Verkehrsministerium fördert Wasserstoff-Regionen

Grußwort vom BMWi

Nach drei Jahren hat die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) GmbH wieder eine NIP-Vollversammlung abgehalten. Rund 400 Teilnehmer kamen am 5. und 6. Dezember 2018 nach Berlin, um sich über den aktuellen Stand im Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 2) zu informieren beziehungsweise um darüber aufzuklären. Höhepunkt war die Bekanntgabe eines neuen regionalen Förderaufrufs seitens des Bundesverkehrsministeriums.

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), erschien zwar erst am zweiten Veranstaltungstag, sorgte aber für den meisten Gesprächsstoff. Er stellte bei dem Branchentreffen ein neues Konzept vor, in dessen Rahmen die Etablierung von Wasserstoffregionen gefördert werden soll. Konkret geht es hierbei um die lokale Integration des Energieträgers Wasserstoff insbesondere im Mobilitätssektor.

Hydrogenics

Bilger erklärte: „Die Förderung reicht von der Unterstützung bei der Sensibilisierung für das Thema beziehungsweise der initialen Organisation der Akteurslandschaft über die Erstellung von integrierten Konzepten und tiefergehenden Analysen bis zur Beschaffung von Anwendungen, um die entstandenen Konzepte umzusetzen.“ Interessensbekundungen für die drei verschiedenen Programme können bei der NOW GmbH eingereicht werden. Zunächst werden ab sofort Anträge für HyStarter angenommen. Hierbei werden lokale Akteure organisatorisch und technisch beraten und erhalten zudem über zwei Jahre hinweg Unterstützung bei der Erstellung erster eigener Konzeptideen. Jede Region in Deutschland kann sich hierfür bewerben. Es gibt keine spezifischen Voraussetzungen, die vorab erfüllt sein müssten.

Ab dem Frühjahr 2019 starten dann zwei weitere Programme, innerhalb derer eine Jury die Konzepte bewertet und anschließend Gewinner kürt. Mit HyExperts werden insbesondere die Regionen angesprochen, die bereits ihre eigenen Potenziale identifiziert haben oder über erste Erfahrungen im Umgang mit Wasserstoff und Brennstoffzelle verfügen (Preisgeld: 1 Mio. Euro). HyPerformer ist demgegenüber für solche Cluster konzipiert, in denen es um die konkrete Realisierung bereits bestehender Konzepte geht (Preisgeld: 20 Mio. Euro).

Keine echte Strategie

Zu Beginn der Vollversammlung hatte NOW-Geschäftsführer Dr. Klaus Bonhoff eine Bilanz der ersten Jahre des NIP 2 gezogen und festgestellt, dass es „uns allen gelungen ist, eine Branche zu schaffen“. Einerseits lobte er, dass „wir uns sicher nicht verstecken müssen“. Andererseits bemängelte er aber auch, dass „wir keine echte Strategie für Wasserstoff haben, diese aber dringend brauchen“. Dabei verwies er auf Länder wie Japan, die Wasserstoff beispielsweise im Rahmen ihres G20-Vorsitzes in großem Rahmen thematisieren wollen. Um hier mithalten zu können, forderte er eine Steigerung der Zulassungszahlen von Null-Emissions-Fahrzeugen um drei Prozent pro Jahr. Gelänge dies, so Bonhoff, wäre 2025 jedes vierte und 2030 jedes zweite Fahrzeug sauber.

Im Anschluss daran redeten die Vertreter der drei zuständigen Bundesministerien. Etwas verwunderlich war allerdings, dass diese nur die dritte oder vierte Garde geschickt hatten. So hatte Dr. Wolfgang Langen vom Bundeswirtschaftsministerium einen seiner ersten Auftritte vor der H2– und BZ-Branche. Langen ist der Leiter des Referats Energieforschung im BMWi und gleichzeitig Nachfolger von Dr. Georg Menzen, der inzwischen nach vielen Jahren verdienstvoller Tätigkeit – auch als Vorsitzender des NOW-Beirates – in den Ruhestand getreten ist.

3 Gedanken zu “Verkehrsministerium fördert Wasserstoff-Regionen

  1. Zitat:
    „Schützt Altmeier heute die längst überholte Akkuzellen/Batterie-Wirtschaft, obwohl Brennstoffzelle (BMVI) die Lösung wäre?“

    Wer heute noch meint, dass Wasserstoff im mobilen Einsatz (außer in Nischen) irgendeine Chance auf wirtschaftliche Umsetzung hat, der weiß wohl etwas, was ich nicht weiß. Die (angeblich „überholte“) Akkuentwicklung hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Das kann jeder sehen, der die Reichweitenverdoppelung bei Nissan, Renault oder dem BMW i3 anschaut (2. Akku-Update von orig. 60Ah auf jetzt 120Ah!).

    Was dagegen gibt es aus dem BSZ-Lager?!?
    Man feiert die Linde Kyro-Pumpe und verballert Fördergeld für Tankstellen. Meist so um die 900.000€ je Tankstelle (Bad Rappenau, Bremen, Hirschberg) – sind es auch schon mal 5,7Mio.€ Steuergeld (!!!) in der Hamburger Hafencity, obwohl jedem klar sein sollte, dass „grünes“ H2 (Hydrolyse mit EE-Strom, statt wie heute >90% Dampfreformation aus fossilem Erdgas) im Verkehrsbereich niemals gegenüber dem direkten Laden eines E-Autos mit EE-Strom bestehen kann. Die Kosten von ca. 10€/100km (fossiles H2, befreit von der Energiesteuer) für PKW-Fahren mit H2 zu <5€/100km beim Batterieauto sind der Todesstoß.
    Ich kenne kein H2-Mobilitätsprojekt, dass nach Auslaufen der Förderungen wirtschaftlich weiterzuführen war! Hamburg hat seine H2-BSZ-Busse gerade ausgemustert …

    Ja, Hr. Arno A. Evers – H2-Auto fahren ist ein durchaus toll und komfortabel und der Toyota Mirai ist ein technisches Meisterstück. Aber das Fahrerlebnis liegt nicht am Wasserstoff, sondern am elektrischen Antriebssystem. Das aber haben "Akkuautos" eben auch und das schnellere Nachtanken von H2 verliert angesichts der praktischen Reichweiten der heutigen E-Autos und Verfügbarkeit von Strom deutlich an Bedeutung.

    Es wäre für die Branche m.M.n. sinnvoller, sich auf die stationären Anwendungen zu fokussieren. Denn da fällt "der Pferdefuss von Wasserstoff" – der sehr niedrige Energiegehalt je Volumeneinheit – nicht ins Gewicht.
    Ja, mobiler Wasserstoff hat nicht das Gewichtsproblem der Batterieautos – aber dafür ein Platzproblem. Ein Vergleich des Toyota Mirai (Vierstitzer mit bescheidenem Platzangebot und Zuladung) mit dem Tesla Model3 (Fünfsitzer mit zwei Kofferräumen) macht dies auch dem Laien deutlich.

  2. „Etwas verwunderlich war allerdings, dass diese nur die dritte oder vierte Garde geschickt hatten.“ Altmeier BMWi macht den Schwarz-Schilling, nachdem Gabriel den Gscheidle gab. Gscheidle hatte in anfang der 80er flächendeckend Glasfasernetzausbau geplant, den Schwarz-Schilling nach 82 zugunsten Kupferbreitband abgeschossen hatte. Schützt Altmeier heute die längst überholte Akkuzellen/Batterie-Wirtschaft, obwohl Brennstoffzelle (BMVI) die Lösung wäre?

  3. Ob sie wissen, was sie tun?
    Zitat aus dem Artikel:
    „…Zu Beginn der Vollversammlung hatte NOW-Geschäftsführer
    Dr. Klaus Bonhoff eine Bilanz der ersten Jahre des NIP 2 gezogen und festgestellt, dass es „uns allen gelungen ist, eine Branche zu schaffen“.
    Einerseits lobte er, dass „wir uns sicher nicht verstecken müssen“.
    Andererseits bemängelte er aber auch, dass „wir keine echte Strategie für Wasserstoff haben, diese aber dringend brauchen…“

    Ende des Zitas und Ende meines Kommentars.
    http://www.hydrogenambassadors.com/projects.html

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