Militär als Driving Force für Brennstoffzellen

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P. Rogers, TARDEC, bei der Übergabe des Chevrolet Colorado ZH2, ©: GM / J. Sauger

In der Raumfahrt ist der Einsatz von Wasserstoff und Brennstoffzellen hinlänglich bekannt. Aber wenig bekannt ist, dass auch das US-Militär an vielen Einsatzmöglichkeiten für die Brennstoffzelle arbeitet. Könnte hiervon gar ein positiver „First-Mover-Effekt“ ausgehen und dem BZ-Markt den richtigen Schwung geben? „America First“ einmal anders gedacht – eine Vision.

US-Präsident Trump kann unterstellt werden, dass nicht zuletzt er selbst am kontinuierlich starken Ölpreisanstieg der vergangenen Monate beteiligt ist und diesen sogar beschleunigt. Man kann auch sagen: Ursache und Wirkung. Seine Drohungen in Richtung Iran und die geplanten Sanktionen gegen den Verkauf von iranischem Öl lassen die Märkte den Ölpreis weiter anziehen, denn im Falle einer Umsetzung dieser Drohungen würden gut drei bis vier Millionen Barrel Öl pro Tag in der weltweiten Produktion fehlen. Normalerweise müssten davon alternative Energien profitieren. Die amerikanische Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) leidet aber stattdessen unter massiven Etatkürzungen seitens der Regierung Trump. Ein unbeabsichtigter Ausgleich könnte indes vom Department of Energy (DOE) und dem US-Militär kommen.

US-Militär weltgrößter Ölkonsument

Das US-Militär mit all seinen Teilstreitkräften ist nicht nur der größte Ölkonsument in den USA, sondern auch weltweit. Über 350.000 Barrel werden täglich verbraucht, was nachvollziehbar ist bei einem Heer von über 1,1 Mio. Soldaten. Die riesige Fahrzeugflotte inklusive Fluggeräten, Schiffen u. v. a. benötigt eben sehr viel Energie. Für die Nutzung von Brennstoffzellen und grünem Wasserstoff lassen sich da sehr viele Anwendungen mit deutlich gesteigerter Energieeffizienz finden – umweltfreundlich und ganz ohne Ölverbrauch. In U-Booten deutscher Bauart ist die Brennstoffzelle schon lange im Einsatz.

Beim Abrams-Panzer wurde die Brennstoffzelle bereits 2010 getestet. Seit 2015 arbeitet auch General Motors daran, Militärfahrzeuge mit Brennstoffzellensystemen auszurüsten, und präsentierte 2017 den Chevrolet Colorado ZH2. Und Northrop Grumman setzt bei dem Transporthubschrauber UH-1 (HUEY) auf BZ-Technik von Kellstrom Defense.

Inzwischen kann auch der gemeine Soldat profitieren, wenn er statt schwerer Akkus ein BZ-System am Mann trägt und einfach nur Wasserstoffkartuschen austauschen muss. Das Gewicht der Energie benötigenden Ausstattung am Soldaten (Funkgeräte, Nachtsichtgeräte, IT, Waffensysteme) kann mit dieser Technik um über 80 Prozent gesenkt werden. Die Zeit der Akkumulatoren läuft somit aus, denn diese müssen langatmig geladen werden, wiegen zu viel und müssen am Ende auch noch entsorgt werden.

Protonex liefert BZ-Systeme für Soldaten, für Backup-Systeme und auch für Drohnen. Das Tochterunternehmen der kanadischen Ballard Power arbeitet eng mit Boeing zusammen. Gerade Drohnen sind mit Brennstoffzelle ausgestattet deutlich leichter als mit Akkus, wodurch sich die Flugzeiten erheblich erhöhen. Das wird man auch im zivilen Einsatz sehen, denn Großunternehmen (z. B. Amazon, Google und die deutsche DHL) sehen in der Logistik ebenfalls Potentiale.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die U.S. Navy ihre Drohne vom Typ Ion Tiger zukünftig drei Tage lang in der Luft halten will. Aktuell sind 48 Stunden möglich. Protonex arbeitet seit 2006 mit der U.S. Navy zusammen und könnte von der U.S. Army insgesamt in den kommenden fünf Jahren Aufträge im Wert von über 150 Mio. US-$ erhalten, wie es aus dem Hause der Muttergesellschaft Ballard Power zu hören ist. Ein wesentlicher Vorteil ist hierbei, dass brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge sehr leise sind und aufgrund geringerer Lärm- und Abgasemissionen ein deutlich geringeres Risiko aufweisen, aufgespürt zu werden.

So makaber es klingen mag: Die USA könnten nach der sehr nationalistischen und protektionistischen Devise des US-Präsidenten Trump („America First“) im Bereich der Nutzung der Brennstoffzelle im militärischen Sektor ein Front-Runner sein, der aufgrund seiner enormen Finanzkraft mit über 650 Milliarden US-$ pro Jahr neue Akzente setzt, was dann in der Konsequenz auch auf den zivilen Sektor ausstrahlen wird. Vor allem die Umweltaspekte sollten nicht unterschätzt werden, wenn der größte Ölverbraucher der Welt umdenkt und umlenkt. Die US-Militärs könnten dies verstanden haben. „America First“ einmal positiv gedacht. Bislang ist dies aber nur eine Vision.

Dieser Artikel von Sven Jösting erschien auch auf Bilanz.de (Die Welt).

1 Gedanke zu “Militär als Driving Force für Brennstoffzellen

  1. Ja, in der Raumfahrt und beim Militär hat die BSZ sicherlich größeres Potential. Denn in diesen Sektoren zählen spezielle Eigenschaften deutlich mehr als Wirtschaftlichkeit.

    Im normalen Alltag sehe ich diese Möglichkeiten nicht. Manch ein Autofahrer nimmt mehrere Kilometer Anfahrtsweg zur Tankstelle in Kauf, weil die Handy-App einen Preisvorteil von wenigen Cent/Liter in Aussicht stellte …

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