Analyse der EU-Fördermittel im BZ-Sektor

Eska
Partnernetzwerk der EU-Projekte, © Eska

Die Europäische Kommission veröffentlicht zu allen Förderprojekten, die sie im Rahmen des ehemaligen 7. Forschungsrahmenprogramms (FP7) und des aktuellen Programms Horizon 2020 (H2020) bewilligt hat, Metadaten. Diese können mit Hilfe von Datenanalysetools aufbereitet und ausgewertet werden, um so wertvolle Informationen, beispielsweise für eine Wettbewerbsanalyse, zu erhalten. Dieser Artikel beleuchtet, wer im Rahmen von europäischen Förderprojekten zusammengearbeitet hat und wie die entsprechenden Kooperationsnetzwerke aussehen.

Die Datenbasis, die dieser Betrachtung zugrunde liegt, umfasst 39.251 Projekte (FP7, H2020), wovon 238 einen engeren Bezug zur Brennstoffzelle haben. Die BZ-Vorhaben machen folglich nur 0,6 Prozent aller Fördervorhaben aus. Da hier allerdings nur Vorgänge berücksichtigt sind, die im Endeffekt auch als förderwürdig eingestuft wurden, war die Anzahl der anfangs eingereichten Anträge noch um ein Vielfaches höher.

An jedem der 238 betrachteten Projekte sind in der Regel mehrere Partner beteiligt. Um die dadurch bedingte sehr große Datenmenge dennoch möglichst übersichtlich darstellen zu können, bietet sich eine Netzwerkgrafik in einem Kraftmodell an. Dabei werden die jeweiligen Akteure umso höher gewichtet, je mehr Partner sie haben.

Da bei dem laufenden H2020-Programm immer wieder neue Projekte hinzukommen, wurden nur die Metadaten bis zum 1. Juni 2017 berücksichtigt. Als Filter wurden die Bereiche FCH (fuel cell hydrogen) und Brennstoffzelle gewählt, so dass beispielsweise keine Projekte aus der Grundlagenarbeit zur Katalyse oder für Batterien enthalten sind.

Wettbewerbsanalyse

Die Darstellung in Abbildung 1 zeigt deutlich, dass im FP7 ein Hauptplayer im Zentrum stand und dass es einige Nebenzentren gab: In diesem Fall stand das Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA – Kommissariat für Atomenergie und alternative Energien) aus Frankreich im Mittelpunkt, gefolgt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Für ein FuE-Förderprogramm ist es nicht überraschend, dass es sich bei diesen zentralen Akteuren um Forschungseinrichtungen handelt. Beide Forschungseinrichtungen sind beziehungsweise waren in 78 Projekte eingebunden und mit rund 240 Partnern verlinkt. Sie sind zudem bei etwa einem Drittel ihrer Projekte als Koordinator tätig, waren also auch für die erfolgreichen Projektanträge verantwortlich.

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Beispiel: Daimler

Im Vergleich der Automobilhersteller ist Daimler am aktivsten. Von den großen deutschen Konzernen ist hier nur Linde noch stärker involviert.

Beim Heranzoomen an einzelne Unternehmen lassen sich die einzelnen Partnerfirmen identifizieren, die innerhalb der jeweiligen Projekte beteiligt sind. Da selbst Konzerne wie Daimler in der Regel nur eine überschaubare Anzahl von EU-Projekten durchführen, kann die Darstellung vereinfacht werden, indem beispielsweise nur die FCH-Projekte und nur die Projektpartner im H2020 betrachtet werden (s. Abb. 3):

Im FP7 verfolgte Daimler in Summe 35 Projekte, wovon fünf FCH-Vorhaben waren. Zudem ist Daimler bei den folgenden H2020-Projekten (s. Tab. 3) aktuell als Partner involviert, wobei der Autobauer die ersten drei auch selbst koordiniert: Vier der dreizehn Projekte – farblich markiert – sind FCH-Vorhaben. Die Stuttgarter sind zumeist an Projekten mit vergleichsweise vielen Partnern beteiligt.

Fazit

Die Analyse von EU-Projekten ermöglicht es, ein wesentliches Puzzlestück zu einer umfassenden Wettbewerbsanalyse hinzuzufügen. Die Vernetzung beim Thema Brennstoffzelle und Wasserstoff ist europaweit stark ausgeprägt. Insbesondere in den großen Anwendungsprojekten sind vermeintliche Wettbewerber gemeinsam aktiv, um die Technologie nach vorne zu bringen.

Autor: Benedikt Eska, Technology Management SK, Garching

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