Der Druck auf Tesla steigt

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Semi-Truck, © Tesla

Die Zahlen für das erste Quartal haben einen weiteren Rekordverlust wie auch Kapitalabfluss zum Ergebnis gehabt: Verlust von über US-$ 700 Mio. und US-$ 600 Mio. weniger an Cash. Da ist es nebensächlich, dass der Umsatz stark anzog (US-$ 3,41 Mrd.) und die Produktionshöhe des Model 3 allmählich in Gang kommt. Denn Tesla verbrennt sehr viel Kapital und könnte genötigt sein, trotz massiver Dementis des CEO mindestens eine weitere Kapitalerhöhung noch in diesem Jahr durchzuführen. Dabei kann man die in den kommenden zwölf bis achtzehn Monaten fälligen Schulden ebenso mit einbeziehen wie die zu zahlenden offenen Rechnungen, die zum Ende des ersten Quartals auf US-$ 2,6 Mrd. angestiegen sind (Bargeldbestand zum Quartalsende bei ca. US-$ 2,7 Mrd.; ca. US-$ 985 Mio. an Anzahlungen für alle Modellreihen).

Das Model 3 bedarf weiterhin sehr hoher Investitionen, bis die wöchentliche Produktion das erste Etappenziel von 5.000 Einheiten im Juli erreicht hat. Hier zeigt sich, wie undifferenziert viele Analysten das Unternehmen einschätzen: Der Analyst bei Nomura begrüßt es gar, dass die Investitionen im Gesamtjahr zurückgefahren werden sollen. Andere sehen es umgekehrt als Bedingung an, die Investitionen auszuweiten, um Model 3 in den gewünschten Größenordnungen überhaupt auf den Markt zu bringen, denn es soll ja den notwendigen Cashflow generieren, um damit allen finanziellen Erfordernissen zu entsprechen.

Unternehmenschef Musk scheint kein so dickes Fell mehr zu haben: In der Telefonkonferenz zum Quartalsergebnis mit Analysten und Aktionären sagte er sinngemäß, dass er es satt sei, immer die gleichen langweiligen Fragen der Analysten zu beantworten. Deswegen wechselte er während der Konferenz einfach zu den Fragen der Kleinaktionäre via YouTube, ohne die noch offenen Analystenfragen beantwortet zu haben: ein Affront, der den Kurs gleich um fünf Prozent nach unten rauschen ließ. Die Antwort auf die Frage, wie viele Vorbestellungen für Model 3 denn nun vorlägen, lieferte er nicht mehr. Ob es nun 450.000 sind oder vielleicht auch nur 250.000, steht unbeantwortet im Raum.

Die Untersuchungen seitens zuständiger Fachbehörden (u. a. NTSB – National Transportation Safety Board/Verkehr) haben nun auch einen „schalen Beigeschmack“, da Elon Musk diese brüskiert haben dürfte, indem er vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit gab, ohne Untersuchungsergebnisse abzuwarten, und zudem wohl auch Äußerungen diesbezüglich getätigt hat, die die Untersuchung einseitig kommentieren.

Patentklagen durch Nikola Motors

Des Weiteren hat der Hersteller von BZ-Hybrid-Lkw, Nikola Motors, Tesla auf US-$ 2 Mrd. verklagt, da man Patente als verletzt ansieht. Stellt man beide Lkw nebeneinander, so ist die Ähnlichkeit zwischen dem Semi-Truck von Tesla (s. Abb.) und dem von Nikola Motors doch sehr verblüffend. Tesla soll – ohne Obligo – wichtige Mitarbeiter von Nikola abzuwerben versucht haben.

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Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting

2 Gedanken zu “Der Druck auf Tesla steigt

  1. Wenn man negative Darstellungen zu Tesla sucht, ist man hier richtig. Man könnte auch „realistische Einschätzungen“ unterstellen. Aber das fällt schwer, wenn hier geschrieben wird „Das Model 3 bedarf weiterhin sehr hoher Investitionen, bis die wöchentliche Produktion das erste Etappenziel von 5.000 Einheiten im Juli erreicht hat.“ – was sich irgendwie ausschließt.
    Ja, Tesla hat Ende Juni 2017 erstmals 5.000Tesla Model3 in einer Woche (!) produziert.
    Ja, dieses Ziel bedurfte einiger Investitionen und wohl auch nachträglicher Korrekturen.

    Aber so, wie es hier im Artikel steht liest es sich irgendwie anders. Dass „Tesla Grohmann Automotion“ kurzfristig zusätzliche Produktionskapazität zur Verfügung stellte ist sicher eine teure Investition – zahlt sich längerfristig aber eher aus.
    Ebenso die offene Suche nach qualifizierten Montagearbeitern.

    Man kann es halt verschieden sehen …

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