Wer steigt wann aus dem Verbrenner aus?

Der Druck auf die Hersteller von Benzin- und insbesondere von Dieselfahrzeugen nimmt immer weiter zu. Spätestens seit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Mitte September 2018 hat verlauten lassen, dass Software-Upgrades nicht ausreichen, ist klar, dass die bislang deklarierten Vorteile von Dieselautos immer weniger werden. In vielen Regionen auf der ganzen Welt reagiert die Politik dementsprechend und läutet das Ende einer Ära ein.

Während in Deutschland bisher nur die Grünen die Abkehr vom Verbrennungsmotor fordern, wurden in den vergangenen Monaten europaweit Fakten geschaffen und Gesetze erlassen, die – zumindest regional – das Ende des Dieselmotors bedeuten. Zahlreiche Länder, Großstädte und Firmen haben den Ausstieg aus dieser Technologie bereits beschlossen:

Paris sieht vergleichsweise strikte Grenzen vor und will eventuell bereits ab 2024 zu den Olympischen Sommerspielen keine Dieselautos mehr in die Stadt lassen. Auch wenn dies derzeit noch unsicher ist, so steht fest, dass ab dem Jahr 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr erlaubt sein sollen. Ab 2040 soll dann landesweit die Zulassung neuer Verbrenner verboten werden.

Ähnlich sieht es in Italien aus: Auch Rom zieht 2024 die Reißleine zum Wohl sowohl der Menschen als auch der vielen historischen Gebäude und verbannt private Dieselfahrzeuge aus dem Stadtzentrum. Mailand will ab 2030 den Betrieb von Dieselmotoren begrenzen.

Brüssel will ab 2030 alle Diesel aussperren. Ob diese Maßnahme dann auch Benzinautos betreffen wird, ist derzeit noch offen. Ältere Dieselmodelle, die die Schadstoffklasse null oder eins nicht erfüllen, dürfen bereits seit Anfang 2018 nicht mehr in die Umweltzone der belgischen Stadt fahren.

Auf den spanischen Balearen wird es ab 2025 ein Verbot von Otto- und Dieselmotoren in neuen Pkw geben. Lieferwagen dürfen jedoch aller Voraussicht nach noch bis 2035 mit Verbrennungsmotor zugelassen werden. Entsprechend den COP21-Zielen sollen fossile Kraftstoffe ab 2050 von der Insel verbannt werden.

Island verkündete im September 2018, den Ausstieg aus der Otto- und Dieselmotortechnik in ein 34 Maßnahmen umfassendes Klimakonzept einbetten zu wollen. Demnach möchte das nordische Land 2030 keine neuen Verbrenner mehr zulassen und ab 2040 CO2-neutral sein. Der Inselstaat will nicht nur mehr Ladestationen errichten und Subventionen für E-Autos erhöhen, sondern auch klimafreundliche Brennstoffe wie Wasserstoff und Methan fördern. Hinzu kommt, dass der Einsatz von Schweröl bei Schiffen und Fähren schrittweise eingestellt wird und die Häfen bis 2025 mit nachhaltigen Energieanlagen ausgestattet werden.

In Schottland hatte die Regierungschefin Nicola Sturgeon im September 2017 angekündigt, ab 2032 keine neuen Verbrenner mehr auf die Straßen zu lassen. Im März 2018 folgte daraufhin die Konkretisierung seitens der nationalen Verkehrsagentur Transport Scotland, wonach dann nur noch batterieelektrische (BEV) und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV) neu angemeldet werden dürfen. Hybridmodelle ohne Steckdose werden dann nicht mehr erlaubt.

  Verbrennerverbot ab
Spanische Balearen, Norwegen 2025
China, Dänemark, Niederlande, Indien, Irland, Island, Israel 2030
Schottland 2032
Dänemark (Hybridautos) 2035
Taiwan (Zweiräder) 2035
British Columbia, Frankreich, Großbritannien, Kalifornien, Spanien, Taiwan (Pkw) 2040
Deutschland 2050

Zudem verabschieden sich zahlreiche Automobilhersteller vom Diesel: Fast alle japanischen Produzenten wollen Europa künftig nicht mehr mit Selbstzündern beliefern – außer Mazda. BMW zieht seine Dieselautos demgegenüber vom nordamerikanischen Markt ab und konzentriert sich künftig auf Plug-in-Hybride sowie Benziner. Cadillac stellt sogar die komplette Entwicklung von Dieselmotoren ein, um sich fortan besser der Elektrifizierung widmen zu können. Vom Volkswagen-Konzern distanzierten sich bislang Porsche und Bentley von dieser in Verruf geratenen Technik. PSA hat noch nichts Endgültiges entschieden, „forciert aber die Weiterentwicklung der Dieseltechnologie nicht“. Demgegenüber will Volvo neue Modelle ab 2019 nur noch mit Elektro- oder Hybridmotor ausrüsten.

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