Standardisierung im Brennstoffzellen- und Wasserstoff-Sektor

Normung
Übersicht der Standards und Arbeitsgruppen der IEC TC 105, © A. Dyck

Um eine neue Technologie für einen großen Anwenderbereich interessant zu machen, bedarf es definierter Regeln, die es den Unternehmen ermöglichen, Produkte zu entwickeln, die verkauft werden können. Im aktuell stark wachsenden Markt der Brennstoffzellenanwendungen sind diese Voraussetzungen derzeit nur bedingt gegeben. Daher engagieren sich verschiedene Firmen und Institutionen in der Normung und Standardisierung.

Eine Norm ist immer der internationale Konsens für ein bestimmtes Themengebiet. Diese ist zwar nicht immer in der Anwendung zwingend verpflichtend, kann aber durch nationale oder internationale Rechts- oder Verwaltungsvorschriften oder bestimmte Vertragskriterien bindend werden. Normen stellen somit Handlungsempfehlungen privater Vereine (z. B. ISO, IEC, DIN oder DKE) dar. Diese Standards sind also allgemeine Regeln von Unternehmen und Organisationen, die helfen sollen, Produktion und Arbeitsabläufe bestmöglich aufeinander abzustimmen. Somit wird für neue Produkte, Technologien oder Dienstleistungen eine Vertrauensbasis geschaffen. Synergien in gemeinsamen Sicherheitsfragen tragen zudem dazu bei, die Marktreife der Produkte zu steigern. Daneben dienen Normen beispielsweise auch der Qualitätssicherung oder der Verbreitung technischer Innovationen.

Hydrogenics

Eine Norm ist immer herstellerunabhängig zu betrachten. Ihre Anwendung stärkt die Position des Nutzers gegenüber dem Anbieter, da die Einhaltung den Stand der Technik beschreibt, der auch vor Gericht relevant sein kann. Mit einer Norm wird also ein Mindestmaß an Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen geschaffen.

Normen werden immer von technischen Experten im Dialog unter Berücksichtigung aller bekannten Interessen erarbeitet. So wird sichergestellt, dass zukunftsfähige Standards geschaffen werden. Die Entwürfe davon werden im Vorfeld immer veröffentlicht, um für das Thema zu sensibilisieren, so dass jeder Interessent frühzeitig dazu Stellung beziehen kann. Diese Aktivitäten werden in den nationalen Spiegelgremien koordiniert, so dass eine abgestimmte nationale Meinung in den internationalen Verbänden vertreten werden kann. Aufgrund der regelmäßigen Fortschreibung bestehender Normen und der steten Überarbeitung wird garantiert, dass jeweils der aktuelle Stand aus Wissenschaft und Technik beachtet wird.

Braucht die Industrie Normen?

Das Anwendungsgebiet „Brennstoffzellen“ ist sehr vielfältig und tangiert viele normrelevante Themen. Deswegen wurde technologieübergreifend eine Normenfamilie entwickelt. Die Reihe IEC 62282 umfasst bisher beispielsweise allgemeine Sicherheitsprüfungen für Brennstoffzellenmodule (IEC 62282-2) oder Regeln zur Installation, Sicherheit und Leistungskennwertermittlung für stationäre Brennstoffzellensysteme (IEC 62282-3er-Reihe). Aktuelle Weiterentwicklungen von Normen betrachten unter anderem die Themengebiete der Leistungskennwertprüfung von PEM-Brennstoffzellenmodulen oder brennstoffzellenbasierte Mikro-Energiespeichersysteme (IEC 62282-8er-Reihe).

 

weiterlesen im Oktober-Heft der HZwei

 

Autoren: Thomas Jungmann, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg im Breisgau

Alexander Dyck, DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme e. V., Oldenburg

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