IAA Nfz – Show der elektrischen Lastesel

e-Crafter HyMotion auf dem VW-Stand

Noch nie war eine Nutzfahrzeugmesse so elektrisch wie die IAA Nutzfahrzeuge 2018. Ein Großteil der Aussteller präsentierte vom 20. bis 27. September 2018 batterieelektrisch betriebene Lastwagen und Busse oder zumindest hybridisierte Modelle. Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik war im Vergleich dazu zwar relativ wenig zu sehen, aber immerhin schon weitaus mehr als auf vorausgegangenen Veranstaltungen.

Und einige bedeutsame Ankündigungen großer Hersteller ließen erkennen, wie groß das Potential in diesem Sektor ist: Die beiden wichtigsten Neuigkeiten auf der IAA Nutzfahrzeuge waren aus Sicht der H2– und BZ-Branche die Präsentation der Konzeptstudie des e-Crafters HyMotion von Volkswagen wie auch die Ankündigung von Hyundai, 1.000 H2-Lkw in der Schweiz auf die Straße bringen zu wollen.

VW präsentierte die brennstoffzellenbetriebene Version seines e-Crafters auf der Hauptbühne seines Messestandes unter anderem mit Hilfe von Rocklegende Peter Maffay gleich neben dem I.D. Buzz Cargo, seinem für 2022 angekündigten autonom fahrenden Kleinbus – wohlgemerkt beide vorerst als reine Konzeptstudien. Das Design des 4,25-t-Transporters ist zwar nicht besonders modern, aber dafür ist es die bis dato vorgesehene Antriebseinheit: Vier große H2-Druckbehälter sind unterflur eingebaut. Sie sollen mit insgesamt 7,5 kg Fassungsvermögen eine Reichweite von bis zu 500 km ermöglichen. Der e-Crafter HyMotion soll in dieser Version mit BZ-Range-Extender die Modellpalette rein batteriebetriebener Fahrzeuge ergänzen. Gegenüber electrive.net erklärte Volker Becker von Volkswagen Nutzfahrzeuge, dieser Transporter sei insbesondere für die Kunden vorgesehen, die längere Reichweiten, mehr Zuladung sowie kürzere Tankstopps bevorzugen und auch im Winter die volle Leistungsfähigkeit benötigen.

1.000 BZ-Trucks für die Schweiz

Auch wenn der von Hyundai angekündigte Transporter vom Design her sehr ähnlich ausfällt, dürfte der wichtigste Unterschied zu VW sein, dass die Asiaten seit zwei Jahren bereits über das Stadium einer Konzeptstudie hinaus sind: Sie hatten während der IAA 2016 den H350 Fuel Cell Concept vorgestellt. 2018 waren die Koreaner demgegenüber einen großen Schritt weiter, so dass In Cheol Lee von Hyundai Motors und Rolf Huber, Vorsitzender von H2 Energy, auf dem Messegelände im Kongresszentrum eine gemeinsame Absichtserklärung zum Bau von 1.000 ausgewachsenen Brennstoffzellen-Lkw unterschreiben konnten. Hyundai will mit der Lieferung des Fuel Cell Electric Truck nach eigenen Worten einen „weiteren Meilenstein beim Ausbau der umweltfreundlichen Mobilität erreichen“.

Der komplett neu designte Lastwagen wird über insgesamt acht Wasserstofftanks verfügen, mit denen er 400 km weit kommen soll (33 kg bei 350 bar, Betankungsdauer: 7 Min.; s. S. 3). Die Auslieferung erster Fahrzeuge soll 2019 erfolgen und wird sich über insgesamt fünf Jahre erstrecken. Das schweizerische Ingenieurbüro H2 Energy tritt hierbei als Mittler auf, der die Fahrzeuge an seine Kunden weiterreichen will. Bislang sammelte das Team von Rolf Huber und Hansjörg Vock erste Erfahrungen beim Betrieb eines BZ-Trucks von Coop, in dem der am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) entwickelte AutoStack verbaut ist, der inzwischen von PowerCell genutzt wird (s. HZwei-Heft Juli 2017).

Ähnlich wie Hyundai hatte auch Ballard nur einen kleinen Stand im New-Mobility-World-Pavillon in Hannover. Dort zeigten die Kanadier erstmals ihren neuen, speziell für Nutzfahrzeuge konzipierten 50-kW-Stack (s. HZwei-Heft Okt. 2018). Dieses FCgen®-LCS-System soll beispielsweise bei dem Brennstoffzellenzug zum Einsatz kommen, den Ballard derzeit gemeinsam mit Siemens entwickelt und den der deutsche Konzern ab 2021 in Deutschland anbieten will. Ab 2019 soll es unter anderem auch bei Gabelstaplern zur Anwendung kommen.

Demgegenüber zeigte FPT Industrial die Konzeptstudie eines Lkw-Unterbaus mit Wasserstofftanks und Brennstoffzellenantrieb. Das Turiner Tochterunternehmen von CNH Industrial N.V. entwickelt dieses System derzeit für die Schwesterfirma Iveco, an deren Stand das wie ein übergroßes Skateboard aussehende Konstrukt präsentiert wurde.

Streetscooter omnipräsent

Auch kleinere Unternehmen nutzten die Messe, um Präsenz zu zeigen. So war Streetscooter nicht nur mit einem eigenen Stand in Halle 13 vertreten, sondern mit diversen Fahrzeugen auf rund zwei Dutzend anderen Ständen. Dementsprechend erklärte Vertriebschef Marcus Arens gegenüber HZwei, man müsse „weiter pushen“ und immer ein oder zwei Jahre schneller sein als die Konkurrenz, um seine Daseinsberechtigung zu behalten, da das Unternehmen für einen finanzorientierten Wettbewerb aufgrund zu niedriger Stückzahlen nicht groß genug sei.

weiterlesen im HZwei Januar-Heft

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