Interview mit Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen

Habeck
Robert Habeck

Robert Habeck ist ein etwas anderer Politiker. Vom Typ her kommt er dem Tote-Hosen-Sänger Campino sehr viel näher als dem Bild des klassischen Berufspolitikers. Gerade erst im Sommer 2017 war er in Schleswig-Holstein als Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung wiedergewählt worden, da wurde er im Januar dieses Jahres obendrein Bundesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen. Weil er aber das Ministeramt zunächst ordnungsgemäß übergeben wollte, mussten für ihn extra die Parteistatuten geändert werden. HZwei befragte erst den Landes- und dann den Bundespolitiker Habeck.

HZwei: Lieber Herr Habeck, Sie waren in Ihrer Funktion als Umweltminister des Landes Schleswig-Holstein in diesem Jahr wieder beim Grünstrom-Event in Enge-Sande – das dritte Mal in Folge. Warum besuchen Sie solche Regionalveranstaltungen?

Hydrogenics

Habeck: Das war ja nicht nur eine einfache Regionalveranstaltung, sondern ein Schaufenster für nachhaltige Mobilität hier im gesamten norddeutschen Raum. In Enge-Sande treffen sich viele unheimlich engagierte Menschen, die die Energiewende im Land voranbringen. Das ist auch für mich eine Gelegenheit, mit ihnen in den Austausch zu kommen.

Sie haben in den vergangenen Jahren mit vielen Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. Wie ist die Stimmung im Land?

Habeck: Uns zeichnet hier im Norden ja eine gewisse Ruhe aus. Insofern ist die Stimmung im Land doch immer etwas weniger aufgeheizt, als das in anderen Teilen der Bundesrepublik der Fall sein mag. Das ist übrigens eine wichtige Voraussetzung, um auch kritische Themen sachorientierter miteinander behandeln zu können.

Und wie sieht es in der Energiebranche aus? Was sind dort die vorherrschenden Themen?

Habeck: Der Netzausbau ist in Schleswig-Holstein mittlerweile weit vorangeschritten. Die Mittelachse ist zur Hälfte fertiggebaut, die Westküstenleitung wird noch in dieser Legislaturperiode fertiggestellt. Was die Leute bewegt, ist die Entwicklung der Windkraft im Land. Da haben wir in der Koalition einen guten Weg mit viel Augenmaß gefunden, ohne unsere Energiewendeziele aus dem Blick zu verlieren. Ich hoffe daher sehr, dass der derzeit stockende Ausbau der Windenergie schon bald wieder mehr Fahrt aufnehmen wird. Daneben beschäftigt sich die Branche mit vielen wichtigen und innovativen Themen wie beispielsweise die Systemintegration der Erneuerbaren, Nutzung flexibler Lasten, die Erprobung eines e-Highways, Speicherung, Sektorenkopplung – die Liste ließe sich beliebig fortführen. Wir erproben hier in so vielen Facetten eine zukunftsfähige Energieversorgung.

Schleswig-Holstein profitiert wie kaum eine andere Region in der Welt von dem stetigen Windangebot und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Es scheint hier gelungen zu sein, dass nicht nur die Windpark-Projektierer an der Entwicklung der vergangenen Jahre verdienen, sondern auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Wie kam das?

Habeck: Die Menschen haben schnell verstanden, dass sie gemeinsam von der Energiewende profitieren können, wenn sie sich zusammenschließen. Dadurch wird auch ein relevanter Teil der Wertschöpfung aus der Energiewende im Land und vor allem in vielen Gemeinden im ländlichen Raum gehalten. Mit dem Erfolg der Energiewende kamen aber natürlich nicht nur Wohlstand und Freude, sondern auch harte Konflikte, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Energiewende wird auch künftig nur mit den Menschen gelingen, weshalb es wichtig ist, dass Partizipationsmöglichkeiten erhalten bleiben.

 

das ganze Interview lesen: HZwei Oktober-Heft

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Blogparade der Energieblogger zum Thema Sektorenkopplung.

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