Hydrogenics – es geht nicht geradlinig

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Hydrogencis hat wie Ballard Power wohl ähnliche Probleme in China, wobei es anscheinend um Verzögerungen in der Förderung, Auftragsvergabe und Zuschüssen geht. Die Potentiale in China seien ausgezeichnet, es gehe nur halt nicht so schnell wie erwartet, heißt es. Immerhin hat Hydrogencis gut 132 Mio. US-$ in den Büchern als Backlog – davon mehr als die Hälfte von Alstom für BZ-Züge. 30 sind bestellt, viele weitere werden für 2019 erwartet. Für Projekte in Höhe von mehr als 100 Mio. US-$ befinde man sich in den Ausschreibungen. In Norwegen konnte ein 2,5-MW-Storage-System, das Strom eines 45-MW-Windparks speichern soll, als Auftrag vereinnahmt werden. Bei Power-to-Gas-Anlagen hat man einen Auftrag in Wuppertal, Deutschland, gewonnen.

Die Zahlen für das dritte Quartal sind noch ernüchternd: 3,4 Mio. US-$ Verlust (minus 0,22 US-$/Aktie statt erwarteter minus 0,07 US-$/Aktie) bei einem Umsatz von 7,7 Mio. US-$. Hier seien hohe quartalsmäßige Schwankungen normal, so der Vorstand, da es um Projektgeschäfte gehe. Die Aussichten könnten indes nicht besser sein, da die Brennstoffzelle immer mehr Interesse wecke und Hydrogenics sehr gut aufgestellt sei (Patente, Produkte, Know-how).

Sieht man sich die Strategie von Weishai (s. o.) an, dann sind ergänzende Aktivitäten – theoretisch – wie die Beteiligung an Unternehmen, die Elektrolyseure und H2-Tankstellen bauen, nur eine Frage der Zeit. Hydrogenics könnte so ein Kandidat – natürlich nur rein theoretisch – sein. Nikola Motors, die BZ-Lkw auf die Straße bringen wollen, lassen auch H2-Stationen bauen und ordern Elektrolyseure (Nel Asa). Toyota macht dasselbe: Es werden BZ-Kraftwerke gebaut (FuelCell Energy), um Wasserstoff für die eigenen BZ-Fahrzeuge zu erzeugen. Parallel bestehen Kooperationen mit Energieunternehmen für H2-Tankstellen. Das Problem einer fehlenden Infrastruktur wird somit inzwischen von den BZ-Fahrzeugherstellern selbst in die Hand genommen, bis die großen Tankstellennetzbetreiber selbst H2-Tanksäulen aufstellen, aber wohl eben erst, wenn es genug BZ-Fahrzeuge gibt. Hydrogenics ist hier ein Gewinner gleich an mehreren Fronten. Der erfolgte Kursrückgang aufgrund der Quartalszahlen ist eine weitere Gelegenheit des Zukaufs, wenn man dem Engagement in diesem Small-Cap eine sehr gute BZ-Zukunft gibt und Zeit mitbringt.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, Dez. 2018

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