Elektro-Kleinwagen für 10.000 Euro

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e.GO Life auf der Straße, © e.GO Mobile

Eine Liste für Vorbestellungen zu eröffnen ist bei Pionieren der Elektromobilität beliebt – siehe Elon Musk bei Tesla. Und so macht es auch Prof. Günther Schuh. Er ist Produktionsexperte und baute zuerst einen elektrischen Transporter für die Post. Jetzt geht sein Stadtauto in die Serienfertigung. Bereits 2.900 Kaufwünsche für den Flitzer e.GO Life stehen auf Schuhs Liste.

Professor Schuh hat den Lehrstuhl für Produktionssystematik an der RWTH in Aachen inne und ist zudem Gründer und Geschäftsführer der Firma e.GO Mobile AG. Nun muss er liefern: Seit Mai 2018 laufen im Werk 1 in Aachen die ersten Straßenflitzer e.GO Life vom Band. Die gesamte Fabrik soll Mitte Juli eröffnen. Ende des Jahres sollen dann die ersten Kunden ihren Wagen fahren dürfen.

1.000 Autos sollen in diesem Jahr verkauft werden. Etliche Käufer werden also etwas länger auf ihren e.GO warten müssen. Wie Tesla plant auch Prof. Schuh einen schnellen Hochlauf der Produktionskapazitäten. Ab 2019 ist eine Produktion von 10.000 Fahrzeugen geplant. Ab dem dritten Quartal soll dann auf einen Zweischichtbetrieb umgestellt werden, erklärt er. „Dann rollt alle zehn Minuten ein e.GO vom Band“, verspricht der promovierte Ingenieur.

Elektrische Autos brauchen laut dem Autoprofessor nicht die gleiche Reichweite wie Autos mit Verbrennungsmotor. Deshalb hat sich das Start-up aus Aachen auf ein Fahrzeug konzentriert, das vor allem für kürzere Strecken und Pendler interessant ist. Es verfügt über vier Sitze und eine Reichweite von 130 bis 200 Kilometern – je nach Anzahl der eingebauten Lithium-Akkus. Im realen Stadtbetrieb sind allerdings rund 20 Prozent der Kilometer abzuziehen.

Für die Kaufinteressenten ist – neben aller Liebe und Leidenschaft – insbesondere der Preis ein schlagendes Argument: Das Modell mit 14,9 kWh für 136 Kilometer wird 15.900 Euro kosten, verkündete Schuh. Zieht man die Kaufprämie für Elektroautos von 4.000 Euro sowie die Mehrwertsteuer ab, bleiben etwa 10.000 Euro. Je nach Größe der Batterie erhöht sich der Gesamtpreis: Das zweite Modell mit einer 17,9-kWh-Batterie kostet 17.400 Euro, und das Modell mit der größten Batterie von 23,9 kWh ist für 19.900 Euro zu haben.

Mit der Preisvorgabe von 10.000 Euro im Hinterkopf hatte Günther Schuh seinerzeit den Streetscooter für die Post entwickelt. Die Post hat die Firma in Aachen später gekauft und fertigt nun 35 Transporter pro Tag. „Diese Erfahrungen flossen in den e.GO Life, ein Modell für private Fahrer und gewerbliche Fuhrparks sowie Pflegedienste“, erklärt er. Der Elektromotor, der als Startermotor von vielen Autokonzernen genutzt wird, kommt von Bosch und wird mit 48 Volt betrieben. Vorteil: Die Werkstätten und Servicestationen von Bosch können auch eventuelle Reparaturen am e.GO übernehmen. „Allerdings ist der Servicebedarf bei Elektromotoren viel geringer als beim Verbrennungsmotor“, weiß der Streetscooter-Mitbegründer. Denn im Elektroauto gibt es kaum noch bewegte oder heiße Teile.

Zum Vergleich veranschaulicht Schuh: „Ein BMW 5 hat rund 150 bewegte Teile, der e.GO Life kaum ein Dutzend.“ Auch die Bremsscheiben werden weniger beansprucht und halten somit viel länger, weil der Elektromotor Bewegungsenergie beim Bremsen durch Rekuperation zurückgewinnt, indem er als Generator läuft und so die Batterie lädt.

Als Nächstes ein Kleinbus

Aber nicht nur an einem Pkw, sondern auch an einem Elektrokleinbus für die Stadt arbeitet das Start-up. Der heißt e.GO Mover, soll ab Mitte 2019 produziert werden und kann bis zu 15 Personen transportieren. In diesem Jahr fahren bereits Prototypen in verschiedenen Pilotprojekten.

Elektrische Transporter oder Busse am Markt zu kaufen, kann sich durchaus als schwierig erweisen, erst recht wenn viele Exemplare benötigt werden. Das mussten auch die Berliner Verkehrsbetriebe im Rahmen einer Ausschreibung für 45 Busse erfahren, als sie nur ein einziges Angebot erhielten und die Frist verlängern mussten. Die BVG hat sich nun in China die Busse des Autoherstellers BYD zeigen lassen.

Auch deshalb baut die Post seit vier Jahren selbst einen Transporter. Insgesamt 5.500 Streetscooter fahren heute durch deutsche Innenstädte. Das mehrheitlich private Logistikunternehmen ist damit zu einem der führenden Hersteller für Elektrotransporter aufgestiegen. Nun will die Post auch ein Modell mit Brennstoffzellen auf die Straße bringen. „Wir planen, bis Ende 2019 eine Flotte von einigen Hundert Fahrzeugen zu Erprobungszwecken in die Konzernflotte von Deutsche Post DHL Group einzuführen“, so Achim Jüchter, Leiter des Bereichs Range-Extender-Systeme bei Streetscooter, gegenüber HZwei. Mehr will er noch nicht verraten. Vorbestellungen sind sicher schon möglich.

Autor: Niels Hendrik Petersen

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