PtG-Betrieb wieder aufgenommen

Uniper
Liefert Wärme für die benachbarte Furnierfabrik,© Uniper

Die Power-to-Gas-Anlage in Falkenhagen ist um eine Methanisierungsstufe erweitert worden. Dieser Schritt ist Bestandteil des europäischen Forschungsprojekts STORE&GO, das damit in seine nächste zweijährige Phase tritt: Statt reinen Wasserstoffs soll in der Prignitz zukünftig direkt neben der bereits bestehenden Anlage „grünes“ Methan (bis zu 57 m³/h = 600 kWh/h) erzeugt und ins Erdgasnetz eingespeist werden. Laut einer Pressemitteilung der Projektpartner hat damit „die Sektorenkopplung für erneuerbaren Strom durch Umwandlung in synthetisches Methan begonnen“.

Dr. Christian Ehler, Europaabgeordneter für Brandenburg, sagte: „Durch die Anbindung an das Erdgasnetz der Region eignet sich das Power-to-Gas-Projekt ausgezeichnet, um die technischen und regulatorischen Herausforderungen beim Bau und Betrieb von Speicheranlagen auszuloten. […] CO2-neutrales Gas kann einen entscheidenden Beitrag zu den europäischen Dekarbonisierungs- und Energiezielen leisten.“ Michael Riechel, Präsident des DVGW, ergänzte: „Damit Power-to-Gas sein Potenzial als grüne Batterie der Energiewende voll entfalten kann, müssen regulatorische Hürden fallen und die Anlagen einen gleichberechtigten Zugang zum Markt erhalten.“

Der Standort war 2013 einer der ersten, bei dem diese Art der Energiespeicherung in Form von Wasserstoff erprobt worden war. Das Projekt STORE&GO hatte 2016 mit 27 beteiligten Partnern begonnen und wird mit insgesamt 18 Mio. Euro von der EU gefördert. Ganz anders sieht es für die PtG-Anlage in Hamburg-Reitbrook aus, die ebenfalls von Uniper mitbetreut wird, deren Weiternutzung nach dem Projektende 2016 aber völlig offen ist. Seitens Uniper hieß es dazu, die Anlage sei „betriebsbereit, aber zurzeit ruhend“.

Bundesnetzagentur ist gegen Power-to-Gas

Aus Anlass der Inbetriebnahme forderte Uniper-Geschäftsführer Dr. Axel Wietfeld entsprechende Änderungen der gesetzlichen Vorgaben. Dies wies Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, jedoch laut Schweriner Volkszeitung zurück. Danach sagte er: „Wir wollen mit dem Gasleitungsnetz nicht weitere Herausforderungen schaffen wie im Bereich der Elektrizität oder der Telekom.“

6 Gedanken zu “PtG-Betrieb wieder aufgenommen

  1. Ich denke, man will eben Kapazitäten im deutschen Gasnetz freihalten für künftige russische Lieferungen (Nord Stream 2). Meiner Meinung nach liegt dies an einem prominenten deutschen Fürsprecher, dem Auftsichsratvorsitzenden der Nord Stream AG .
    und des russichen Mineralölkonzerns Rosneft.

  2. Wie teuer ist 1 Kg E gas und wie ist der Gesamtwirkungsgrad einer solchen Anlage? Wo kommt das Co2 her? Aus Biogasanlagen? Wieviel Kw/h wird benötigt um 1 Kg herzustellen
    Methan ist im Verhältnis zu anderen Gasen ausgesprochen Klimaschädlich.
    Freue mich auf die Antworten.

    • Hallo Martin,
      ich habe Ihre Fragen an Uniper weitergeleiter und heute diese Antwort erhalten:

      Power-to-Gas ist eine sinnvolle Lösung, um den volatilen regenerativen Strom aus Wind und Sonne speicherfähig zu machen und damit die Verschiebung durch regional und saisonal unterschiedliche Stromerzeugung auszugleichen. Darüber hinaus kann mit PtG bereits heute regenerative Energie in das bestehende Energiesystem für Wärme, Strom und Mobilität integriert werden. In der Pilotanlage setzen wir ca. 1,15 MW EE-Strom ein um am Ende ca. 40 kg synthetisches Methan (SNG) pro Stunde zu erzeugen. Das SNG wird selbstverständlich nicht in die Atmosphäre abgegeben, sondern kann vielfältig eingesetzt werden: Es kann verschiedenen Marktsektoren, wie dem Strom- und Wärmemarkt, der Industrie sowie der Mobilität zur Verfügung gestellt werden. Außerdem ermöglicht es die unbeschränkte Nutzung der Erdgasinfrastruktur beispielsweise für Transport und Speicherung. Da das verwendete CO2 aus einer Bio-Ethanol-Anlage stammt, ist der Vorgang vollständig klimaneutral. PtG ist damit als Speicherlösung für regenerative Energien ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der Energiewende.
      Weitere Informationen zu PtG finden Sie auch hier: https://blog.erdgas.info/power-to-gas-zweite-runde-fuer-falkenhagen/

      • Ok Danke, das macht dann ca. 5,20€/kg e-gas bei 20 cent/kWh.
        Wer zahlt denn den Preis über welchen Zeitraum wenn cng an der Zapfsäule ca 1,10€/kg kostet und der ist noch auf 220 bar hochkompremiert ist?
        Ist also eine Steigerung zu den Kosten an der Zapfsäule von ca. 500%+. Gleiches Problem hat auch h2 in gasförmiger Form. Bin gespannt was sich da durchsetzen wird. GLT oder Joi scientific
        Gruß
        M.F

  3. 2013 sagte Homann noch: „Für die Energiewende ist Power to Gas eine wichtige technologische Option. Überschüssiger Strom aus Wind- und Sonnenenergie kann damit umgewandelt, in das Erdgasnetz eingespeist und dort gespeichert werden.“
    https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2013/131210_PowerToGas.html

    2018 fand er dann kritische Worte zu den grünen Gastechnologien: „Die Zukunft für Gas muss sich rechnen. Sie kann nicht herbeisubventioniert werden.“
    https://www.energate-messenger.de/news/181439/eu-beamter-gas-ist-teil-der-loesung-

  4. Gibt es eine Erklärung von Herrn Homann, warum das Gasnetz überlastet sein soll? Es ist doch auch Platz für die neuen Lieferungen aus Russland? Ebenfalls geht der Gasverbrauch zurück, weil die Gasturbinen Kraftwerke nicht eingeschaltet werden. Hat jemand mehr Info?

Schreibe einen Kommentar