Startklar für den H2-Plan von Nicolas Hulot

Toulouse

Seit 2013 werden in Frankreich in Kooperation mit dem Wasserstoffverband AFHYPAC jährlich die „Journées Hydrogène dans les Territoires“ (Die französischen Wasserstofftage in den Regionen) abgehalten, und zwar jedes Mal von einer anderen Region. Im September 2018 hatte die Region Occitanie nach Toulouse eingeladen.

Rund 440 Teilnehmer aus dem ganzen Land kamen zum diesem Jahrestreffen der französischen Wasserstoffbranche in die Hauptstadt der Region, die 2016 durch den Zusammenschluss von Languedoc-Roussillon und Midi-Pyrénées entstand. Allerdings blieben die Franzosen weitestgehend unter sich: Es mangelte an Internationalität. Trotzdem war die Teilnehmerstruktur deutlich bunter als auf manch anderer Konferenz. Es waren vergleichsweise viele Frauen, zahlreiche junge Ingenieurinnen und Ingenieure, Start-ups sowie, mit über einem Drittel aller Teilnehmer, höchstinteressierte und engagierte Vertreter der Regional-, Stadt- oder Kommunalverwaltungen zugegen. Des Weiteren waren Mitarbeiter von Industrie- und Energieunternehmen jeder Art und Größe vor Ort (z. B. Areva, Atawey, EDF, Engie Cofely, Haffner, Mahytec, McPhy, Michelin, Plastic Omnium, Powidian, Pragma Industries, Safra, Stäubli, Symbio FCell, Toyota). Auch das CEA war da, aber Forschungsinstitute waren eher in der Minderzahl.

Wer auf der Veranstaltung Informationen über lokale Aktivitäten suchte, hörte sich die Vorträge an, in denen beispielsweise verschiedene Städte und Regionen ihre aktuellen Projekte oder Energieversorger ihre Konzernstrategie zum Thema Wasserstoff vorstellten. Zudem informierten das französische Umweltministerium und die Umweltagentur Ademe hier erstmals öffentlich über die Kriterien, die für die Auswahl der Projekte im Rahmen der Umsetzung des vom ehemaligen Umweltminister Nicolas Hulot ins Leben gerufenen Wasserstoffplans den Ausschlag geben. Parallel dazu trafen sich im Ausstellungsbereich all diejenigen, die Projekte mit Partnern diskutieren wollten.

Im Fokus der Veranstaltung stand die Herstellung von Wasserstoff per Elektrolyse und seine Anwendungsmöglichkeiten insbesondere im öffentlichen Verkehrssektor. Dabei ist der Schienenverkehr der aktuelle Favorit der Franzosen. Dass der vom französischen Hersteller Alstom entwickelte weltweit erste Brennstoffzellenzug Coradia iLint gerade in Deutschland seine Jungfernfahrten absolvierte, erfüllte die H2-Gemeinde durchaus mit Stolz – allerdings mit einem getrübten: Warum nicht in Frankreich? Somit ist diese Premiere auch Ansporn, solche Projekte im eigenen Land zu initiieren.

Die erste H2-Buslinie Frankreichs soll Ende 2019 in Pau eröffnet werden. Dank des französischen Energiewendegesetzes stehen die öffentlichen Verkehrsbetreiber unter Druck: Bis 2020 müssen sie bei der Erneuerung ihrer Busflotten mindestens 50 Prozent der Neufahrzeuge mit „sauberen“ Antrieben kaufen, ab 2025 muss jeder neu erworbene Bus ein emissionsarmer Bus sein. Adieu, Diesel!

Ende September gründeten die Region Occitanie und das Energieunternehmen Engie die Gesellschaft HyPort, die das gleichnamige Projekt betreuen wird. In dessen Rahmen soll auf den Flughäfen Toulouse-Blagnac und Tarbes-Lourdes der Wasserstoffbetrieb aller dort zum Einsatz kommenden Fahrzeugtypen erprobt werden.

Fördergelder stehen bereit

Dass weder über die Speichermöglichkeiten und -hürden von Wasserstoff noch über die verschiedenen Brennstoffzellentechnologien diskutiert wurde, lag auch daran, dass die in Toulouse vorgestellten Projekte bereits sehr gut auf die Förderrichtlinien des 100-Mio.-Euro-Wasserstoffplans ausgerichtet sind. Darin ist die Hälfte der Geldmittel für Elektrolyseanlagen vorgesehen. Die andere Hälfte der Kreditmittel des Maßnahmenplans ist für den Verkehrssektor bestimmt. Die Umweltagentur Ademe wird ab 2019 die ersten 100 Mio. Euro bereitstellen. Sie steht mit ihrem ersten Projektaufruf bereits in den Startlöchern und wartet nur noch auf grünes Licht aus dem Ministerium.

Nach eineinhalb Tagen voller kompakter Informationen über Projekte, Strategien und Förderrichtlinien sowie Networking-Gelegenheiten gab es abschließend die Möglichkeit, eines von drei verschiedenen Projekten in der Region zu besichtigen: eine Forschungseinrichtung (PACAERO-CEA), eine Anlage zur Wasserstoffproduktion aus Abfällen (Projekt VaBHyoGaz beim Umweltzentrum Trifyl) sowie das Unternehmen Safra, das nicht nur Busse saniert, sondern auch selbst einen Wasserstoffbus (Businova) entwickelt und baut.

Am Ende der Veranstaltung schien klar: Die französischen Regionen, Kommunen und Unternehmen sind bereit und startklar, um Nicolas Hulots Strategieplan Wasserstoff in die Realität umzusetzen.

Die 7. Journées Hydrogène dans les Territoires finden 2019 in Marseille statt.

Die Autorin Uta Mummert war im Auftrag der Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH in Toulouse.

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