Wie wirtschaftlich ist nachhaltiges wirtschaften?

Die Politik ist dafür da, geeignete Rahmenbedingungen zu setzen, damit sich Gesellschaft und Wirtschaft entwickeln und entfalten können. Dumm nur, wenn kein Konsens darüber besteht, welches die richtige Richtung ist. In Demokratien wird in diesem Fall debattiert und gestritten. Im Laufe solch einer öffentlichen Diskussion kristallisiert sich meist heraus, welchen Weg die Mehrheit bevorzugt. Ärgerlich ist dann, wenn einzelne politische Vertreter diesen Konsens schlicht ignorieren und einfach das tun, was sie selbst wollen, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung und auch fast alle Wissenschaftler etwas anderes favorisieren.

Mitunter gibt es auch Interessengruppen, die versuchen, den Entscheidungsfindungsprozess in ihrem Sinne zu beeinflussen. Solche Versuche gab es schon im alten Rom, wo Interessenvertreter in der Parlamentsvorhalle (Lobby) Politiker abfingen und versuchten, sie zu beeinflussen. Dumm nur, wenn diese Versuche gelingen, so wie beispielsweise bei der Umweltprämie, zu der der Bundesrechnungshof im Februar 2018 feststellte: „Die deutsche Automobilindustrie hat die Entscheidung der Bundesregierung zum Umweltbonus und zu dessen Ausgestaltung wesentlich beeinflusst.“

Nimmt man diese Punkte zusammen, kommt heraus, dass derzeit eigentlich ein gesellschaftlicher Konsens darüber besteht – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit –, dass die Verbrennung fossiler Energieträger drastisch reduziert und die Umwelt vor menschengemachten Einflüssen geschützt werden sollte. Es gibt zwar einzelne Staatslenker, die anderer Meinung sind, aber angesichts aktueller Entwicklungen (Bevölkerungswachstum, Smog, Wetterextreme usw.) erscheint dieser Weg als der einzig richtige.

Es gibt auch einzelne Unternehmen, die anderer Meinung sind oder zumindest anders handeln. Den verantwortlichen Firmenlenkern der teils großen Konzerne unterstelle ich einfach mal, dass sie tief im Innersten durchaus einer Meinung sind mit der Bevölkerungsmehrheit. Die Krux ist aber, dass sie dafür bezahlt werden – teils sogar extrem gut bezahlt werden –, teils komplett konträre Entscheidungen zu fällen und diese auch nach außen zu behaupten. Mehr noch: Sie werden dafür bezahlt, dass sie Personen in Vorhallen platzieren, damit sich Politiker diesen komplett konträren Meinungen anschließen, weil dadurch im nächsten Quartal diejenigen viel Geld verdienen, die das Handeln eben jener Firmenlenker kontrollieren.

In diesem Zusammenhang ist äußerst aufschlussreich, was Tesla-CEO Elon Musk im August 2018 an seine Mitarbeiter schrieb, als er begründete, warum er sein Unternehmen von der Börse nehmen wollte (s. Tesla – Twittermania wie bei Trump): „Der Grund dafür ist die Schaffung einer Umgebung, in der Tesla am besten operieren kann. Als Aktiengesellschaft unterliegen wir heftigen Schwankungen unseres Aktienkurses, die für alle bei Tesla tätigen Personen, die alle Aktionäre sind, eine erhebliche Ablenkung darstellen können. Öffentlich zu sein unterwirft uns auch dem vierteljährlichen Gewinnzyklus, der Tesla unter enormen Druck setzt, Entscheidungen zu treffen, die zwar für ein Quartal richtig sein können, aber nicht unbedingt auch langfristig richtig sind. […] Ich glaube grundsätzlich, dass wir in Bestform sind, wenn wir uns auf unsere langfristige Mission konzentrieren können und wenn es keine perversen Anreize für Menschen gibt, zu versuchen, dem zu schaden, was wir alle erreichen wollen. Dies gilt insbesondere für ein Unternehmen wie Tesla, das eine langfristige, zukunftsorientierte Mission verfolgt. […] Im Grunde versuche ich, ein Ergebnis zu erreichen, bei dem Tesla optimal arbeiten kann, frei von Ablenkung und kurzfristigem Denken.“

Elon Musk beschritt mit diesem Versuch Tesla zurückzukaufen mal wieder einen neuen Weg. Ob dies der richtige war, muss sich erst noch zeigen. Fraglich ist auch, ob seine Zeilen ehrlich gemeint waren oder nur der eigenen Profitmaximierung dienten. Jeder sollte daher selbst überlegen und offen darüber diskutieren, ob solch eine langfristige Denkweise nachhaltiger und sinnvoller ist oder eher die Herangehensweise anderer Autobauer, die möglichst lange am Diesel und an der Verbrennungstechnik festhalten, um bis zuletzt die Dividenden ihrer Aktionäre zu schützen.

Dumm nur, wenn eben diese Aktionäre dann ihre Anteile nicht rechtzeitig verkauft haben und das Unternehmen bereits dabei ist, den Weg einzuschlagen, den damals auch Kodak* – eher unfreiwillig – genommen hat.

* Kodak ging 2012 pleite, weil es die Potentiale der neuen „disruptiven“ Digitalfotografie nicht erkannte.

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