Ein Wasserstoffdorf in Bitterfeld

Anlagenteile der H2-Infrastruktur: oberirdische Rohrbrücke und Gasdruckregelanlage
Anlagenteile der H2-Infrastruktur: oberirdische Rohrbrücke und Gasdruckregelanlage, © Michael Setzpfandt

Wasserstoff gilt vielen als der Energieträger der Zukunft. Er kann aus erneuerbaren Energien erzeugt und in unterschiedlichen Sektoren stofflich sowie energetisch verwertet werden, was als Sektorenkopplung bezeichnet wird. Doch insbesondere die Verteilung von Wasserstoff ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen.

Bisher schielte die Branche auf das Erdgasnetz. Aktuell ist eine Zumischung von 2 oder 5, teilweise 10 Vol.-% gesetzlich erlaubt. Der DVGW hat im April 2019 angekündigt, eine Regulierung für 20 Vol.-% zu erbarbeiten. Zumindest in bestimmten Netzabschnitten ist mittelfristig mit noch höheren Konzentrationen zu rechnen. Doch wie steht es eigentlich um ein Netz mit 100 Vol.-% Wasserstoff? Wie muss ein solches Netz beschaffen sein? Welche Anlagentechnik muss dafür ausgetauscht oder angepasst werden? Und wie lassen sich so hohe Konzentrationen sicher und effizient bis zum Endanwender verteilen? Diese Fragen sollen im HYPOS-Projekt H2-Netz untersucht werden.

Hydrogenics

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat der regionale Gasverteilnetzbetreiber Mitnetz Gas im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen am 10. Mai 2019 offiziell sein sogenanntes Wasserstoffdorf in Betrieb genommen. Dieses „Dorf“ befindet sich auf einem etwa 12.000 Quadratmeter großen Gelände mitten in Deutschlands ältestem Chemiepark. Bis Ende 2021 erhoffen sich die Projektpartner umfassende Erkenntnisse über den Transport von 100 Vol.-% Wasserstoff.

Das Wasserstoffdorf besteht zunächst aus einer Gasdruckregel- und -messanlage. Alle dazugehörigen Apparaturen gewährleisten ein entsprechendes Regelverhalten und hohe Messgenauigkeiten, um verwertbare Ergebnisse zu erzielen. Weiterhin wurde auf dem Gelände ein etwa 1.200 Meter langes Rohrleitungsnetz verlegt. Da es sich um ein exemplarisches Verteilnetz handeln soll, wurde auf die Verlegung teurer und aufwendiger Stahlverrohrung verzichtet. Stattdessen kommen hochdichte Metall-Kunststoff-Verbundrohre (MKV, PE-Xa) sowie hochspannungsrissbeständige Polyethylen-Rohre (PE 100-RC) der Firma Rehau zum Einsatz.

Die Installation erfolgte per Bohrspülungsverfahren und durch Grabenverlegung. Außerdem wurde eine oberirdische 70 Meter lange Rohrbrücke errichtet. Die verschiedenen Verteilnetzabschnitte besitzen die Druckstufen DP 25, DP 16 und DP 1. Um die notwendige Sicherheit zu gewährleisten, wurde neben der Leitungstechnik eine spezielle Mikroodorieranlage installiert.

weiterlesen im HZwei Juli-Heft

Autor: Stefan Bergander

Schreibe einen Kommentar