Breeze – mehr als nur eine laue Brise

Die H2-Zillertalbahn.
Die H2-Zillertalbahn, © Zillertaler Verkehrsbetriebe

Brennstoffzellen auf der Schiene machen nicht nur im Norden von sich reden. Zahlreiche Gemeinden und Regionen haben inzwischen ein Auge auf diese zukunftsträchtige Antriebsform geworfen.

Am weitesten ist bislang Hessen, wo deutschlandweit als Erstes ernsthaft über BZ-Züge laut nachgedacht worden war und jetzt nach einer erfolgreichen Ausschreibung 27 H2-Triebwagen geordert wurden. Aber auch in Brandenburg und im Zillertal tut sich etwas.

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Ähnlich wie in Schleswig-Holstein hat es auch in Hessen vergangenes Jahr eine Ausschreibung für die Anschaffung neuer Züge sowie deren Instandhaltung gegeben, mit dem feinen Unterschied, dass hier die Brennstoffzellentechnik obsiegte. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und das Land Hessen hatten sich darauf verständigt, in der Taunus-Region neue Technologien zu erproben. Hierbei geht es um insgesamt 27 Triebwagen, die ab Dezember 2022 für die Taunusbahn, die bislang mit Dieselloks fuhr, eingesetzt werden sollen. Der Wasserstoff dafür könnte aus dem Industriepark Höchst kommen.

Die fahma GmbH, ein Tochterunternehmen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, unterzeichnete Mitte Mai 2019 einen entsprechenden Kaufvertrag für die ganze Flotte im Auftragswert von 500 Mio. Euro. Alstom gab dazu bekannt: „Der Auftrag beinhaltet neben den Zügen auch die Versorgung mit Wasserstoff, die Instandhaltung und das Vorhalten von Reservekapazitäten für die nächsten 25 Jahre.“ Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), erklärte: „Der Bund unterstützt diese Investition in klimafreundliche Mobilität, indem er 40 Prozent der Fahrzeugmehrkosten übernimmt, die im Vergleich zu Dieselfahrzeugen anfallen, sowie durch eine anteilige Förderung der Wasserstofftankstelle.“

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir sagte: „Der Verkehr ist in Hessen für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wasserdampf statt Dieselruß ist deshalb ein spannender Ansatz. Wir werden das Projekt weiter tatkräftig unterstützen und uns dafür einsetzen, dass die nötigen Anpassungen an der Schieneninfrastruktur rund um die Wasserstofftankstelle in Höchst schnell voranschreiten.“

„Das Projekt hat für das BMVI Modellcharakter. Wir hoffen, dass noch viele weitere Projekte in Deutschland diesem Beispiel folgen werden.“

Enak Ferlemann, BMVI

weiterlesen im HZwei Juli-Heft

Autor: Sven Geitmann

HOC

4 Gedanken zu „Breeze – mehr als nur eine laue Brise“

  1. Wie ich vor einiger Zeit schon erwähnt hatte,ist der Wasserstoff nicht „grün“ sondern stammt aus der Chlor-Alkali-Elektrolyse („grün ?“)und ist überschüssig. Ganz ohne Lithium-Batterie (200 kW) kommt die Brennstoffzelle (200 kW) auch nicht aus. Für die Bergfahrt in den Taunus und die Rekuperation macht das Sinn.

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  2. So, so, da hat Alstom also den Fehler aus dem Norden nicht wiederholt, sich nicht an der Ausschreibung zu beteiligen, sondern einen lukrativen Weg gefunden, die eigenen Kosten zu drücken und seine Angebotschancen zu verbessern:
    – 40 Prozent der Fahrzeugmehrkosten
    – anteilige Förderung der Wasserstofftankstelle
    wird vom dt. Steuerzahler übernommen.
    Dieser hat ja auch schon die Entwicklung der H2-BSZ-Züge kräftig mit finanziert.
    Hoffentlich beinhaltet die Förderung nicht auch noch die Kosten für den Wasserstoff. Denn dann wäre ein „technologieoffener Vergleich“ reine Makulatur.
    Ich kenne die Ausschreibungsmodalitäten in Hessen nicht, aber wenn man schreibt: „Da es derzeit nur einen Zughersteller gibt, der sich auf die Ausschreibung für Wasserstoff-Züge bewerben könnte, wird die Wahl wohl auf den Hersteller Alstom und den Zug vom Typ „Coradia iLint“ fallen.“ – dann klngt das auch nicht nach Technologieoffenheit …
    Greenwashing wird eh betrieben, wenn der Wasserstoff aus dem Industriepark Höchst bezogen wird. Herstellung aus Erdöl /Erdgas ist alles andere als CO2-frei und der Zug damit allenfalls auf dem Papier (bzw. lokal) sauber – „Well-to-Wheel“ aber eher eine ökologische Katastrophe.
    „Nebenproduktwasserstoff“ ist ja keinesfalls Abfall. Nur ist es wohl lukrativer, den Wasserstoff an Förderprojekte zu verkaufen, statt ihn bei der Produktion von Chemikalien oder Pharmazeutika weiter zu verwenden.
    @Hans Steck:
    Natürlich wäre es auch möglich, eine Güterzuglokomotive mit H2-BSZ zu entwickeln. Da allerdings im Transportsektor – im Gegensatz zum mit Steuermitteln geförderten ÖPNV – ein starker Kostendruck herrscht, dürfte dieses Einsatzgebiet recht unlukrativ sein.

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  3. Brennstoffzellen Personenzüge mögen ja technisch möglich sein. Aber gibt es auch schon Güterzugsloks die auf fahrdrahtfreien Strecken mit Wasserstoff fahren können ?

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    • Geehrter Herr Schmidt
      Besten Dank für Ihre umgehende Antwort
      Ich bin engagierter Laie. Mir geht es um das Netz der Südostbayernbahn das elektrifiziert werden soll. Das begrüße ich auch.Allerdings soll das erst 2030 passieren. Wenn ich dann noch lese, dass ein km Oberleitung 2 Mio. kostet und eine schwedische Studie behauptet, eine Oberleitung sei 3-4mal teurer als ein alternativer Antrieb, dann müsste sich doch auch ein Lok die ca 80 km mit einem alternativen Antrieb überwindet, sich rechnen. ?
      Ich erwarte mit Interesse Ihre geschätzte Antwort.

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