Indien sucht nach Alternativen zum Erdöl

Tata
Brennstoffzellenbus Starbus, © Tata Motors

Die weiterhin wachsende Bevölkerung, aber auch die boomende Wirtschaft lassen Indiens Energiebedarf laut dem letzten World Energy Outlook 2017 der Internationalen Energieagentur bis 2040 im internationalen Vergleich am stärksten ansteigen. Insbesondere die Stromerzeugung und der Verkehr befeuern den immensen Energiehunger. Der Regierung ist sehr wohl bewusst, dass sich der enorme Energiebedarf nur bedingt durch fossile Energieträger decken lässt, zumal Indien selbst nicht über ausreichend fossile Lagerstätten verfügt und heute schon vor allem Erdöl in großen Mengen importieren muss. Deshalb wurde – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Pariser Klimaschutzabkommens, das Indien ratifiziert hat – das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2030 vierzig Prozent der Energieerzeugung aus nichtfossilen Quellen zu decken.

Der hohe Energieverbrauch führt dazu, dass Indien bei den Treibhausgasemissionen heute schon nach USA und China an dritter Stelle steht. Um seinen Verpflichtungen im internationalen Klimaschutzabkommen nachkommen zu können, muss das bevölkerungsstarke Land den Einsatz der fossilen Energieträger drastisch senken. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien hat die Regierung deshalb umfangreiche Programme zur Wiederaufforstung und Anpflanzung von Bäumen aufgelegt, um damit zusätzliche CO2-Senken zu schaffen.

Hydrogenics

Die Dekarbonisierung des Verkehrs steht in dem asiatischen Land weit oben auf der Agenda, denn die hohen Ölimporte kosten das Land viel Geld. Das steigende Verkehrsaufkommen, insbesondere auf der Straße, belastet zunehmend Mensch und Umwelt in den Metropolregionen und Millionenstädten wie Mumbai, Delhi, Kalkutta, Chennai oder Bangalore. Hier hat die Staatsführung bereits vor zehn Jahren Regelungen erlassen, die die Städte verpflichten, die Luftverschmutzung durch die Nutzung von Erdgas anstelle von ölbasierten Kraftstoffen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) drastisch zu reduzieren.

Ein weit verbreitetes Fahrzeugsegment, das man in Europa kaum kennt, sind die (meist) dreirädrigen Autorikschas (umgangssprachlich Tuk-Tuk) mit Zweitaktmotor, die vor allem im Lieferverkehr und als Taxis in den Städten genutzt werden. Diese Autorikschas sind nicht nur ein wesentlicher Bestandteil des öffentlichen Verkehrs Indiens, sie sind auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Indiens Banken bieten ein eigenes Kreditprogramm, damit sich Inder eine Rikscha kaufen können (Preis ca. 2.000 Euro), um sich damit als Ein-Personen-Betrieb selbstständig zu machen. Dies ist eine gern genutzte Option beispielsweise für Studenten, die sich so ihr Studium finanzieren. Im Jahr 2015 wurden in Indien mehr als eine halbe Million neue Autorikschas verkauft und zugelassen.

 

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Autorin: Alexandra Huss

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