Tesla – eine wahre Achterbahnfahrt

© Tesla

Das war ein wahrer Höhenflug: Von 240 auf über 340 US-$ in wenigen Tagen. Ein bekannter Shortseller und Tesla-Kritiker, Andrew Left (Citron Research), änderte seine Haltung am 22. Oktober, wenige Tage vor der Ankündigung eines vorverlegten Veröffentlichungstermins der Zahlen für das dritte Quartal, um 180 Grad und setzt nun auf Long. Andere Analysten folgten.

Im Durchschnitt der Schätzungen (Consensus) soll Tesla 2018 nur noch einen Verlust von 3,12 US-$/Aktie (vorher minus 6,83 US-$) machen und 2019 gar mit einem Gewinn von 5,79 US-$ pro Aktie aufwarten können. Allein die guten Zahlen des dritten Quartals waren dafür der Auslöser: Im dritten Quartal konnte Tesla einen Gewinn in Höhe von 312 Mio. US-$ ausweisen (1,82 US-$/Aktie), und auch der Cash-Bestand konnte dank guter Absatzzahlen auf gut 3 Mrd. US-$ gesteigert werden. Der Umsatz explodierte vor allem aufgrund der hochpreisigen Model-3-Varianten (49.000 bis 78.000 US-$) um über 130 % auf über 6,8 Mrd. US-$ im Quartal. Überraschend niedrigere Ausgaben für Forschung und Entwicklung wie auch Kosten SG & A (Selling, General & Administration) im dritten Quartal haben auch Auswirkung auf den ausgewiesenen Gewinn. Die Stornoquote fürs Model 3 soll indes bei 20 % liegen – basierend auf 455.000 Vorbestellungen aus dem Jahr 2017. Die absolute Zahl der noch bestehenden Vorbestellungen wurde aber nicht genannt.

So weit zu den guten Zahlen. Meine Skepsis ist dennoch unverändert, da ein einziges Quartal noch nicht aussagekräftig genug ist, um langfristige Prognosen darauf aufzubauen. Denn im dritten Quartal wurden ja erst einmal nur die margenstarken hochpreisigen Model-3-Bestellungen abgearbeitet. Hier wäre es interessant zu wissen, wie hoch der Auftragsbestand an solchen Modellen, die für 40.000, 50.000 oder gar über 70.000 US-$ aufgerufen werden, noch ist. Denn mit der 35.000-US-$-Version lasse sich kein Geld verdienen, so der CEO in verschiedenen Foren.

Für mich steht dabei die Börsenbewertung mit über 58 Mrd. US-$ im Widerspruch zu den aktuellen Zahlen. Es ist absehbar, dass in den kommenden zwei Jahren ungefähr 200 Varianten von Elektrofahrzeugen aller Hersteller auf den Markt kommen werden und damit eine nicht unerhebliche Konkurrenz zu Tesla entsteht. Man sieht dies exemplarisch am iPace von Jaguar, der Tesla in Norwegen erhebliche Konkurrenz geschaffen und das US-Unternehmen von den vorderen Absatzplätzen verdrängt hat.

In China ist Tesla indes einen Schritt weiter: Für 140 Mio. US-$ wurde eine Fläche von 840.000 m2 im Großraum Shanghai für einen Zeitraum von fünfzig Jahren gepachtet. Eine Fabrik für Fahrzeuge und Akkumulatoren soll hier für 2 Mrd. US-$ gebaut werden. Tesla gehe davon aus, dass das Investment von chinesischer Seite aus dargestellt werden kann, hieß es. Wie dies unternehmensintern (Haftung) geregelt werden soll, bleibt für mich unklar.

Alles wie immer trotz neuer Chefin

Die neue Chairwoman Robyn Denholm ist für mich kein „großer Wurf“, da die Dame aus Australien schon seit 2014 als unabhängige Direktorin bei Tesla aktiv ist. Sie verfügt zwar über sehr gutes Know-how, ist aber schon so lange bei Tesla, dass ihre Besetzung für mich mehr einer kosmetischen Operation bzw. einem Ablenkungsmanöver entspricht. Die Bedingung der US-Börsenaufsicht SEC ist damit zwar rein theoretisch erfüllt, es hätte aber einen völlig neuen Namen geben müssen. Der Aderlass an Top-Managern geht parallel auch weiter.

Mein Fazit: Das gute Ergebnis des dritten Quartals hat geradezu eine Euphoriestimmung hervorgerufen …

weiterlesen im HZwei Januar-Heft 2019

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, Dez. 2018

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