnvolles Nebeneinander beider Technologien geben, wobei sich H2 im mobilen Bereich m.M.n. im PKW eher nicht mehr durchsetzen wird.

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